Katastrophenhilfe

Krieg ist nicht mehr ausgeschlossen: THW stellt sich neu auf

Mitarbeiter des THW (Technisches Hilfs Werk) sichern am Samstag, 28.04.2018 in Bochum den Umzug beim Maiabendfest. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Mitarbeiter des THW (Technisches Hilfs Werk) sichern am Samstag, 28.04.2018 in Bochum den Umzug beim Maiabendfest. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Das Technische Hilfswerk richtet sich erstmals nach Ende des Kalten Krieges wieder auf Krieg in Europa ein. Das THW Hattingen ist vorbereitet.

Die Gesellschaft ändert sich und damit stellt sich auch das Technische Hilfswerk Hattingen neu auf. „Die sicherheitspolitische Lage wird jetzt wieder so eingeschätzt, dass es auch Krieg auf europäischem Gebiet geben könnte. So richten wir uns jetzt wieder aus“, erklärt Ingo Brune, Leiter des THW Hattingen.

Notversorgung statt Bergung

Es ist ein gravierender Einschnitt für die zurzeit 123 Ehrenamtlichen, Jugendliche eingerechnet: Wegen möglicher Naturkatastrophen und terroristischer Anschläge hat das Bundesinnenministerium eine „Konzeption Zivile Verteidigung“ aufgelegt, dadurch ändern sich die Aufgaben des THW.

Das Schlagwort dafür heißt im Behördendeutsch „Kritis“ und bedeutet kritische Infrastruktur. „Unsere zweite Bergungstruppe wird jetzt in die neue Fachgruppe Notinstandsetzung und Notversorgung umgewandelt“, erklärt der Leiter des THW Hattingen, Ingo Brune.

Vorbereitung für Cyberangriffe, Krieg und Terrorismus

Seit 1953 gibt es das Technische Hilfswerk. Nach dem Ende des kalten Krieges 1995 habe man die Hoffnung gehabt, dass die politischen Spannungen, die in Kriege münden könnten, endgültig überwunden worden seien. Entsprechend wurde das THW damals neu aufgestellt. Das habe sich aber als Trugschluss herausgestellt. „Wir müssen uns jetzt auch darauf einstellen, dass Kriege, Cyberangriffe oder Anschläge auf Strom oder Trinkwasser möglich sind“, sagt Brune.

Entsprechend verändern sich die Schwerpunkte der Aufgaben auch beim THW. „Schon bis 1995 war die Organisation auf die urbane Kriegsführung ausgerichtet. Und es ging auch um Einsätze durch Sturm, Dürre, Hitze und Naturkatastrophen“, erklärt der THW-Chef. „Oberstes Ziel vom THW war immer, die Bevölkerung zu schützen.“ Es sei aber nie vorrangig um Hilfe nach dem Einsturz eines einzelnen Hauses gegangen, sondern immer um große Gefahrenlagen wie Erdbeben oder zum Beispiel Bombennächten.

THW Hattingen hat bereits örtliche Gefahrenabwehr

Nun läuft die nächste Umstrukturierung. Der Schutz im Kriegsfall wird wieder aufgenommen. Was der Bund von den 668 Ortsverbänden erwarte, sei zum größten Teil in Hattingen aber schon vorhanden, sagt Brune.

Finanziert durch Spenden verfügt das THW Hattingen seit 2005 über eine örtliche Gefahrenabwehrgruppe, die mit dem Ennepe Ruhr Kreis aufgestellt wurde. Das heißt: Es sind bereits Unterkünfte für Großeinsätze vorhanden, zum Beispiel Küchen, Zelte, Kühlmöglichkeiten, Beleuchtung, Strom, Heizung, Tische und Stühle. Diese Ausstattung muss in vielen Ortsverbänden jetzt erst angeschafft werden.

Fahrzeuge sind veraltet

Was in Hattingen neu beschafft werden muss, sind Fahrzeuge. Denn die alten, die eigentlich eine Einsatzdauer von 24 bis 26 Jahre haben sollen, sind schon deutlich länger im Einsatz. „Unser ältestes Fahrzeug ist jetzt 36 Jahre alt“, so Brune.

Die neue Generation der Hilfsfahrzeuge hat keine festen Aufbauten mehr, sondern kann – je nach Lage – mit Modulen für den jeweiligen Einsatz aktuell zusammengestellt werden. Früher habe es immer am Geld für neue Fahrzeuge gemangelt. „Heute ist es nicht das Geld, sondern es sind Produktionsprobleme, die die Hersteller haben. Sie können so viele Fahrzeuge wie benötigt nicht in so kurzer Zeit produzieren.“

Zurzeit wartet das THW Hattingen auf fünf neue Fahrzeuge. Brune: „Die bundesweite Umstellung wird im Moment mit der normalen Beschaffungsplanung und Finanzierung geplant. Da kann es auch schon mal 20 Jahre dauern bis das letzte Teil da ist.“

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