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Jecken-Chefin Butgereit mag die Heiligenhauser Feierlaune

Karneval hat Tradition: Jennifer Butgereit, die Vorsitzende und Gründerin der Heljens Jecken zeigt im Vereinslokal Aule Schmet stolz ein Gemälde des Karnevalsumzugs von 1979.

Foto: Ulrich Bangert

Karneval hat Tradition: Jennifer Butgereit, die Vorsitzende und Gründerin der Heljens Jecken zeigt im Vereinslokal Aule Schmet stolz ein Gemälde des Karnevalsumzugs von 1979. Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Jennifer Butgereit liebt ihre Heimat und hat den Straßenkarneval zurückgeholt. Doch als Geschäftsfrau ärgern sie einige Probleme in der Stadt.

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Nach einem enttäuschenden, fast totenstillen Rosenmontag wollte Jennifer Butgereit endlich den Straßenkarneval nach Heiligenhaus zurückholen. Aus ihrer Idee wuchs etwas Großartiges, das wohl so in anderen Städten nicht möglich gewesen wäre. Sie gründete die Heljens Jecken, die mit ihrem Karnevalsumzug eine bemerkenswerte Feier steigen ließen, an die die tausenden Teilnehmer noch Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte gerne zurückdenken werden.

Diese Erfolgsgeschichte wäre ohne die vielen Unterstützer aus dieser Stadt jedoch gar nicht möglich gewesen, weiß Jennifer Butgereit: „Die Heiligenhauser haben die Gabe, zusammen zu feiern, sie machen Stimmung und sie halten vor allem zusammen.“

Da ist der Karneval keine Ausnahme. Die 41-Jährige startete einen Aufruf, den auch die WAZ aufgriff, und viele Menschen wollten hier endlich wieder die jecke Jahreszeit feiern. Über 10 000 Heiligenhauser kamen auf Anhieb zum Nelkensamstagszug. „Mit soviel Andrang, mit so vielen Menschen haben wir gar nicht gerechnet. Das hat alle Rekorde gebrochen.“ Sofort war für die Vorsitzende der Heljens Jecken klar, dass sie und ihr Verein weitermachen würden, „denn die Stimmung war super und wunderschön für Familien.“

Höhere Sicherheitsauflagen erschweren die Vereinsarbeit

Seitdem gibt es jedoch deutlich höhere Hürden für den fünfköpfigen Vorstand und seine zwei Handvoll aktiven Helfer. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 wurden auch in NRW die Sicherheitsauflagen für Großveranstaltungen drastisch erhöht. Die Heljens Jecken traf dies kurz vor dem diesjährigen Zug.

„Wir haben rotiert, sind fast verrückt geworden, dass wir es nicht schaffen“, erinnert sich Butgereit. Die großen Wassertanks, wie man sie seit dem Stadtfest kennt, konnte der Verein nicht schnell organisieren und finanzieren, also sprangen Firmen ein und sicherten den Straßenkarneval mit großen Lastwagen – ein Engagement, dass die Heljens Jecken sehr schätzen. „Wir lachen und rufen Helau, aber natürlich machen wir uns immer Sorgen, dass etwas Schlimmes passiert. Am Ende der Session sind wir immer fertig, körperlich und emotional.“ Ohne die Arbeit ihres Teams, für die sie sehr dankbar ist, sei der Straßenkarneval in seiner jetzigen Form gar nicht möglich.

Zwar sei auch die Stadtverwaltung hilfsbereit, doch wünscht sich Butgereit von den Verantwortlichen mehr Engagement für den Karneval. Bislang habe der Verein für den Zug etwa alle Straßensperren selbst aufgestellt und wieder abgebaut. „Danach gehen wir immer auf dem Zahnfleisch, dafür brauchen wir eine bessere Lösung.“

In der Stadt läuft längst nicht alles gut

Heiligenhaus sei eine tolle Stadt, in der sie mit ihrem Ehemann und ihrem kleinen Sohn sehr gerne lebt, doch sie findet, dass längst nicht alles gut läuft. Richtig unzufrieden ist Jennifer Butgereit als Friseurmeisterin, die demnächst den elterlichen Betrieb übernehmen möchte. „Ein Leidensthema sind die ganzen Baustellen, gerade vor den Geschäften.“ Ihres ist auf der unteren Hauptstraße. Durch Straßenbauarbeiten seien Läden teils nur zu Fuß erreichbar gewesen, und einige Händler hätten deswegen schon aufgeben müssen oder seien kurz davor. „Die Stadt ist in der Pflicht, dass Baustellen zügig fertig werden.“

Doch das ist aus ihrer Sicht nicht das einzige Problem. „Ich bin kein Freund des Nahversorgungszentrums bei Hitzbleck. Das wird ein Hammerschlag, eine Erschütterung für den Mittelstand.“ Und der sei in einer Stadt dieser Größe ja besonders wichtig. Dass für das Projekt Parkplätze in der Innenstadt wegfallen, würde für alteingesessene Geschäftsleute sicher Umsatzeinbußen bedeuten. Zudem findet Butgereit, dass Politiker und Beamte im Rathaus zu sorglos mit der Natur umgehen, wenn sie Bauvorhaben erlauben. „Ich liebe unsere Grünflächen und wünsche mir, dass nicht alles zugebaut wird.“ Und sie wünscht sich, dass das Heljensbad bleibt, insbesondere für junge Familien mit Kindern.

„Die Heiligenhauser machen einfach eine gigantische Stimmung“

Ihren Ärger werde das Narrenvolk am Nelkensamstag jedoch nicht bemerken, verspricht Butgereit. Provokante Polit-Mottowagen wie sie Jacques Tilly durch Düsseldorf schickt, werde es nicht geben. Vielmehr habe Bürgermeister Michael Beck immer einen Platz auf dem Wagen der Heljens Jecken, wie schon sein Vorgänger Jan Heinisch.

Bis zum Zug hat Jennifer Butgereit noch viel zu tun, doch sie freut sich bereits sehr auf ihn: „Die Heiligenhauser machen einfach eine gigantische Stimmung. Sie feiern ganz toll und vor allem friedlich.“ Und so hofft sie, dass es auf der Straße nicht still bleibt wie noch 2015, sondern dass wieder aus tausenden Kehlen Helau-Rufe erschallen.

>>> Erste Prunksitzung in der kommenden Session

  • Die Heljens Jecken haben derzeit 68 Mitglieder. Der Vorstand arbeitet „das ganze Jahr daran, den Karneval am Leben zu halten“, sagt die Vorsitzende Jennifer Butgereit. So kümmern sie sich auf Feiern etwa um das Catering, zuletzt bei der Wahlparty im Rathaus. Der Erlös fließt unter anderem in den Nelkensamstagszug.
  • In der kommenden Session wird es zudem die erste Prunksitzung geben. Übernächste Session, 2018/19, soll dann voraussichtlich das erste Heljenser Prinzenpaar folgen.
  • Infos: www.heljens-jecken.de

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