Bier-Slam

In Hattingen trifft Wissenschaft auf Poetry-Slam auf Bier

Poetry-Slammer Rainer Holl moderierte den ersten Hattinger Bier-Slam im Industriemuseum Henrichshütte.

Poetry-Slammer Rainer Holl moderierte den ersten Hattinger Bier-Slam im Industriemuseum Henrichshütte.

Foto: Fischer

Hattingen.   Mit dem Bier-Slam endet die Ausstellung „Zum Wohl“. Die Teilnehmer berichten von Pfusch am Bier im Mittelalter und den „Tropfen Hopfnung“.

Nach mehr als einem Jahr endete nun die Ausstellung „Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum“ im Industriemuseum Henrichshütte mit dem ersten Hattinger Bier-Slam: Drei Wissenschaftler sowie zwei Poeten traten in Slam-Ring gegeneinander an und entschlüsselten vor etwa 80 Zuhörern das Mysterium Bier.

Einer der Slammer ist Christian Krumm. 2015 war der Historiker und Autor im Finale der deutschen Science-Slam-Meisterschaften. Er kennt sich mit der Kulturgeschichte des Bieres besonders gut aus. „Das Bier hat eine lange Erfolgsgeschichte“, erklärt er. „Bevor man im 16. Jahrhundert das Reinheitsgebot einführte, wurde an der Rezeptur viel gepfuscht.“ Im Mittelalter seien sogar halluzinogene Stoffe unter den Zutaten gewesen.

Doch beliebt war das Bier immer. „Das liegt daran, dass Biertrinken oft mit einem geselligen Akt verbunden ist und wir durch den Alkohol die Hemmungen verlieren.“ Aber Bier ist nicht nur Männersache: „Bis zum 19. Jahrhundert waren vor allem Frauen in den Brauereien tätig“, so Krumm. „Die Rollenzuschreibung heutzutage ist durch die Gesellschaft entstanden und wird uns schon als Kind anerzogen.“

Motivation durch Bier

Auch Science-Slammer Sami Hamden kann das bestätigen. Er hat das Getränk von der psychologischen Seite betrachtet. Als angehender Therapeut weiß er ganz genau, dass Bier für Männer und Frauen gleichermaßen interessant ist. „Dazu muss man sich anschauen, was im Gehirn der Menschen passiert, wenn sie Bier sehen, riechen, schmecken“, erklärt er. „Da wir mit dem Getränk meist positive Ereignisse und Gefühle verbinden, wird im Hirn ein Stoff produziert, der für unsere Motivation verantwortlich ist. So ist es fast unmöglich, sich nicht ein Schlückchen zu genehmigen.“ Poetry-Slammer Bo Wimmer sieht das ganz ähnlich: „Ein Bierchen erhält die Freundschaft.“

Die Slammer betrachten ihr Lieblingsgetränk von allen Seiten. Produktion, Geschichte, oder Konsumverhalten analysieren die Poeten und Wissenschaftler ganz genau. Durch Videos und Fotos oder gewitzte Texte zeigen sie, dass das Bier noch viel mehr ist als ein Getränk – es ist ein Kulturgut.

Besonders viel Applaus erntet an diesem Nachmittag der Science-Slammer Benedikt Derks, der sich mit der Gewinnung von Alkohol auseinandergesetzt hat – und diesen schließlich als „besten Freund des Menschen“ ausmacht. Einige angeheiterte Zuschauer, die natürlich die ganze Veranstaltung über mit Bier versorgt sind, nicken zustimmend. Derks ist gleichauf mit Poetry-Slammerin Luca Swieter, die an diesem Nachmittag Wortakrobatik betreibt wie kein Anderer. Für sie ist das Bier ein „prächtiger Hopfensaft“, der ihr immer wieder einen „Tropfen Hopfnung“ spende. Gemeinsam gewinnen die beiden Slammer den goldenen Boxhandschuh.

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