Lesung

Märchen für Erwachsene: Wenn der Wolf plötzlich der Gute ist

Talira Tal, Angelika Stephan und Frank Vollmann (von links) waren drei der Autoren beim Märchenabend in Brauck.

Talira Tal, Angelika Stephan und Frank Vollmann (von links) waren drei der Autoren beim Märchenabend in Brauck.

Foto: Heinrich Jung

Gladbeck.   Neue Perspektiven: Von lieben Wölfen und bösen Großmüttern hörten die Besucher der Lesung im Braucker Bildungs- und Begegnungszentrum.

Es ist Märchenstunde im Bildungs- und Begegnungszentrum an der Roßheidestraße 40. Die Autoren Halina Monika Sega, Angelika Stephan, Marlies Strübbe-Tewes, Talira Tal und Frank Vollmann nehmen ihre Zuhörer mit in die Welt der Geschichten.

Die Märchen, die sie lesen, haben mit den klassischen „Es war einmal“-Erzählungen jedoch nur wenig zu tun. Die Kurzgeschichten des Abends sind für Erwachsene ausgelegt und kritisieren unter anderem die heutige Gesellschaft. Den Anfang macht Marlies Strübbe-Tewes. Sie kommt aus Unna und ist, wie Angelika Stephan und Halina Sega, Mitglied im „Freien deutschen Autorenverband“ (FDA).

Ihr Märchen handelt vom gestiefelten Kater, allerdings aus einer anderen Perspektive. Der Erzähler ist das Stiefelpaar des Katers, das am Ende sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde für das kleinste und beste Stiefelpaar erhält.

Vertauschte Rollen bei Rotkäppchen

Halina Sega schreibt und lebt für das Theater. Sie widmet sich überwiegend Kurzgeschichten für Kinder wie beispielsweise „Das lila Einhorn“ oder „Rotkäppchen und der gute Wolf“. In ihrer Geschichte über das Rotkäppchen hat Sega die Rollen vertauscht. „Nicht mehr der Wolf ist das Monster, sondern die Großmutter, die verzaubert wurde“, erklärt Sega.

Angelika Stephan verfasst gerne Krimis und sozialkritische Bücher. In ihrer Version von „Tischlein, deck dich“ haben die Menschen den Sinn für Kunst und Kultur verloren. „Viele Leute laufen nur noch starr geradeaus oder haben ihren Blick auf das Smartphone gesenkt“, sagt Stephan und kritisiert damit die Gesellschaft: „Sie haben keine Zeit mehr für Kunst“.

Manche Autoren arbeiten gern unabhängig vom Verlag

Talira Tal und Frank Vollmann veröffentlichen ihre Bücher selbstständig. „Ich möchte Geschichten schreiben, mit denen ich selbst zufrieden bin“, sagt Vollmann „nicht die, die mir vom Verlag vorgeschrieben werden“. In ihrer Version des „Froschkönigs“ gibt es statt der goldenen Kugel ein Smartphone, das Teenager Tamara im Gulli verliert. Anstelle eines Frosches hilft ihr ein verdreckter Mann, der unter der Fassade doch schöner ist, als das Mädchen zunächst glaubt.

Die Mischung der verschiedenen Autoren und ihrer Geschichten macht den Abend zu einer bunten Märchenstunde. Petra Appelhoff, Leiterin des Bildungs- und Begegnungszentrums, ist begeistert: „Jede Geschichte war komplett unterschiedlich und auch für Erwachsene tauglich. Das war mal was anderes.“

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