Landtagswahl

Landtagswahl-Kandidat der Piraten drängt auf Breitbandausbau

Jörg Müller ist gebürtiger Oberhausener. Der Software-Entwickler lebt seit einigen Jahren in Sprockhövel.

Jörg Müller ist gebürtiger Oberhausener. Der Software-Entwickler lebt seit einigen Jahren in Sprockhövel.

Foto: Volker Speckenwirth

Sprockhövel.  Jörg Müller kämpft ohne Listenplatz um ein Mandat bei der Landtagswahl. Der Computerfachmann setzt sich für bedingungsloses Grundeinkommen ein.

Es ist ein vielleicht ein Vorurteil, wonach in der Piratenpartei häufig Mitglieder aus Computerberufen zu finden sind. Auf Jörg Müller trifft das zu. „Als Software-Entwickler bei einer Firma für Automatisierung erfülle ich bestimmt alle Merkmale eines Klischee-Piraten“, gibt Müller zu.

Vom Wohlstand abgekoppelt

Doch das greife zu kurz, gibt der 50-Jährige zu bedenken: „Die Piraten sind die erste Partei gewesen, die überhaupt die gesellschaftlichen Auswirkungen von Computern und Internet zum Thema gemacht haben“, sagt er. Die Datenschutzproblematik etwa hätten die etablierten Partien völlig verschlafen. Auch die zunächst negativen Folgen von Automatisierung auf die Arbeitsplätze nimmt Müller als Piratenthema in Anspruch.

Von Hause aus waren die politischen Prägungen eigentlich andere: CDU wählten die Eltern, vertraten die Überzeugung „Wenn es den Unternehmen gut geht, ist das gut für die Bürger“. Doch seit einiger Zeit stimme dieses Credo nicht mehr. „Zunehmend hat sich der Reichtum weniger Unternehmer und Manager von der allgemeinen Wohlstandsentwicklung abgekoppelt“, hat Müller beobachtet.

Partei wird kaum noch wahrgenommen

Als die Piratenpartei 2006 gegründet wird, stößt Müller, der mit seiner Frau in Haßlinghausen lebt, kurzfristig auf Vermittlung eines Freundes dazu. „Abgesehen vom Programm, das ich als relevant empfand, vermittelte mir diese Partei auch das Gefühl, hier richtig zu sein.“ Eine „Internetpartei“ seien die Piraten jedoch nie allein gewesen. Gewiss habe es immer Ähnlichkeiten mit den Grünen gegeben, die Betonung von Bürgerrechten verweise auf Kernbestände der FDP. 17 Mandate holten die Piraten bei der letzten Landtagswahl.

Doch nicht nur NRW hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert: „Sicherheits- und Verkehrspolitik dominieren die Diskussion bundesweit“, räumt Jörg Müller ein. Da fragen die Medien selten bei den Piraten nach, „im Gegensatz etwa zur AfD haben wir nur eine geringe Wahrnehmung in der Bevölkerung.“ Mit Mandat will sich der Pirat ohne Listenplatz mit aller Kraft für den Breitbandausbau einsetzen. „Das passiert immer noch viel zu zögerlich“, urteilt Müller.

In der Parteienfinanzierung bleiben

„Da wird die Glasfaser bis zur Bordsteinkante verlegt, und der Nutzer kommt ihr mit Kupferkabeltechnik entgegen.“ Besser soll generell Glasfaser bis in die Häuser verlegt werden. Ein weiteres Thema, das Müller für wichtig hält, ist die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens. „Mir ist bewusst, dass ich mit meinem Job zur Vernichtung von Arbeitsplätzen beitrage. Ich finde, dass die betroffenen Menschen abgesichert werden müssen.“

Die Wahlprognosen versprechen nichts Gutes für die Piraten, fünf Prozent werden es wohl nicht werden. Müller hofft darauf, dass die Piraten so viele Stimmen bekommen, dass die staatliche Parteienfinanzierung greift.

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