Industrie Historie (I)

Ein Wanderer baute Hattingen auf

Stadtbekannt war die Firma Schack. Sie war es auch, die das Rathaus baute. Während der Arbeiten starb der Firmengründer.

Stadtbekannt war die Firma Schack. Sie war es auch, die das Rathaus baute. Während der Arbeiten starb der Firmengründer.

Foto: WAZ FotoPool

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Hattingen. Der Holsteiner Johann Schack kam 1862 an die Ruhr. Seine gleichnamige Firma gab der Stadt ihr heutiges Gesicht.

Die Geschichte eines der bedeutendsten heimischen Unternehmen beginnt 1830 in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Neuendorf. Hier wurde in jenem Jahr ein Mann geboren, ohne den die Stadt Hattingen ein anderes Gesicht hätte. Die Rede ist von Johann Schack.

Der handwerklich begabte Knabe verließ im Alter von 24 Jahren seine Heimat, um als Zimmermann auf Wanderschaft zu gehen. Wilster, Berlin, Dortmund, Bochum und schließlich Hattingen waren die Stationen, an denen er zwischen 1854 und 1862 tätig war. In jenem Jahr heiratete sich der inzwischen 32-Jährige in die Familie Papenhoff ein, und damit nimmt die Geschichte Fahrt auf. Papenhoff war der Name eines Bauunternehmens, das bald den Nachnamen des jungen Johann erhalten, und für die kommenden 140 Jahre auch nicht mehr hergeben sollte. Die Firma Schack war geboren.

Überall, wo bedeutende Gebäude entstanden, war Schack beteiligt, ja sogar am Aufbau der Henrichshütte. Als Krönung seiner beruflichen Tätigkeit gilt aber der Bau des Rathauses, das am 10. Dezember 1910 schlüsselfertig an die Stadt übergeben wurde. Doch diesen Tag erlebte der Firmengründer nicht mehr, wie sein Urenkel Peter Papenhoff schildert. „Man sagt, Johann Schack sei während der Bauarbeiten von einem Gerüst gefallen und an den Verletzungen verstorben.“

Das Unternehmen führte von da an Johanns Sohn August. Er rettete es durch zwei Weltkriege, ließ unter anderem das Gymnasium an der Waldstraße bauen. In die dritte Generation trat Augusts Sohn Hans. „Jeder meiner Vorfahren hat etwas geleistet“, sagt Peter Papenhoff und nennt als Beispiel für ein bedeutendes Bauwerk seines Vaters das Verwaltungsgebäude der Dahlhauser Firma Dr. C. Otto. „Auch die Hattinger Südstadt, die Augustastraße und die Hüttenstraße haben wir bebaut“, blickt Papenhoff zurück.

Schack war es auch, das als erstes Bauunternehmen Gebäude aus Fertigteilen baute, oder Sonnenenergie schon vor 20 Jahren zu Heizzwecken einsetzte. Die Firma besaß zudem Patente für Lehmbau, oder unterirdische atomsichere Schutzräume. Die Erfolgsgeschichte schien kein Ende zu nehmen – bis Schack ein 50 Millionen-Mark-Projekt in Angriff nahm. „Das konnten wir als mittelständisches Unternehmen natürlich nicht stemmen. Deshalb haben wir uns einen starken Partner gesucht“, erklärt Papenhoff den nun einsetzenden, schleichenden Untergang. „Wir haben uns für Holzmann als Partner entschieden, und das war ein erster großer Fehler.“ Weil dann auch noch ein „stadtbekannter Bauträger aus Bochum“, wie Papenhoff beschreibt, nicht zahlte, schlitterte Schack in die Zahlungsunfähigkeit. Einer harte Zeit für alle Beteiligten. Von einst 230 Beschäftigten blieben am Ende nur noch zwölf übrig. „Ich habe immer gedacht, dass uns so etwas nicht passieren könne“, sagt Papenhoff. Im März 2002 schlug Schacks letzte Stunde. Die Rehaklinik in Holthausen, eine Halle für Kone wurden noch fertiggestellt – das waren die letzten Projekte in Hattingen. Sämtliche Immobilen, die der Firma gehörten, wurden von den Banken verkauft oder versteigert. Auch das Geschäftsgebäude an der Friedrichstraße Nummer 5.

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