Wahlkampf

Umweltschützer attackiert Sprockhövels Kandidat Hoven

Jenseits der Autobahn A1 erstreckt sich ein Waldgebiet, das im Mittelpunkt einer Kontroverse steht.

Jenseits der Autobahn A1 erstreckt sich ein Waldgebiet, das im Mittelpunkt einer Kontroverse steht.

Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Sprockhövel.  Sprockhövels SPD-Kandidat Hoven geht gegen Petition zum Schutz des Gangelshauser Waldes vor. Er wehrt sich gegen Abholzungs-Vorwürfe

Eine Unterlassungserklärung an einen Naturschützer ist der vorläufige Höhepunkt in einem heftig geführten Wahlkampf. Volker Hoven, der Bürgermeisterkandidat von SPD, FDP und WfS wetzte jetzt juristisch die Säbel, weil er sich vom Sprockhöveler Jürgen Döbert in ein falsches Licht gerückt sieht. Döbert hatte eine Petition ins Leben gerufen, „um den Gangelshauser Wald, der teilweise zu Sprockhövel gehört, zu schützen.“ Denn es bestünden in der Stadt Überlegungen, so Döbert, dort ein Gewerbegebiet anzusiedeln. Das habe Volker Hoven in Bürgermeisterkandidaten-Duellen mit Sabine Noll, die von CDU und Grünen aufgestellt wurde, behauptet.

Vorwurf falscher Behauptungen

Dagegen ging Volker Hoven jetzt juristisch vor und schickte Döbert eine Unterlassungserklärung, weil er falsche Behauptungen aufgestellt habe. „Zu keinem Zeitpunkt wurde die Abholzung eines Waldes in Erwägung gezogen oder konkretisiert“, so der SPD-Bürgermeisterkandidat. Die Stadt Sprockhövel handele hier auf Grundlage eines einschlägigen Ratsbeschlusses. „Der Bürgermeisterkandidat und die Privatperson Volker Hoven hat zu keinem Zeitpunkt die Ansiedlung eines Unternehmens auf den Flächen des Gangelshauser Waldes vorangetrieben“, betont Hoven.

Petition leicht modifiziert

Jürgen Döbert erklärt: „Ich wurde aufgefordert, die auf der Petitionsseite genannten Aussagen über ihn (Hoven, Anm. der Red) zu widerrufen und eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Ich habe diese Bedenken rechtlich prüfen lassen und alle konsultierten Anwälte sind der Auffassung, dass es bei der ursprünglichen Formulierung nichts zu beanstanden gibt.“ Trotzdem habe er sich, ohne dass es erforderlich gewesen wäre, dazu entschieden, die Petition „Stoppt die Gewerbegebietspläne für den Gangelshauser Wald“ nicht in der ursprünglichen, sondern in einer leicht modifizierten Version wieder zu veröffentlichen, was er bereits getan hat.

Motiv des Naturschützers ist Klimaschutz

Aus großer Sorge aufgrund der Pläne der Stadt habe er als Anwohner und naturliebender Umweltschützer eine Petition zum Erhalt des Gangelshauser Waldes gestartet, so Döbert. „Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Klimaschutzdebatte hochaktuell ist und die Konsequenzen der Eingriffe in die Natur weltweit zu spüren sind.“ Noch dazu sei der Gangelshauser Wald ein Bruchwald und biete als sumpfiges Gebiet die Möglichkeit, durch Rückbau der Entwässerung in ein Hochmoor entwickelt zu werden.

Hoven benennt konkreten Interessent

Volker Hoven hatte in einem Duell mit Sabine Noll darauf hingewiesen, dass es für ein neues Sprockhöveler Gewerbegebiet bereits einen ganz konkreten Interessenten gibt: „Die Spedition Schmidt Gevelsberg, denen die Stadt Schwelm, die Stadt Sprockhövel, der Landrat und der Regionalverband Unterstützung zugesagt haben, muss dringend erweitern und sucht schon lange ein passendes Gelände“, sagte Volker Hoven.

Rat hat angeregt, Gewerbefläche auszuweisen

„Aber in der ersten Version der Petition von Jürgen Döbert ist der Eindruck erweckt worden, dass ich die Ansiedlung der Spedition in dem bisherigen Waldgebiet vorantreibe. Und das ist nicht wahr. Es ist ja ein Moorgebiet, und auf einer solchen Fläche darf überhaupt nicht gebaut werden“, betont der SPD-Bürgermeisterkandidat. Im Rahmen des Regionalplanverfahrens zur Neuaufstellung des Regionalplans Ruhr habe der Rat der Stadt Sprockhövel angeregt, südlich der A 1 eine Gewerbefläche auszuweisen. „Das hat der Rat mit großer Mehrheit beschlossen. Die Grünen im Kreistag haben das sogar explizit selber beantragt“, so Volker Hoven.

Kein Standort, keine Entscheidung

Es gebe zurzeit weder einen konkreten Standort noch eine konkrete Entscheidung zur Ansiedlung einer Spedition. Lediglich der Hinweis der Stadt Sprockhövel, im Rahmen des Autobahnkreuzes einen Suchraum und eine Untersuchung für das Vorhaben zu prüfen, ist existent.“„Ich möchte auf diesem Wege alle politischen Kandidaten und Parteien in Sprockhövel dazu einladen, nun aufrichtig, fair und demokratisch über die Zukunft des Gangelshauser Waldes zu debattieren“, betont Naturschützer Döbert. Im Übrigen sind CDU und Grüne strikt gegen ein Antasten des als ökologisch wertvoll geltenden Gebietes.

Schützenswerte Fläche

Vor einiger Zeit gab es durch die Biologische Station des EN-Kreises eine Untersuchung des Gangelshauser Waldes, der zum größten Teil auf Sprockhöveler Gebiet liegt. Da wurde deutlich, wie schützenswert die Fläche ist.Es ist ein Moorgebiet, in dem typische Arten der Bruch- und Moorwälder wie Moorbirke, Erle, Pfeifengras und Torfmoose wachsen. Es brüten dort 21 Vogelarten, auch Fledermausarten sind da zu finden. Dieser Wald habe positive Effekte für den Klimaschutz, da Bruchwälder über eine hohe CO2-Speicherfähigkeit verfügen und Kühlungseffekte vorweisen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben