Katholische Kirche

Pfarrei prüft Ideen für die Nutzung von Kirchen

Das 111-jährige Bestehen feierte die Gemeinde von St. Marien im vergangenen Jahr. Ihr Kirchenstandort könnte „Zukunftskirche“ sein.

Das 111-jährige Bestehen feierte die Gemeinde von St. Marien im vergangenen Jahr. Ihr Kirchenstandort könnte „Zukunftskirche“ sein.

Foto: Heinrich Jung

‘Gladbeck.   Machbarkeitsstudien für Heilig Kreuz und Herz Jesu. Noch keine Lösung für St. Marien. Propst zieht positive Zwischenbilanz der Umstrukturierung.

Drei Jahre nach Verabschiedung des Pfarreientwicklungs-konzeptes, das die Leitlinien für den Um- und Rückbau der acht katholischen Gemeinden in der Stadt festlegte, hat die Pfarrei Ideen entwickelt für eine Neu- und Nachnutzung der denkmalgeschützten Sakralbauten Herz Jesu Zweckel und Heilig Kreuz Butendorf. Beide Kirchen sind nach 2020 nicht mehr für regelmäßigen Gottesdienst vorgesehen. Inzwischen wurden von Bistum und Pfarrei Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen.

Es wird mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet

Um welche Ideen, die in Projektgruppen entwickelt wurden, es sich handelt, wollte Propst André Müller im Gespräch mit der WAZ nicht verraten. „Jetzt geht es erstmal darum, ob die Ideen machbar und finanzierbar sind und ob wir Investoren finden.“ Man arbeite mit Hochdruck an Lösungen, aber bevor man Details nenne, wolle man zunächst sehen, ob die Vorstellungen belastbar seien. Sicher sei, dass man in beiden Stadtteilen keine Bauruinen hinterlassen werde, so Müller. Heilig Kreuz biete im Übrigen mehr Möglichkeiten, da das Gotteshaus nur außen denkmalgeschützt sei, Herz Jesu sei es auch innen, was eine neue, andere Nutzung erschwere.

Propst Müller betonte im WAZ-Gespräch bei einer Zwischenbewertung des Pfarreientwicklungskonzeptes von 2015 erneut, dass man an allen Kirchstandorten präsent bleiben werde und entsprechend die Weichen gestellt habe oder sie stelle. Erst vor 14 Tagen hatte die Pfarrei den Umbau des Kirchenstandorts St. Johannes und den Abriss der Kirche bekannt gegeben. Dort soll gemeinsam mit dem Caritasverband ein neues Stadtteilzentrum entstehen.

Kirche will an allen Standorten präsent bleiben

In Zweckel habe man, mit der Caritas, das Kaplan-Poether-Haus neu gebaut, das nicht nur gemeindlicher Treffpunkt und Ort der Inklusion sei, sondern künftig schwerpunktmäßig für die Seniorenarbeit genutzt werde. In Butendorf wurde das Gemeindehaus ausgebaut, das Raum für pastorale Zwecke und Gottesdienste bietet..

Nicht ganz so weit wie in Butendorf und Zweckel sei die Entwicklung des Standortes St. Marien Brauck zur „Zukunftskirche“. Derzeit entwickle man pastorale Vorhaben einer solchen Zukunftskirche, also Fragen danach, wie man inhaltlich mit dem Thema umgehe, so Müller. Danach könnten Machbarkeiten und finanzielle Möglichkeiten geklärt werden, auch was bauliche Anpassungen und eine andere Nutzung des Kirchenraumes anbelangt. „Wir haben aber Zeit, vor 2020 passiert da nichts.“

In Rentfort-Nord soll das Kirchenareal verkauft werden - Interessenten haben wieder abgesagt

Schneller könnte es in Rentfort-Nord mit St. Franziskus gehen. Propst Müller stellte klar, dass das Kirchenareal samt Gebäuden verkauft würde, fände sich ein passender Investor. Zwei Interessenten hätten zuletzt von ihren Vorhaben wieder Abstand genommen. Auch inhaltlich erlitt die Pfarrei hier einen Rückschlag, „da müssen wir ehrlich sein“, so Propst Müller. Die Idee der Entwicklung eines Stadtteilzentrums für Familien habe sich nicht umsetzen lassen. Eine Befragung unter Eltern der ortsansässigen KiTas hätte keine Bedürfnisse ergeben, die von Seiten der Pfarrei bearbeitet werden könnten.

In St. Josef Alt-Rentfort sieht die Pfarrei weiterhin die „große Chance“, den Standort zukunftsfähig weiterzuentwickeln – gerade weil nach dem angekündigten Weggang von Pastor Laubrock eine stärkere Begleitung der ehrenamtlichen Leitung vor Ort gefragt sei.

Entwicklung des sozial-pastoralen Zentrums in Mitte läuft gut

Äußerst positiv habe sich das neue sozial-pastorale Zentrum an der Kirchstraße in Stadtmitte entwickelt. „Das läuft auf Hochtouren, die Raumauslastung liegt bei 80 bis 90 Prozent“, so Müller. Der Fokus der Arbeit, gemeinsam mit der Caritas, liege auf Integration, Jugendsozialarbeit, Seelsorge und Beratung sowie „einem niederschwelligen Angebot der Begegnung“. Jetzt wird noch ein nach einem griffigen Namen gesucht.

Laien werden „Kirche vor Ort“ leiten

Eine äußerst positive Bilanz zieht Propst André Müller bei der inhaltlichen Umstrukturierung. „Wir haben es geschafft, alle Kirchenleitungen in ehrenamtliche Hände zu geben.“ Die Installation der ehrenamtlichen Moderatoren als Leiter der „Kirchen vor Ort“ sei ein wichtiger Bestandteil der „zukunftsfähigen Ausrichtung der Kirche“, betont Müller. „Dieses System ermöglicht Vielfalt und ist das Fundament, auf dem wir für die nächsten Jahrzehnte aufbauen.“ Überhaupt sei die Pfarrei – wie keine zweite im Bistum – auf dem Weg in die „selbstversorgende Gemeinde“. Neben den Laien-Moderatoren gebe es an allen Kirchstandorten ehrenamtliche Küster, insgesamt rund 20 Leitungen für Wort-Gottes-Feiern und auch immer mehr Ehrenamtliche, die Beerdigungen durchführen.

Propst: „Weggang der Pastöre Lamm und Laubrock liegt voll im Plan“

Müller: „Das ist nicht nur notgehorchend, sondern auch, was den Abbau von Hierarchien anbelangt, der Zeit geschuldet.“ In diesem Zusammenhang sei der Weggang der Pastöre Lamm und Laubrock in diesem Jahr kein personeller Einschnitt, sondern liege voll im Plan. „Jetzt tritt ein, was mit dem Votum für das Konzept von 2015 klar benannt war: Die Zahl der aktiven Priester in unserer Pfarrei wird zeitnah und stark zurückgebaut.“ Nach 2020 gebe es in Gladbeck nur noch zwei Priester.

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