Politik

Beim Thema Inklusion gibt es noch viel zu tun

Kerstin Griese hat in ihrer Gesprächsreihe nun den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, im Club empfangen.

Kerstin Griese hat in ihrer Gesprächsreihe nun den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, im Club empfangen.

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.   Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, sprach mit Kerstin Griese im Club über Probleme im Alltag, Schule und Beruf.

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Wenn Kerstin Griese jemanden trifft, lädt sie dazu gerne nicht nur interessante Gesprächspartner ein, sondern lässt auch die Öffentlichkeit daran teilhaben. Im Rahmen ihrer Dialog-Veranstaltungsreihe hat die SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin für Arbeit und Soziales am Samstagnachmittag in den Club eingeladen. Hier traf sie sich mit Jürgen Dusel, der seit Mai Behindertenbeauftragter der Bundesregierung ist, um sich mit ihm über das Thema Inklusion zu unterhalten.

Der Jurist ist als Sehbehinderter selbst betroffen und erklärte zu Beginn des Gesprächs zunächst für die Zuschauer den wesentlichen Unterschied zwischen den Begriffen Inklusion und Integration: „Inklusion bedeutet, dass jeder dabei ist. Menschen mit Behinderung müssen demnach also keine Leistung erbringen, um in die Gesellschaft integriert zu werden. Es sollte also normal für eine Gesellschaft sein, verschieden zu sein.“

Griese kritisiert die FDP in NRW

Ein Problem sieht Kerstin Griese im Hinblick auf die aktuelle Landesregierung: „Wir haben mit der FDP eine Partei in der Regierung, die Inklusion an Schulen wieder zurückfährt.“ Damit gute schulische Inklusion gelinge, brauche es jedoch geeignete Ausstattung und Unterstützung durch passendes Personal, wie Dusel weiß: „Es reicht nicht aus, die Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam an eine Schule zu schicken. Ohne Unterstützung durch Sonderpädagogen entsteht eher Konfusion als Inklusion.“

Aus eigener Erfahrung weiß Dusel aber, dass es sich lohne, Kinder mit Behinderungen an Regelschulen zu schicken. Auch er besuchte als fast blindes Kind eine Regelschule und war sogar bei den Pfadfindern, „was natürlich bescheuert klingt, denn wenn man nichts sieht, kann man keine Pfade finden“, wie Dusel selbst sagt. Ihm ging es dabei allerdings eher um das, was man gemeinsam bei Zeltlagern erlebte. „Nachts überwachten wir unsere Fahne. Da war ich immer sehr begehrt, da ich die gegnerischen Pfadfindergruppen schon von weitem hören konnte.“ Für Dusel ist das ein Beispiel wie Inklusion funktionieren kann. „Die Kinder bei ihren Fähigkeiten abholen, das ist der Punkt“.

Mehr Behinderte beschäftigen

Einen weiteren wichtigen Aspekt von Inklusion mache auch die Barrierefreiheit aus. Hier ist Griese vor allem auf die Schlichtungsstelle, die mithilfe des Behindertengleichstellungsgesetzes eingerichtet wurde, stolz: „Die Idee ist sehr gut. Dort kann man sich nämlich melden, wenn man im öffentlichen Raum nicht genügend Barrierefreiheit sieht.“ Dusel, der auch für die Schlichtungsstelle zuständig ist, erklärt, dass es bisher sehr oft zu Beschwerden im Bereich der digitalen Barrierefreiheit gekommen sei. „Dann geht es also oft um Websites oder mobile Einrichtungen.“

Aber auch das Thema Arbeitsmarkt und Wahlrecht gehöre zu den Schwerpunkten, die sich das Arbeits- und Sozialministerium vorgenommen hat, wie Griese sagt. Wie sehr in diesen Bereichen noch Nachholbedarf herrscht, macht Dusel anhand einiger Zahlen klar. „Ein Viertel aller beschäftigungspflichtiger Arbeitgeber in Deutschland beschäftigen keinen einzigen Menschen mit Behinderung. Das ist inakzeptabel.“ Wenn sich diese Situation nicht ändere, wäre es laut Dusel auch legitim über eine Erhöhung der Ausgleichsabgaben nachzudenken. „Millionen von Menschen mit Behinderungen machen jeden Tag einen guten Job und trotzdem gibt es die Vorurteile, dass sie nicht so leistungsfähig wären.“

Auch, dass rund 80.000 Menschen in Deutschland nicht wählen dürfen, da sie unter vollständiger Betreuung stehen, wollen die beiden ändern. „Wir haben das Thema zum Glück in den Koalitionsvertrag eingebunden und versuchen daran nun verstärkt zu arbeiten“, versichert Griese. Dusel machte in dem Zusammenhang sein Motto deutlich: „Demokratie braucht Inklusion.“

>>> DAS SIND DIE NÄCHSTEN TERMINE

  • Als nächstes trifft Kerstin Griese am Freitag, 30. November um 19 Uhr SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im Bürgerhaus Ratingen (Marktplatz 1), um über das Thema Digitalisierung zu sprechen.
  • Danach ist der ehemalige NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans am Mittwoch, 23. Januar, um 19 Uhr zu Gast im Velberter Bürgerhaus BiLo (Von-Humboldt-Straße 53).

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