Tierschutz

Tierschützer fordern Spielverbot für Zirkus mit Wildtieren

Der „Circus Atlantik“ gastiert bis Sonntag auf dem Festplatz in Gladbeck. Der Tierschutzverein nimmt das zum Anlass, erneut ein Gastspielverbot auf kommunalen Flächen zu fordern.

Der „Circus Atlantik“ gastiert bis Sonntag auf dem Festplatz in Gladbeck. Der Tierschutzverein nimmt das zum Anlass, erneut ein Gastspielverbot auf kommunalen Flächen zu fordern.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Ein Zirkus mit Wildtieren gastiert in Gladbeck. Tierschützer nehmen das zum Anlass, ein Auftritt-Verbot zu fordern. Das meint die Stadt dazu.

Die Liste mit Städten in Deutschland, die in den letzten Jahren ein Zirkusverbot verhängt haben, ist bereits ziemlich lang. Seit September 2019 gehört auch Herne dazu. Einstimmig hat sich der Stadtrat dort dagegen ausgesprochen, Zirkusse mit Wildtieren auf städtischen Flächen gastieren zu lassen. Tanja Zimmer wäre überglücklich, wenn die Politik in Gladbeck sich auch „endlich zu diesem Schritt entschließen würde“ – dem Wohl der Tiere zuliebe.

Tierschützer: Bürger sollen Mails an die Stadtverwaltung schicken

Die Vorsitzende des Gladbecker Tierschutzvereins nimmt das Gastspiel vom „Circus Atlantik“ auf dem Festplatz an der Horster Straße zum Anlass, das Thema erneut in die Diskussion zu bringen.

Die Mitglieder des Tierschutzvereins rufen die Gladbecker deshalb in den sozialen Medien dazu auf, sich per Mail an die Stadtverwaltung zu wenden – mit der Bitte, dass der Stadtrat auch hier ein Auftritt-Verbot von Zirkussen mit Wildtieren auf städtischen Flächen ausspricht. „Je mehr Bürger an die Stadt schreiben, desto besser“, sagt Tanja Zimmer. Tiere im Zirkus, das sei einfach nicht mehr zeitgemäß. „Es ist fatal, Kindern zu suggerieren, dass der Umgang mit den Tieren dort in irgendeiner Weise artgerecht ist.“

Schon die Dressur sei meistens eine äußerst brutale Angelegenheit. Und auch die Haltung habe mit Tierschutz nichts zu tun. „Ganz oft sind die Tiere den ganzen Tag über angebunden und kommen fast nie auf eine Weide. Das ist besonders schlimm, vor allem für Fluchttiere wie beispielsweise Kamele, aber auch Pferde“, sagt Zimmer. Für die Tierschützerin gibt es nur eine Alternative: ein Zirkus, der komplett auf Tiernummern verzichtet. „Da gibt es einige Unternehmen, die diesen Weg sehr erfolgreichen gehen“, betont Tanja Zimmer. Und die Tiere, die seien dauerhaft auf jeden Fall in einem Wildgehege oder sogar einem Zoo besser untergebracht als in einem Zelt oder Käfig.

In Gladbeck hat man sich gegen ein kommunales Verbot entschieden

Bei der Stadtverwaltung in Gladbeck werden die Tierschützer mit ihrem Ansinnen allerdings wohl keinen Erfolg haben. „Wir halten uns da an geltende Gesetze“, erklärt Stadtsprecher David Hennig.

Auf Bundesebene sei erst im Dezember 2019 erneut ein generelles Zirkus-Verbot abgelehnt worden. Städte, die in diesem Punkt eine anderen Kurs eingeschlagen haben, regelten das über eine kommunale Verordnung, die das Vermieten von kommunalen Flächen an Zirkusse mit Wildtieren untersagt. In Absprache auch mit dem Kreis als zuständiger Veterinärbehörde habe man sich in Gladbeck aber dagegen entschieden. „Zumal wir in so einem Verbot auch eine Einschränkung der Ausübung der Berufsfreiheit sehen“, so Hennig weiter.

In Gladbeck finden nach Auskunft des Stadtsprechers höchstens zwei Zirkus-Gastspiele pro Jahr statt. „Das ist die Grenze, die wir uns gesetzt haben.“ Und Hennig führt noch ein weiteres Argument gegen eine gesetzliche Regelung an: „Es kann doch auch einfach jeder für sich entscheiden, ob er einen Zirkus mit Tieren oder ohne Tiere besucht.“ Den Tierschützern wird das aber wohl nicht reichen. Seit gut vier Jahren, sagt Tanja Zimmer, sei man in Gladbeck bereits an dem Thema dran. Auf ein entsprechendes Schreiben in dieser Sache 2016 habe die Stadt zwar überhaupt nicht reagiert. Aber man habe damals immerhin einen kleinen Erfolg erzielt: Beim Nikolaus- und beim Ostermarkt ist seitdem zumindest kein Gehege mit Tieren zum Streicheln mehr erlaubt.

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