Integration

Muslime und Christen tauschen sich aus

Der Lions Club (li.  Präsident Karl Kristian Woelm) lud die Marokkanische Gemeinde in die Alte Kirche ein.

Der Lions Club (li. Präsident Karl Kristian Woelm) lud die Marokkanische Gemeinde in die Alte Kirche ein.

Foto: WAZ FotoPool

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Heiligenhaus.Alles fängt bei Adam und Eva an? Mitnichten, nicht einmal die Bibel. Dort wird erst einmal die Welt geschaffen. Eine Welt, in der verschiedene Religionen zusammenleben. Und damit sich die ein wenig näherkommen, hat der Lions-Club Velbert-Heiligenhaus einen gemeinsamen Abend mit der hiesigen Marokkanischen Gemeinde initiiert.

Wenngleich der Satiriker und Jude Ephraim Kishon einst schrieb: „Abraham kann nichts dafür“, so muss das mit Vorsicht genossen werden. Der Begriff „Stammvater Abraham“ kommt nicht von ungefähr. Der Islam, das Juden- und das Christentum gehen auf Abraham zurück. Sie werden deshalb als abrahamitische Religionen bezeichnet.

„Familienkrach“ als Geburtsgeschichte der Religionen

In der Realität sieht das oft anders aus. Aus diesem Grund hat sich der Präsident des Lions-Clubs, Karl Kristian Woelm, mit dem Vorsitzenden der Marokkanischen Gemeinde Fouad El-Hamdani zusammengetan. Sie treffen sich mit ihren jeweils zahlreichen Mitgliedern zunächst in der Alten Kirche.

Dort trägt Pfarrer Horst-Ulrich Müller die christliche Auffassung von der Geschichte Abrahams vor, beschreibt sie in eigenen Worten als „Familiengeschichte inklusive Krach“. Er versteht die Aussage auch politisch. Es sei ein Ärgernis und Verheißung gleichermaßen. Aber: „In Abraham steckt auch der Segen für alle Geschlechter (Gen.13) der ganzen Welt drin.“

Gedanken über Vorurteile

Noch bevor die pilgernde Gruppe anschließend die Moschee an der Gohrstraße erreicht, bezeichnet Atika Laaraichi die gemeinsame Aktion als „total gut“. Jetzt könne man sich „Gedanken machen, warum es so viele Vorurteile gibt“. Die 29-Jährige kennt, wie alle muslimischen Gäste, bereits christliche Gotteshäuser. „Ein Schritt in die richtige Richtung“, meint Laaraichi.

Wissend, was der Islam für eine Ansicht hat, meint Asrihi Abdelfattah: „Der Abend zeigt mir, dass wir in der Gesellschaft zusammen passen.“

Dann heißt es „Assalam aleikum“ auf dem Gelände der Muslime.

Im Koran wird Abraham 69 mal erwähnt

Chadidscha Riad trägt in der Moschee den zweiten Teil von Abraham, den muslimischen Part, vor. Zunächst beschreibt sie die Unterschiede zwischen Bibel und Mushaf (dem niedergeschriebenen Koran). Innerhalb von 20 bis 30 Jahren wurde der Mushaf geschrieben, kurz nach dem Tod des Propheten Mohammed. Die Bibel, erklärt Riad, sei chronologisch, der Koran gebe göttliche Botschaften wieder, 114 Suren an der Zahl mit rund 6200 Versen. „Abraham wird 69 mal erwähnt.“ Schwester Chadidscha beschreibt, ähnlich wie Pfarrer Müller, den Werdegang Abrahams und fasst zusammen: „Unterschiede sind nicht so viele da – die Wurzeln sind die gleichen, nur verschiedentlich interpretiert.“ Anschließend rezitiert der Iman aus dem Koran.

El-Hamdani berichtet, dass der Islam eine friedliche Religion sei, in der bei ihnen Bildung, Gleichberechtigung und Toleranz zähle. Und Woelm ist „überrascht über die vielen Gemeinsamkeiten und, dass wir sofort einen guten Draht zueinander gefunden haben.“

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