Krimis

Mörderisches Lesequartett sorgt bei Gästen für Gänsehaut

Beim Krimiabend „Blut-Mord-Tod" lesen Halina Monika Sega, Dagmar Weck, Angelika Stephan und Paul M. Herman im Bildungs- und Begegnungszentrum Brauck spannende Geschichten.

Beim Krimiabend „Blut-Mord-Tod" lesen Halina Monika Sega, Dagmar Weck, Angelika Stephan und Paul M. Herman im Bildungs- und Begegnungszentrum Brauck spannende Geschichten.

Foto: Oliver Mengedoht

gladbeck.   Paul M. Hermann setzt in seinen Erzählungen auf den Undercover-Blutsauger Marc. Der liebt das Blut von Veganern, denn das ist cholesterinfrei.

Mord und Mörderjagd sind ihr Metier, aber gegen Erkältungsviren sind auch die fantasievollsten Autorinnen nicht immun, und es helfen auch keine Detektive. Gleich zwei von fünf Schriftstellerinnen konnten am Samstag bei der „Crime Time“ im Bildungs- und Begegnungszentrum Brauck nicht antreten. Dafür sprang ein Mann ein.

Der Tisch derer, die Mördergarn spinnen, war stilsicher durch rot-weißes Absperrband geschmückt, wie ein Tatort. Den gelichteten Reihe der Vortragenden saßen auch nur wenige Zuhörer gegenüber – das war wohl auch der Erkältungswelle und dem wenig freundlichen Wetter geschuldet. Die Nebenwirkung war aber durchaus positiv: Zwischen den Autoren und dem Publikum entstand schnell eine fast intime Nähe, es gab einen sehr freundlichen Austausch.

Britt Glaser fiel, weil erkrankt, aus. Talira Tal musste auch absagen, weil ihr Sohn erkrankt war. So hielten Halina Monika Sega aus Gladbeck, Angelika Stephan aus Mülheim an der Ruhr und Dagmar Weck aus Bochum die Stellung. Paul M. Hermann aus Hagen-Hohenlimburg, der ein spezielles Krimi-Feld beackert, war weitaus mehr als bloßer Ersatzmann.

Halina Monika Sega und Paul M. Hermann machen seit einem Jahr sogar gemeinsame Sache: „Wir haben uns im Filmpark kennengelernt und sind seitdem bei Events dabei, lesen im Autorenzelt“, verrieten die „mörderischen Geschwister“.

Sega, die durch den Abend führte, beendete die spannende Geschichtenreihe mit einer Story, die in Gladbeck spielt: „Der Unfall“. Eine junge Frau wird nicht nur Augenzeugin eines Autounfalls mit Fahrerflucht, sie wird selbst zur Gejagten und Verfolgten. Von einem narbigen Mann in Polizeiuniform entführt, kann sie im Wittringer Wald fliehen.

Geschrieben im eleganten angelsächsischen Stil

Auffallend und angenehm war die stilistische Vielfalt, die die Autoren boten. Dagmar Weck schreibt im eleganten angelsächsischen Stil, voller Ironie. Der nervigen Ehefrau in ihrer Geschichte wird ihre Vorliebe für High Heels zum Verhängnis.

Wer nach der Geschichte von Angelika Stephan noch Forelle essen mag, sollte den Gang zum Psychiater nicht scheuen: In ihrem Werk entledigt sich ein Mann der Leiche seiner ungeliebten Nachbarin auf ebenso präzise wie unappetitliche Weise. Er verfüttert sie stückchenweise an die Bewohner eines Zuchtteiches.

Paul M. Hermann hat den Undercover-Blutsauger Marc erfunden. Der ehemalige Militärpolizist wird nach persönlichen Schicksalsschlägen und beruflichen Misserfolgen zum Vampir. „Garantiert glitzerfrei“, betonte der Autor der Mystery-Krimis, denn „Vampire glitzern nicht!“ Mit den „Twilight“-Schnulzen haben seine Bücher nichts gemeinsam. Sie sind ironisch. „Tütensuppen“ nennen moderne Vampire beispielsweise ihre bevorzugteste Kost: Blutkonserven. „Beliebt ist Blut von Veganern, das ist sehr cholesterinarm.“ In seinem neuesten Roman hat Marc seinen ersten Auslandseinsatz: „Wiener Blut“ heißt er.

Gedenken an die verstorbene Birgit Salutzki

Die erste „Crime Time“ nahmen die Schriftstellerinen und der Schriftsteller auch zum Anlass, einer verstorbenen Kollegin zu gedenken: Birgit Salutzki aus Gladbeck starb im Dezember 2016 unerwartet mit 51 Jahren. Halina Monika Sega: „Sie hat mit ihrem letzten Werk ,Ruhrkälte’ viele Leser in die Welt der Krimis entführt und begeistert.“

Die Lesereihe im Bildungs- und Begegnungszentrum Brauck wird fortgesetzt. Ende April werden Märchen für Erwachsene im Mittelpunkt stehen.

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