Projekt

Hospiz-Verein macht Sterben zum Thema an Grundschulen

Projekt-Koordinatorin Beate Letzel (l.) und die Vereinsvorsitzende Dorothee Schwers mit eingen der Schatzkisten für Hospiz macht Schule.

Projekt-Koordinatorin Beate Letzel (l.) und die Vereinsvorsitzende Dorothee Schwers mit eingen der Schatzkisten für Hospiz macht Schule.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.  Pädagogisch erprobtes Konzept mit einem Unterrichtspaket und ausgebildeten Begleitern für eine Projektwoche. Kostenloses Angebot für Grundschulen

Fünf knallrote Kisten, versehen mit einem große Schloss, stehen mitten im Raum. Das sieht nach spannendem Abenteuer aus. Ungewöhnlich sind aber die Aufschriften auf den Deckeln – „Werden und Vergehen“, „Vom Traurig sein“ oder „Trost und Trösten“ ist da zu lesen. Damit wird klar, dass es hier um eine ganz besondere Schatzsuche geht. Genauer gesagt um das Projekt „Hospiz macht Schule“. Konkret: Um kostenloses Unterrichtsmaterial und eine ehrenamtliche Begleitung zur Durchführung eine Projektwoche zum Thema „Tod und Sterben“ an Gladbecker Grundschulen.

„Wir bieten dieses erprobte Programm zum ersten Mal in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe für Kinder ab dem 3. Schuljahr in Gladbeck an“, so Dorothee Schweers vom Hospiz-Verein Gladbeck. Beabsichtigt sei, den Kindern eine Woche lang die Möglichkeit zu geben, sich mit dem großen Themenfeld Tod und Trauer auseinander zu setzen „und zu vermitteln, dass Leben und Sterben untrennbar miteinander verbunden sind“.

Ein bereits erprobtes Programm

Denn hierbei könnten Eltern in guter Absicht, ihr Kind schützen zu wollen, „Fehler machen und Ängste wecken, anstatt zu beruhigen“, ergänzt Beate Letzel, Geschäftsführerin des Hospiz-Vereines.

Als Beispiel nennt sie vermeintlich beschützende Antworten auf Kinderfragen, etwa nach dem Tod des Großvaters, was denn mit ihm sei: „Der Opa ist eingeschlafen“ oder „der Opa ist von uns gegangen“. Denn das könne beim Kind Ängste wecken, „dass es passieren kann, dass man nach dem Einschlafen nicht mehr aufwacht. Oder dass der Papa, der zum Beispiel beruflich auf Montage ist, wie der Opa auch nicht mehr zu seiner Familie zurückkehrt. So sei es letztlich viel besser, die Dinge auch klar beim Namen zu nennen, „nämlich, dass der Opa gestorben ist“.

Bunter Inhalt auch für Fantasiereisen

Bei „Hospiz macht Schule“ können sich die Kinder sach- und altersangemessen mit dem Thema auseinandersetzen. Dazu wurden fünf Themenkisten für jeden Tag der Projektwoche gepackt, die aufeinander aufbauen. Und öffnet man etwa den Deckel der „Vom- Traurig-Sein“-Kiste, so sieht der Inhalt alles andere als deprimierend aus. Bunte Fingerfarben sind zu sehen, zudem farbiger Karton, kleine Tontöpfe, Bohnensamen, Erde und Wasser.

Das Thema werde in Kleingruppen (je ca. fünf Kinder) spielerisch angegangen, dabei Impulse gesetzt, um auf Fantasiereise zu gehen, auch aus Büchern vorgelesen, Jenseitsvorstellungen verschiedener Religionen vorgestellt, gemeinsam Lieder gesungen oder ein Erklärfilm angeschaut und Fragen beantwortet. Begleitet werden die Grundschulkinder von Ehrenamtlichen, die in dem speziell für das Projekt entwickelten Ausbildungsstandard der Bundes-Hospiz-Akademie auf die Durchführung der Projektwoche vorbereitet wurden. Die Ergebnisse präsentieren die Kinder den Eltern bei einem Abschlussfest.

Das Projekt wird in einigen Städten wie Münster schon erfolgreich angeboten“, so Dorothee Schweers „und wir wollen es auch in Gladbeck etablieren“. Dazu sollen nun die Grundschulen besucht werden, um eine Informationsveranstaltung anzubieten und so auch die Eltern mitzunehmen.

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