Katholische Kliniken

KKEL-Mitarbeitende schockt der angekündigte Stellenabbau

Eine Blutkonserve wird von medizinischem Personal häufig bei der Behandlung von Notfallpatienten benötigt. Im St. Barbara-Hospital soll das Labor geschlossen werden, das für schnelle Diagnostik der Fachabteilungen innerhalb des Hauses sorgt (Symbolbild).

Eine Blutkonserve wird von medizinischem Personal häufig bei der Behandlung von Notfallpatienten benötigt. Im St. Barbara-Hospital soll das Labor geschlossen werden, das für schnelle Diagnostik der Fachabteilungen innerhalb des Hauses sorgt (Symbolbild).

Foto: Friso Gentsch / dpa

Gladbeck.  Deutliche Kritik der Betroffenen Richtung Geschäftsführung. Mit dem Abbau der 100 Stellen solle das drei Millionen Euro Defizit halbiert werden.

Mitarbeitende der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe haben sich nach der von der Konzern-Geschäftsführung angekündigten Entlassung von 100 Köpfen in Labor, Küche und IT geschockt in der Redaktion gemeldet. Dass weitere strukturelle Veränderungen im Klinikverbund anstehen, sei erwartet worden, „aber nicht eine Entscheidung von diesem Ausmaß“. Besonders kritisch wird auch bewertet, dass das Labor im St. Barbara-Hospital geschlossen wird. Grund: In einem Akutkrankenhaus, „in dem auch Notfallpatienten behandelt werden“, sei eine schnelle Diagnostik essenziell wichtig.

Befürchtet wird, dass wertvolle Zeit für die Patienten verloren gehen könnte, wenn künftig entnommene Proben für die Untersuchung ins Zentrallabor nach Gelsenkirchen-Ückendorf transportiert werden müssten. Und die patientenbezogene Aufbereitung von Blutkonserven, etwa für Notfall-Operationen, „auch nicht mehr vor Ort erfolgen kann“. Enttäuscht zeigen sich die KKEL-Beschäftigten auch vom kurzfristigen Vorgehen der Geschäftsführung der St. Augustinus GmbH. Die Einladung zur KKEL-Mitarbeiterversammlung am vergangenen Donnerstag ab 15 Uhr im Mehrzweckraum des Horster St. Josef-Hospitals sei erst am Dienstag über das Intranet für die 1600 Beschäftigten veröffentlicht worden. Entsprechend klein sei der Mitarbeiterkreis gewesen, der so kurzfristig die Zeit zur Teilnahmen gefunden habe, 150 Personen. Da könne man spekulieren, „ob das durch dieses Vorgehen auch beabsichtigt gewesen ist“.

Die Augustinus-Geschäftsführer, Susanne Minten und Dirk Nordholt, hätten im Beisein des Ärztlichen Direktors, Heinz-Dieter Oelmann, und der Mitarbeitervertretung zunächst die wirtschaftliche Lage des Klinikverbundes dargestellt. Demnach sei es, so die Mitarbeitenden zur WAZ, nach der Übernahme der KKEL ab 2018 zwar gelungen, die Verluste durch die eingeleitete Restrukturierung zu reduzieren (Ende 2017 lagen diese bei rund 6 Millionen Euro). Gleichwohl habe Geschäftsführerin Minten über vorgelegte Zahlen dargestellt, „dass alle Abteilungen mehr oder weniger Miese machen“, so dass sich der aktuelle Verlust „auf rund drei Millionen Euro“ addiere. Sie habe weiter gesagt, dass der Gesamtkonzern dieses Defizit nicht endlos ausgleichen könne, so dass die Entlassungen quasi unvermeidlich seien. „Durch den Stellenabbau soll das Defizit um 1,5 Millionen Euro abgemildert werden“, so der weitere Bericht der Mitarbeitenden.

Der Großteil der 100 von der Stellenstreichung betroffenen Mitarbeiter sei 50 Jahre und älter, teils seit fast 40 Jahren bei der KKEL beschäftigt. Ihnen sei mitgeteilt worden, „dass sie zum 1. April alle freigestellt werden“. Zudem habe man auf eine ab dann eingerichtete Transfergesellschaft verwiesen, in die die Betroffenen freiwillig wechseln könnten, um bei ihrer Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützt zu werden. Die ersten Infogespräche dazu seien schon am Freitag angelaufen. Bis zum kommenden Freitag bestehe die Möglichkeit, dieses Angebot zu nutzen. Wer nicht darauf eingehe, solle die rückwirkende Kündigung erhalten. „Je nach Betriebszugehörigkeit mit entsprechenden Fristen, bis längstens 30. September.“

Die Geschäftsführung habe auch einige aktuell offenen Stellen benannt, auf die man sich bewerben könne. Etwa vier für Laboranten im Hygieneinstitut in Gelsenkirchen, „dort ist die Bezahlung aber sicher schlechter als beim bisherigen Arbeitgeber“, fürchten die Betroffenen. Da nahezu alle vor der Entlassung stehenden älter als 50 Jahre seien, werde die Jobsuche durch das höhere Lebensalter sicherlich erschwert. Wenn die Geschäftsführung im Zuge der Entlassung „dann von einem Selbstverständnis als christlich-sozialem Unternehmen“ spreche, sei das für die Entlassenen „nur schwer zu ertragen“.

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