Landgericht

Landgericht: Im Zweifel für den Angeklagten

Gladbecker war vom Amtsgericht wegen tätlichen Angriffs zu sieben Monaten Haft verurteilt worden. Im Berufungsprozess vor dem Essener Landgericht wurde er frei gesprochen.

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Essen. „Nicht lügen“, mahnt die Großmutter aus dem Zuschauerraum den zehnjährigen Enkel, der auf den Zeugenstuhl einer Essener Berufungskammer am Landgericht zusteuert. Die Aussage des Jungen soll den Verlobten seiner Mutter entlasten. Der 33-Jährige wurde im Februar vom Gladbecker Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Haft verurteilt. Im Streit mit dem Bruder seiner Verlobten soll er dem 28-Jährigen mit einem Messer eine zehn Zentimeter lange Wunde am Unterarm zugefügt haben. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte, der sich selbst als alkoholabhängig bezeichnet, aber vom Schnaps „schon runter“ sei und nur noch vier bis fünf Flaschen Bier pro Tag trinke, bestreitet den Vorwurf und legte Berufung ein.

Weinender Zeuge

Der Zehnjährige soll zur Wahrheitsfindung antreten. Nachdem auch Richter Volker Uhlenbrock dem Jungen klar gemacht hat, wie wichtig seine Angaben sind, beginnt der zu weinen. Auf seine Aussage wird verzichtet.

Andere Zeugen werden jedoch gehört, der Vorfall vom 24. August 2010 wird noch einmal geschildert. Es hatte an dem Tag wieder einmal Ärger in der Gladbecker Familie gegeben. Der Geschädigte will den Angeklagten wegen beleidigender Kurznachrichten zur Rede gestellt haben, worauf der aus der hinteren Hosentasche ein Messer gezogen und ihn verletzt haben soll.

Eine 30-jährige Zeugin soll bestätigen, dass der Vorfall nicht stattgefunden hat. Diese Nachbarin starrte angeblich zur fraglichen Zeit auf die Haustür, den vermeintlichen Tatort. Vom „Versuch einer Falschaussage“, spricht der Oberstaatsanwalt.

Mit Handschlag

Schon einmal hatte der 28-Jährige den Angeklagten wegen Körperverletzung angezeigt, die Anschuldigung damals aus unbekannten Gründen zurückgenommen. Für die Kammer Anlass genug, auch jetzt an der Schuld des 33-Jährigen zu zweifeln.

Der hat Erfolg mit seiner Berufung: Am zweiten Prozesstag folgte das Gericht dem Antrag von Verteidiger Ralf Bleicher und sprach den 33-Jährigen frei – nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten. Oberstaatsanwalt Peter Gehring zweifelte allerdings nicht. Er wollte das Amtsgerichtsurteil bestätigt sehen. Nach dem Freispruch verabschiedet sich der strahlende Angeklagte per Handschlag bei Richter Uhlenbrock und beim Vertreter der Anklage.

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