Naherholung

RAG: Das letzte Haldenbauwerk in Gladbeck verschwindet

Drohne: Das letzte Haldenbauwerk in Gladbeck verschwindet

Der Hochbunker auf der Gladbecker Mottbruchhalde wird abgerissen. Die Drohnenaufnahmen zeigen die Arbeiten aus der Luft.

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Gladbeck.  Der Hochbunker auf der Gladbecker Mottbruchhalde wird abgerissen. Die 88 Meter hohe Erhebung wird Teil der Haldenwelt des Regionalverbands Ruhr.

Seit den 1960er Jahren ist sie ein vertrauter Anblick auf der Mottbruchhalde, jetzt verschwindet die menschengemachte Landmarke als letztes genutztes Bauwerk der RAG in Gladbeck. Bis 2013 war die weithin gut sichtbare 33 Meter hohe gelbe Verladungsstation noch in Betrieb, zuletzt um Bergematerial der Zeche Auguste Victoria sowie der Zeche Prosper auf die Halde zu befördern. Bis Ende kommender Woche soll der stählerne Riese niedergelegt sein. „Dann folgen Restarbeiten rund um die Gesamtanlage“, erklärt Pressesprecher Stephan Conrad von RAG Montan Immobilien. „Bis zum Jahresende soll alles fertig sein, um die aus der Bergaufsicht entlassene Halde besenrein an den Regionalverband Ruhr zur öffentlichen Nutzung zu übergeben“.

„Wir kommen besser voran als gedacht“, berichtet der zuständige Projektingenieur der RAG, Markus Keus. So ist zum Pressetermin bereits die Hälfte des Hochbunkers vom mächtigen Abrissbagger weggeknabbert worden. Sein gigantischer, an einen Papageienschnabel erinnernder Greifer, hat die vom Abrissteam mit Schweißbrennern gelösten Stahlteile auf Schwerlast-Lkw zum Abtransport befördert. Wie eine Riesentorte wird der runde Bunker, der einen Durchmesser von 15 Metern hat, stückchenweise aufgeschnitten und abgetragen. Dafür werden die Schweißer-Zweierteams in einem winzig wirkenden Korb via Schwerlastkran in die Höhe gezogen und dann in den Stahltrichter abgelassen. Statt sahnigleicht wiegt jedes von ihnen geschnittene ‘Tortenstück’ aber satte 20 Tonnen.

Asbesthaltige Mineralwolle ist zuvor entfernt und entsorgt worden

Dem eigentlichen Abbruch sind vorbereitende Arbeiten voraus gegangen, um die Anlage zu entkernen und die dabei entfernten Baustoffe zu trennen sowie zu entsorgen, darunter asbesthaltige Mineralwolle. Zuvor wurde auch die Bandanlage mit ihren stählernen Pfeilern abgebaut. Mit ihr wurde das Bergematerial vom Haldenfuß zum Verladetrichter hinauf befördert. Aus dem rund 3000 Kubikmeter fassenden Hochbunker wurden dann Lkw beladen, die das Abraummaterial aus den Zechen zur Schüttung auf den Haldenkopf weiter transportierten. Der Tiefbunker am Haldenfuß, an dem die Zechenbahnen zur Entladung ankamen, „wird parallel abgerissen“, so Ingenieur Keus. Das Gebäude werde bis zu 0,5 Meter unter Geländekante entfernt, Wände und Boden des bis zehn Meter tiefen Bunker durchlöchert „und dann mit Mutterboden aufgefüllt“.

Die Mottbruchhalde gehört zu den neun als touristisch bedeutsam klassifizierten Halden, die vom Regionalverband Ruhr (RVR) 2021 übernommen werden sollen. Mit ihren 88 Metern gehört sie zu den Top Ten der höchsten Halden im Ruhrgebiet und grenzt an den gerade im Aufbau befindlichen Sportpark Mottbruch in Brauck. Dieser soll auch als ein Tor zur Haldenwelt der „Braucker Alpen“ fungieren, die durch die Halde Mottbruch erweitert wird und die zudem die grüne Freizeit- und Erholungsinfrastruktur der Metropole Ruhr erweitert sowie ökologisch aufwertet. Wege für Radler, Spaziergänger und Sportler sind in Planung. Neben „Haus Aden 2“ in Bergkamen, „Lohberg Nord“ in Dinslaken und „Brinkfortsheide“ in Marl zählt die Halde Mottbruch zu den vier Kandidaten, die vom RVR als Standorte der Internationalen Gartenausstellung (IGA Metropole Ruhr 2027) in Betracht gezogen werden. Auch die Idee von Übernachtungsmöglichkeiten (Tiny Houses) am Ort des im Abriss befindlichen Hochbunkers wurde schon ausgesprochen.

Windrad-Projekt der Steag sorgt für Kritik aus der Politik und Bürgerschaft

Für deutliche Kritik aus der Bürgerschaft und Politik sorgt indes aktuell ein anderes Projekt auf der Mottbruchhalde. Die Steag möchte auf dem Haldenkopf ein Windrad errichten. Dagegen hat auch die Stadt Gladbeck geklagt. Noch sind zu den Klagen nicht alle Gerichtsentscheide gefällt worden, die über die weitere Zukunft der Halde mitentscheiden.

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