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An Hattinger Gymnasium geht es seit einem Jahr ohne Handy

Sportliche Zeiten sind am Gymnasium Holthausen wieder angesagt, seit Schüler ihre Handys nicht mehr mit in die Pausen nehmen.

Sportliche Zeiten sind am Gymnasium Holthausen wieder angesagt, seit Schüler ihre Handys nicht mehr mit in die Pausen nehmen.

Foto: Fischer

Hattingen.  Am Gymnasium Holthausen bleiben Smartphones seit einem Jahr außen vor. Die meisten Schüler finden das gut und treiben in den Pausen wieder Sport.

Kaum läutet es zur Pause, lassen die Schüler ihre Stifte fallen, stürmen nach draußen, spielen Ball, Tischtennis oder jagen sich gegenseitig über den Hof. Also alles wie immer? „Nein, es ist besser“, sagt Jorden. Warum? Im Sommer jährt sich das Handyverbot am Gymnasium Holthausen zum ersten Mal.

Und seither bekommt der Zwölfjährige seine Fußballmannschaft für die Pause viel leichter zusammen. Auch seine Freunde entdecken altbekannte Spiele für sich, die eigentlich schon immer auf Schulhöfen gespielt wurden – zu Zeiten, als die Nase noch nicht am Display klebte.

Kein Verbot, sondern ein Kompromiss

Selbst die Großen haben sich damit arrangiert, dass ihr Mobiltelefon die meiste Zeit über in der Tasche bleiben muss. Jorden jedenfalls stört es nicht. „Ich darf mein Handy ohnehin nicht mit in die Schule nehmen“, erzählt er. Das verbieten seine Eltern.

Louis, der gemeinsam mit Jorden die Schulbank in der Klasse 6a drückt, lässt es gleich freiwillig zu Hause. „Es gibt andere Dinge, auf die man sich konzentrieren sollte“, findet er. „Und wenn ich mit Freunden spielen will, macht es gar keinen Sinn, das Handy überhaupt dabei zu haben.“

Die Kommunikationsgeräte sind aber längst nicht aus dem Schulalltag verbannt. So dürfen Oberstufenschüler ihre Smartphones an bestimmten Punkten nutzen. Den Schülern der Sekundarstufe I stehen dazu bestimmte Zeiten zur Verfügung. „Es ist also eigentlich kein Verbot, sondern ein Kompromiss, den wir in einem Ausschuss gemeinsam mit den Schülern entwickelt haben“, sagt Schulleiter Gerd Buschhaus.

Eltern waren die treibende Kraft

Verstöße verzeichnet er nur selten. Im schlimmsten Fall – wenn sich ein Schüler mehrfach mit dem Smartphone erwischen lässt – kommt es unter Verschluss. „Dann müssen es die Eltern hier bei uns abholen.“ Die waren auch die treibende Kraft hinter dem Handyverbot. Obwohl dieses Thema auch schon im Lehrerkollegium diskutiert wurde. Schnell war jedoch klar: Ein striktes Verbot lässt sich nicht umsetzen. Es brauchte einen anderen Ansatz.

„Wir wollten die Schüler zu einem sinnvollen Handygebrauch leiten“, sagt Achim Schmiedinghöfer, zuständig für die Schulprogrammentwicklung. Dazu gehörte nicht nur, den Schülern Einschränkungen aufzuerlegen, sondern auch weiterführende Aktionstage. „Zum Beispiel zum Thema ,Hass im Netz’, bei dem die älteren die jüngeren Schüler begleiteten.“ Gerade bei den Jüngeren kommt das Verbot überraschend gut an. Und es gibt erste Lernerfolge: „Es ist ja auch ein Zeichen des Respekts, wenn das Handy bei einem Gespräch in der Tasche bleibt“, sagt der zwölfjährige Bjarne. Das Handyverbot sei daher bitter nötig gewesen. „Denn es gab viele, die dabei einfach weiter an ihren Smartphones gespielt haben – was ja durchaus Spaß macht.“ Aber ihn störe es nicht, dass er es während der Schulzeit nicht benutzen darf.

>> SO DENKEN DIE SCHÜLER ÜBER DAS SMARTPHONE-VERBOT

Wenn ich die jüngeren Schüler auf dem Hof beobachte, war das Handyverbot keine schlechte Idee. Nur wie es teilweise durchgesetzt wird, gefällt mir nicht. Ich habe mal nur auf die Uhr geschaut, da wollte mir ein Lehrer das Handy direkt aus der Hand reißen. Das geht natürlich nicht. Pascal Korbel, 16

Das Verbot sollte für die höheren Stufen aufgelöst werden. Ich selbst nutze mein Handy mal mehr, mal weniger. Bei den Hausaufgaben oder in der Klausurphase ist es ein guter Weg, sich auszutauschen, falls man mal Fragen hat. Aber ich könnte es auch über Wochen links liegen lassen. Lena Kötzing, 17

Die Nutzung ist auch für ältere Schüler zu stark eingeschränkt, wenn es für die Schüler der fünften bis achten Klassen auch durchaus eine gute Sache ist. Ich lege mein Handy auch mal zur Seite. Beim Lernen oder nachts lasse ich mich nicht stören. Drauf verzichten möchte ich jedoch nicht. Niklas Faber, 16

Für die Unterstufe finde ich das Verbot sinnvoll. Nicht jedoch für die Schüler der Oberstufe. Wir spielen ja nicht nur mit dem Handy, sondern nutzen es sinnvoll. Ich denke, dass ich im Schnitt etwa zehnmal auf das Handy schaue. Aber vernachlässigt habe ich dadurch noch nie etwas. Luis Goermans, 16

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