Kulturausschuss

Künstler kritisiert Liste zu Ausstellungsräumen in der Stadt

Im März fand die letzte Ausstellung der Künstlervereinigung „Kunstquadrat“ im Alten Pastorat statt. Kunstquadrat-Mitglied Thomas Pischke hätte gerne mehr Möglichkeiten für Kunstausstellungen in der Stadt.

Im März fand die letzte Ausstellung der Künstlervereinigung „Kunstquadrat“ im Alten Pastorat statt. Kunstquadrat-Mitglied Thomas Pischke hätte gerne mehr Möglichkeiten für Kunstausstellungen in der Stadt.

Foto: Carsten Klein

Heiligenhaus.  Bei der Sitzung des Ausschusses gab es Diskussionen zu möglichen Standorten von Kunstschauen. Auch ein anderer Punkt sorgte für Debatten.

Nachdem das Alte Pastorat wegen seines Neubaus nicht mehr als Ort für Kunstausstellungen in Heiligenhaus zur Verfügung steht, hat die Verwaltung nun eine Liste mit allen verfügbaren Räumen für Kunstschauen erstellt. Diese hat sie am Donnerstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Städtepartnerschaften vorgestellt. Doch das Ergebnis stößt bei der Künstlervereinigung „Kunstquadrat“ auf Kritik. Daneben sorgte der Beschluss, drei neue Stolpersteine für jüdische Opfer des NS-Regimes zu verlegen, für Diskussionen im Ausschuss.

Neun Standorte für Kunstausstellungen

So hat das Kulturbüro nach einem Antrag der Grünen vom 30. Oktober 2018 jetzt neun mögliche Standorte für Ausstellungen aufgeführt: Kreissparkasse, Stadtbücherei, katholisches Pfarrzentrum, Haus der Kirche der evangelischen Gemeinde, VHS-Café „Verweile doch“, Rathaus, Stadtteilzentrum Oberilp, Waldhotel sowie Bürgerbüro. Das allerdings stellt Thomas Pischke vom „Kunstquadrat“ überhaupt nicht zufrieden: In einer Erklärung bezeichnete er die Aufzählung als „dürftig. Und das ist noch ein Euphemismus“.

Pischke weiter: „Weder scheinen die im Antrag und in der Debatte deutlich mit auf den Weg gegebenen Verweise auf eine Kooperation mit Handel und Wirtschaft stattgefunden zu haben, noch gibt diese Liste auch nur den Ansatz kreativer Lösungsfindung und alternativer Vorschläge her.“ Dies gehe an der Intention vorbei, neue Orte für die Kunst zu finden und sei lediglich eine Aufzählung „der üblichen Verdächtigen“. Kulturbüroleiterin Almuth Schildmann-Brack kann Thomas Pischkes Einwände auch nachvollziehen: „Wir sind weiterhin auf der Suche nach zusätzlichen Räumlichkeiten. Doch in der Interimszeit stehen leider nur diese Möglichkeiten zur Verfügung“, sagte sie der WAZ.

Ort wie das Alte Pastorat sollte gefunden werden

In der Ausschusssitzung regte Stefan Okon (WAHL-Fraktion) an, die Verwaltung solle möglichst eine städtische Immobilie als festen und ganzjährigen Ort für Projekte von Künstlern suchen. Denn: „Der Erfolg des Alten Pastorats als Ausstellungsraum zeigt, wie wichtig das wäre.“

Dem schloss sich Thomas Langmesser, Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Soziales, Jugend und Kultur, auch an, gab aber zu bedenken: „Das ist mit Kosten verbunden, da muss man sehen, in welchem Umfang Ressourcen zur Verfügung stehen.“ Er sei auch mit potenziellen Förderern im Gespräch, warte aber noch auf Antwort, so Langmesser. In diesem Zusammenhang schlug Stefan Okon vor, über einen Förderverein nachzudenken: „In anderen Städten klappt das auch zusammen mit Ehrenamtlern.“

Debatte um die Verlegung von drei neuen Stolpersteinen

Viel Engagement hat auch der Arbeitskreis Stolpersteine an den Tag gelegt und in seiner Sitzung im Juli drei weitere jüdische Opfer des Nationalsozialismus’ ausgewählt, derer mit einem so genannten Stolperstein gedacht werden soll. Es sind Hildegard und Siegmund Oss sowie deren Sohn Günter. Diese Namen deckten sich sowohl mit den Recherchen von Ruth Ortlinghaus vom Stadtmarketing-Arbeitkreis Kultur und Gesellschaft als auch mit denen vom Linken-Politiker Rainer Köster, der auch das Buch „Ewig kann’s nicht Winter sein...“ zu NS-Opfern in Heiligenhaus verfasst hat.

Doch Ruth Ortlinghaus, die ebenfalls dem Arbeitskreis Stolpersteine angehört, jedoch bei der Juli-Sitzung verhindert war, zeigte sich erstaunt über die Auswahl: Das Ehepaar Oss habe nach seiner Heirat und der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1936 nicht mehr lange in Heiligenhaus gelebt. Und: „Sammy Oss, der Vater von Siegmund Oss, war eine stadtbekannte Persönlichkeit und Mitbegründer der Feuerwehr“, meinte Ortlinghaus. Warum man nicht ihn für einen Stolperstein ausgewählt habe, wollte sie wissen.

Auch für weitere Holocaust-Opfer sollen Gedenksteine verlegt werden

Zudem sei aus ihrer Sicht nicht klar, wo die Familie Oss gelebt habe – ob in dem 2001 abgerissenen Haus Hefelmann oder in dem noch vorhandenen Gebäude im Hefelmann-Park. Somit sei fraglich, wo der Stolperstein verlegt werden solle. Ortlinghaus: „Da muss man aber exakt sein.“

Almuth Schildmann-Brack führte dabei aus, dass allen Opfern ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung gedacht werden solle und zunächst eine kleine Familie ausgewählt worden war. „Wir wollen aber auch für alle weiteren Opfer Stolpersteine verlegen lassen.“ Hinsichtlich des Wohnhauses der Familie Oss sprächen alle Anzeichen dafür, dass sie im Haus Hefelmann gelebt habe. „Das wird der Arbeitskreis aber auch noch einmal genau prüfen.“

Der Ausschuss beschloss daraufhin die Verlegung der drei neuen Stolpersteine. Daneben solle recherchiert werden, für welche weiteren jüdischen Holocaust-Opfer solche Gedenksteine angefertigt werden könnten, so ein weiterer Beschuss. Dagegen gab es jeweils zwei Enthaltungen – darunter auch Ruth Ortlinghaus.

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