Kommunalwahlkampf

Gladbeck: Grüne lösen Debatte um den Bau der A 52 aus

Über die Zukunft der B 224 wird nach der Kehrtwende der Grünen wieder diskutiert.

Über die Zukunft der B 224 wird nach der Kehrtwende der Grünen wieder diskutiert.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Ratsherr Kruse und Bürgerforums-Mitglied Stephan Müller äußern sich kritisch und lobend zur Grünen-Kehrtwende. GE-Grüne unterstützen den Vorstoß.

Die Kehrtwende der Grünen in Sachen A 52 hat für Reaktionen gesorgt. Die Partei hatte zum Jahresende beschlossen, den Ausbau der B 224 zur A 52 nachträglich abzulehnen.

Linke-Ratsherr Franz Kruse, der sich – wie er schreibt – in einer Stellungnahme privat äußert, verweist darauf, dass die Grünen auch schon vor der Wahl 2014 gegen die A52 gewesen seien, „weil sie angeblich den Bürgerentscheid gegen die A52 und Tunnel respektieren wollten“. Kruse: „Nach den Wahlen war alles anders und die Grünen halfen kräftig mit, den Bürgerentscheid zu kippen.“ Bei der jetzigen Aussage gegen die A52 gehe es den Grünen offenbar um diejenigen Wählerstimmen, „die sie als Autobahnpartei nie bekommen würden“.

„Hübners Populismus-Vorwurf ist nicht von der Hand zu weisen“

Der Populismusvorwurf von SPD-Fraktionschef Hübner sei nicht von der Hand zu weisen, so Kruse. Die nach den letzten Kommunalwahlen gezeigte „grüne Ignoranz“ gegenüber der Abstimmung der Stadtgesellschaft gegen jede A52 und „die jetzt bereits geöffnete Hintertür“ in ihrem neuen Beschluss, „stellen die Glaubwürdigkeit der Gladbecker Grünen in Sachen Autobahn sehr in Frage“. Erst in einigen Jahren werde sich zeigen, „ob hinter dem jetzigen A52-Gerede der Grünen eine wirkliche Überzeugung steht“, so Kruse. Wenn richtige, umsetzbare Pläne für die Autobahn fertiggestellt und vom Bund genehmigt sein sollten, müssten die Grünen Farbe bekennen.

Rückendeckung bekommen die Grünen von Stephan Müller vom Bürgerforum Gladbeck. Die A52 sei keineswegs alternativlos, schreibt Müller und wendet sich damit gegen die Kritik von SPD-Fraktionschef Hübner an der Grünen-Kehrtwende. „Wie nahe liegende Alternativen aussehen können, zeigen uns die gut praktizierten Beispiele unserer Nachbarstädte“, schreibt Müller. Wer aber im Zeitalter einer aufstehenden Jugend für umsetzbare Alternativen das altbackene Vokabular der Steinzeit verwende, solle sich einen Plan B für seine politische Zukunft bereithalten.

B 224: Bürgerforum schlägt Sperrung für Fernverkehr und Tempo 50 vor

Es gebe alternativ „ab sofort“ alltagstaugliche und weitergedachte Ideen: Der Fernverkehr bleibe auf den bestehenden Autobahnen, und die B224 werde zur Stadtstraße mit Tempo 50 und weitgehendem Nachtfahrverbot für den Schwerverkehr. Dies würde auch dem Klimaschutz, dem Umweltschutz für Gladbeck und der Lebensqualität in der Stadt nutzen. Müller schlägt zur Kontrolle Hightech-Blitzsäulen an der B224 vor, die bereits erfolgreich in Nachbarstädten funktionierten und auch in Gladbeck ein sattes Plus in die klamme Stadtkasse bringen würden.

SPD-Fraktionschef Michael Hübner hatte die Kehrtwende der Grünen bereits als „populistische Anwandlung“ kritisiert und gesagt, zum Bau der A 52 mit Tunnel gebe es keine Alternative. „Das, was die Grünen da tun, ist keine Lösung für die Stadt“, hatte der SPD-Politiker geklagt. Unterdessen unterstützen die Gelsenkirchener Grünen die Kehrtwende ihrer Gladbecker Parteikollegen als „völlig richtig“, Peter Tertocha, Ratsfraktionsvorsitzender der Gelsenkirchener Grünen. „Wir haben den Ausbau schon immer skeptisch gesehen“, sagt der stellvertretende Fraktionschef Burkhard Wüllscheidt. In Gelsenkirchen habe die Partei schon immer eher die Ansichten der Grünen aus Essen und Bottrop geteilt, die gegen die A 52 waren.

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