In der Geschichte der halbjährlichen Semestereröffnungen der hiesigen Volkshochschule (VHS) ist es sicher noch nicht so oft vorgekommen, dass die Mehrheit im Publikum keine Ahnung hatte, was sie erwartet. Das war am Donnerstagabend in der Mathias-Jakobs-Stadthalle der Fall, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren die drei Musiker von „Bidla Buh“ den meisten Besuchern gänzlich unbekannt, so das Bekenntnis aus den Stuhlreihen auf Nachfrage der Künstler.
Name aus Kreisler-Lied entlehnt
Das änderte sich schnell, denn ein gut gelauntes Publikum ging von Anfang an mit. Zuvor hatte VHS-Leiter Dietrich Pollmann in seiner Begrüßung an die Anfänge dieser erfolgreichen Veranstaltungsreihe im Jahr 1995 erinnert.

Auch in diesem 23. Veranstaltungsjahr war die Halle gut gefüllt. „Sekt, Frack und Rock‘n’Roll“ lautet der Titel des Programms, mit dem die Hamburger Vollblutmusiker unterwegs sind. Hans Torge Bollert (Moderation, Blasinstrumente), Olaf Klindtwort (Gitarre) und Jan-Frederick Behrend (Schlagzeug) treten seit 15 Jahren als vermeintliches Brudertrio gemeinsam auf. Der etwas sperrige Name der Gruppe wurde einem Lied des Komponisten und Sängers Georg Kreisler entlehnt, was deutlich macht, dass die drei auch im schwarzen Humor zuhause sind. „Are you ready for Rock‘n’ Roll?“ fragte Hans Torge das Publikum in den Saal und los ging‘s mit „Rock around the clock“ – aber auf Plattdütsch.
Parodien und Verfremdungen
Auch die Interaktion mit dem Publikum funktionierte, zum Beispiel bei der Präsentation einer „eigens komponierten „Semestereröffnungssymphonie“. Vier Besucherinnen hatten mit Triangel und anderen Kleininstrumenten ihren großen Einsatz. Beeindruckend war die Vielseitigkeit des Trios, sowohl gesanglich als auch an den etwa 30 verschiedenen Instrumenten. Dass Bollert selbst einem Gartenschlauch Töne entlocken kann, wurde mit viel Beifall bedacht.
Reaktionen der Besucher
Einhellig positiv fielen die Beurteilungen für das ungewöhnliche Trio aus. Sie reichten von „kurzweilig“ bis „großartig“.
Marcus Mrotzek, selbst Dozent an der VHS, hatte seine Mutter zu diesem Abend eingeladen und beide waren begeistert: „Es hat sich in jedem Fall gelohnt, zu kommen. Dass man so viele Instrumente so virtuos beherrschen kann, hätten wir nicht gedacht. Da gehört schon sehr viel Talent dazu.“
Mit „Mister Sandman“ als Zugabe verabschiedete sich das Trio, das in Gladbeck nun sicher kein Unbekannter mehr sein wird.
Vorrangig Parodien und Verfremdungen aus den 1920/30er Jahren gehören zum Repertoire des Trios. „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ von Marlene Dietrich widmete Hans Torge – etwas dick aufgetragen – auf seine zahlreichen Trompeten um: „Ach Jazztrompete, du bist so attraktiv, deine zarten blechernen Lippen wollen von mir liebkost werden.“ Max Raabe mit „Kein Schwein ruft mich an“ war genauso vertreten, wie eine virtuose Hommage an Ilse Werner. Bollert pfiff in großer Könnerschaft die Klassiker von der Kleinen Nachtmusik bis zur Zauberflöte, was die Zuschauer zu Beifallsstürmen hinriss. In der Pause wurde viel gerätselt, wie viele Instrumente wohl zum Einsatz gekommen seien.


