Kindesmissbrauch

Gegen Kindesmissbrauch: Die Tour der Hoffnung geht weiter

Markus Diegmann ist mit Hund Picasso

Markus Diegmann ist mit Hund Picasso

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.  Der Gladbecker Markus Diegmann startete vor einem Jahr seine Kampagne gegen Kindesmissbrauch. Er zieht Zwischenbilanz „mit gemischten Gefühlen“.

Von einer „Zwischenbilanz mit gemischten Gefühlen“ spricht Markus Diegmann. Der Gladbecker startete mit Hilfe von Spendern vor etwa einem Jahr seine Kampagne „Tour 41“ gegen Kindesmissbrauch. Die 41 steht für die Anzahl der Kinder, die statistisch täglich in Deutschland missbraucht werden.

Die schreckliche Tat erwachsener Täter verjährt nach 30 Jahren. Dagegen kämpft Diegmann. Im Wohnmobil reist er durch Deutschland, um aufzuklären und Unterschriften gegen die Verjährungsfrist zu sammeln. „Das habe ich mir einfacher vorgestellt“, sagt er beim Zwischenstopp nach 30 000 Kilometern.

Als Fünfjähriger selbst missbraucht worden

Der heute 51-Jährige wurde als Fünfjähriger erstmals selbst missbraucht. Wie bei ihm auch, werden die schrecklichen Erlebnisse meist tief in der Kinderseele vergraben und brechen erst Jahrzehnte später im

Erwachsenenalter auf, „und dann kann der Täter aufgrund der Verjährungsfrist oft nicht mehr strafrechtlich belangt werden“.

Eine Million Unterschriften zu sammeln, die er der Bundesregierung mit der Aufforderung zur Gesetzesänderung überbringen möchte, hat Diegmann sich als Ziel gesetzt. Bislang zusammen gekommen sind 30 000 Signaturen. Wenn er auf den ihm zugewiesenen Plätzen in den Städten stehe, stelle er durchaus Interesse bei den Passanten fest, die an seinem auch auffällig mit Zeitungsausschnitten zum Thema groß beklebten Wohnmobil vorbeigehen.

Eine Hemmschwelle in vielen Köpfen

„Viele Leute ringen sich aber erst beim dritten Anlauf durch, stehen zu bleiben, um mit mir zu reden.“ Das Thema Kindesmissbrauch bedeute eine Hemmschwelle in vielen Köpfen. Auch in denen von Verwaltungsmitarbeitern. „Städte wie Essen oder Duisburg haben komplett abgelehnt, dass ich auf einem öffentlichen Platz informiere, andere haben hohe Standgebühren verlangt. Andernorts, wie in Gladbeck oder Wolfsburg, war das auch am Rande von Veranstaltungen kein Problem.“

Dabei habe er auch mit eigenem Erschrecken festgestellt, „wie wichtig die Tour ist“. Denn es habe sich heraus gestellt, „dass jeder Vierte, der stehen blieb, als Kind selbst Missbrauchsopfer geworden ist. Und oft haben die Männer und Frauen mit mir das erste Mal über ihre schrecklichen Erlebnisse gesprochen.“ Viele der durch das aufgebrochene Trauma Erkrankten und durch Berufsunfähigkeit auch existenziell Betroffenen wüssten nicht, „dass sie finanzielle Hilfe über das Opferentschädigungsgesetz erhalten können“.

Die Kampagne ist in doppelter Hinsicht wichtig

Diegmanns Fazit: „Meine Kampagne ist so in doppelter Hinsicht wichtig. Sie braucht zwar mehr Zeit als erwartet, wird über Zeitungs- und Fernsehberichte aber immer bekannter, so dass ich hoffe, etwas für die Missbrauchsopfer bewirken zu können.“

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