Lärmbeschwerden

Taiko-Trommler suchen dringend neue Proberäume in Gladbeck

Bei vielen großen Festen in Gladbeck demonstrieren die Taiko-Trommler gern ihr Können, so wie hier beim Stadtteilparkfest vor zwei Jahren.Und sie werden auch gern von der Stadt gebucht.

Bei vielen großen Festen in Gladbeck demonstrieren die Taiko-Trommler gern ihr Können, so wie hier beim Stadtteilparkfest vor zwei Jahren.Und sie werden auch gern von der Stadt gebucht.

Foto: Christoph Wojtyczka

Gladbeck.   Ausgetrommelt. Stadt hat der Sportgemeinschaft die Nutzung der Roßheideschule untersagt. Nun fürchtet der Verein um die Zukunft der Abteilung.

Die Gladbecker Sportgemeinschaft sucht ganz dringend neue Proberäume für ihre Taiko-Trommler. Fünf Jahre haben die Kurse nachmittags an der Roßheideschule in Brauck stattgefunden.

Doch damit ist Schluss. Die Stadtverwaltung hat dem Verein die Nutzung der Räume zum 31. August untersagt. Der Grund: Seit gut zwei Jahren schon gibt es Beschwerden von Anwohnern sowie Besuchern und Mitarbeitern des nahe gelegenen städtischen Bildungs- und Begegnungszentrums (BBzB) über das laute Trommeln.

„Wir sind jetzt obdachlos“

„Wir sind jetzt obdachlos“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfgang Weishaupt. Das städtische Schreiben, in dem die Beendigung der Raumnutzung angekündigt wird, erreichte Weishaupt Anfang Juni. Seitdem, sagt er, habe sich die Stadt leider nicht mehr gesprächsbereit gezeigt. Was ihn ärgert: „Wir haben immer nur von den Beschwerden gehört. Uns gegenüber haben sich die Anwohner nie dazu geäußert. “

Entsprechend drastisch hat der Verein nun auf das Schreiben der Stadt reagiert. In einem Brief an den Ersten Beigeordneten Rainer Weichelt legt der Vorstand Widerspruch gegen die „Kündigung“ ein und fordert „Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz“ mit der Begründung, man wolle das Gespräch mit den Nachbarn suchen. Im letzten Satz bittet der Verein um eine weitere Nutzungsmöglichkeit der Roßheideschule, „bis wir in Absprache mit Ihnen (gemeint ist Weichelt, Anmerk. der Redaktion) eine andere Trainingsfläche gefunden haben“.

„In der Roßheideschule wird nicht mehr getrommelt“

„In der Roßheideschule wird nicht mehr getrommelt“, betont Rainer Weichelt. Zu lange schon, so der Erste Beigeordnete, habe man trotz der schwierigen Situation zu Gunsten des Vereins agiert; zudem sei die Stadt auch weiterhin bereit, bei der Suche nach neuen Proberäumen behilflich zu sein. Weichelt sagt aber auch: „Taikotrommeln sind keine normalen Trommeln. Im alten China wurden sie eingesetzt, um die eigenen Soldaten in ihrem Kampfwillen zu stärken und gleichzeitig den Gegner zu demoralisieren.“

Akteneinsicht, so Weichelt weiter, werde man dem Verein natürlich gewähren. Allerdings werde die Stadt vorher klären, ob die Einsicht auch für Namen und Adressen auf der Unterschriftenliste gegen die Lärmbelästigung durch die Trommler gelte. Weichelt: „Sobald wir das wissen, können wir einen Termin vereinbaren.“

Räume auf dem ehemaligen RAG-Gelände könnten erst in einem Jahr genutzt werden

Mit Hilfe der städtischen Wirtschaftsförderung seien den Taiko-Trommlern schon viele andere Räume angeboten worden. Zuletzt im Gespräch: die Möglichkeit, eine Halle auf dem ehemaligen RAG-Gelände an der Talstraße zu nutzen. „Da sind wir auch dran“, bestätigt Kursleiterin Barbara Scholz den Kontakt zu dem neuen Eigentümer des Areals. Allerdings könnten die Räume dort frühestens in einem Jahr genutzt werden. „Bis dahin brauchen wir dringend etwas für den Übergang.“

Wie ernst die Lage für die Taiko-Abteilung ist, schildert Wolfgang Weishaupt: Wir hatten mal 50 Mitglieder, aber es werden weniger. Wir können den Leuten ja auch keine Perspektive bieten.“ Ob die Taiko-Trommler noch beim Appeltatenfest 2019 oder bei anderen großen Stadtfesten auftreten können? Der Vereinsvorsitzende kann es derzeit nicht sagen.

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