Gastronomie

Friseur, Bäcker und Whisky-Veredler aus Blankenstein

Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Jörg Rajewitz machte sich mit einem Friseur-Salon selbstständig und betreibt inzwischenauch ein Café und einen Whisky-Handel in Blankenstein.

Er kann Kuchen und Torten backen. Er kann Suppen kochen. Er kann Haare schneiden. Er kann Kaffee zubereiten, wie es sich in Italien gehört. Und er kann Whisky und Rum veredeln. Jörg Rajewitz hat alles das zum Beruf gemacht.

Allerdings nach und nach. Gestartet ist er als Friseur. „Am 1. Februar 1988 habe ich mich selbstständig gemacht, damals noch in der Hattinger Altstadt.“ 2006 dann zog er um nach Blankenstein. Das Café Zuckerland, heute kurz Café Z kam dazu. „Ich wollte schon immer ein Café haben. Ich habe mal in Lübeck gearbeitet, wo es eben auch die Kombination aus Café und Friseur gab. Das fand ich toll.“ Und realisierte es in Hattingen.

Café wie Salon hat Rajewitz eigenhändig renoviert und eingerichtet. Im Café steht eine Handhebelmaschine zum traditionellen Zubereiten von Kaffee. Den verkauft Rajewitz auch. „Ich bekomme ihn von Lulus Coffee Factory, habe drei Sorten“, erklärt er. Die Torten backt er selbst. „Ich backe und koche gern. Es gibt viele Familienrezepte“, erklärt er. Inzwischen gibt es auch beispielsweise Suppen.

Fließende Grenze der Läden

Die Grenze zwischen Friseur-Salon und Café ist fließend. Denn nicht selten gelüstet es die Kunden im Salon in der Zeit, wo beispielsweise Farbe einwirkt, nach Kuchen oder Deftigem. Sie können wählen zwischen 14 losen Tees, diversen Kaffee-Spezialitäten, Kakao mit aufgeschäumter Milch und Vollmilch-, Zartbitter oder weißer Schokolade – und nach dem Friseurbesuch außerdem im gemütlichen Café mit Nähmaschinen als Tischen sitzen und auf historisches Friseurhandwerkszeug blicken.

Seine Liebe zum Whisky entdeckte Jörg Rajewitz im Jahr 1994. „Da war ich das erste Mal in Schottland, eine wilde Motorradtour, das Wetter war schlecht, es war kalt, da habe ich Whisky probiert“, erinnert er sich. Irischem, schottischem und auch japanischem Whisky hat er sich verschrieben.

Whisky ist bundesweit zu haben

Professionell mit Whisky befasst er sich seit etwa fünf Jahren, veredelt ihn in Fässern von zehn bis 190 Litern. Auch Rum veredelt er inzwischen – worauf er wiederum durchs Backen kam: „Für den Apfel-Rum-Kuchen brauche ich eben Rum. So entstand die Idee, ihn selbst zu veredeln.“ Inzwischen sind Rajewitz’ Tropfen bundesweit zu haben. „Ich habe zahlreiche Wiederverkäufer.“ Für einen Handel im Internet fehlt ihm Personal – denn abgesehen von Aushilfskräften schmeißt er den Laden mit Sarah Richter (27), die bei ihm ihre Ausbildung absolvierte, ­allein. „Sie ist die Juniorchefin“, sagt er.

Auf Fachmessen macht Rajewitz seinen Whisky bekannt, hat sich selbst fortgebildet bei Tastings. Kunden fahren teils 50 Kilometer, um bei ihm Whisky zu kaufen. Inzwischen empfiehlt ihn der Whisky-Guide als Germany’s Top Whisky-Shop 2015, als Top-Adresse für den Whisky-Einkauf 2016. 30 Mal war Rajewitz schon in Schottland, „oft nur übers Wochenende zu Tastings bei Destillerien.“

Urlaub, den macht er dann schlicht nicht mehr. Aktuell plant Rajewitz ein größeres Fasslager, ganz in der Nähe. „Denn die großen Fässer passen hier nicht in den Keller“, sagt er. Die Fässer bekommt er von der schottischen Insel Isle of Islay.

Ist er mehr Friseur oder mehr Café-Besitzer? Ich bin 100 Prozent Friseur und 100 Prozent Gastronom“, sagt Rajewitz. Dass er sieben Tage in der Woche „fast rund um die Uhr“ arbeitet, sich noch in die Küche stellt, wenn der Friseur-Salon schließt, stört ihn nicht. „Das ist kein Stress, das ist Spaß“, sagt er. Und für Gespräche ist er immer zu haben. Das verkündet er Gästen auf einer Tafel: „Sprechen Sie uns an!“

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