Katholische Grundschule

Bewerbung als Rektorin abgelehnt, weil Lehrerin nicht katholisch ist

Regina Wiwianka würde gern an der Josefschule bleiben – als offizielle Leiterin der Schule. Wenn das nicht klappt, wird sie sich  anderswo um eine Rektorenstelle bewerben.

Foto: Oliver Mengedoht

Regina Wiwianka würde gern an der Josefschule bleiben – als offizielle Leiterin der Schule. Wenn das nicht klappt, wird sie sich anderswo um eine Rektorenstelle bewerben. Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Drei Mal hat Regina Wiwianka sich um die Leitung der Josefschule beworben. Sie ist aber evangelisch. Bürgermeister fordert: Schulgesetz ändern.

Seit Januar 2017 ist die Leiterstelle an der Josefschule in Rentfort unbesetzt. Die katholische Grundschule wird seither von Konrektorin Regina Wiwianka kommissarisch geleitet. Die 57-Jährige würde gern die Nachfolge von Rektorin Dorothea Gerenkamp antreten.

Aber: Die zuständige Bezirksregierung Münster hat die Bewerberin abgelehnt – weil sie nicht katholisch ist. Die Behörde beruft sich auf das Schulgesetz, das im Paragrafen 26 / Absatz 6 festlegt: „An Bekenntnisschulen müssen die Schulleiter/innen dem betreffenden Bekenntnis angehören.“ Pressesprecherin Ulla Lütkehermölle: „Wir müssen uns an der gesetzlichen Vorgaben halten.“

Die fachlichen Voraussetzungen bringt sie mit

Die Rektorenstelle war schon drei Mal ausgeschrieben. Regina Wiwianka hat sich jedes Mal beworben. Nur beim zweiten Anlauf gab es einen weiteren Interessenten, der auch die „richtige“ Konfession mitbrachte, aber seine Bewerbung zurückzog. Die fachlichen Voraussetzungen bringt Regina Wiwianka mit: Sie hat das Eignungsfeststellungsverfahren, die Schulleiterprüfung also, erfolgreich hinter sich gebracht, und die dienstliche Beurteilung des Schulrats in Recklinghausen fiel positiv aus. Deshalb hoffte sie, dass es im dritten Versuch doch noch klappen könnte. Aber die Bezirksregierung erteilte ihr erneut eine Absage.

Zehn Lehrkräfte und 230 Schüler an der Grundschule in Rentfort

„Es war, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt die 57-Jährige. Sie würde gern an der Josefschule bleiben, hat in den eineinhalb Jahren, in denen sie die Schule mit zehn Lehrkräften und ca. 230 Schülern kommissarisch führt, schon einiges in Bewegung gesetzt: „Wir erarbeiten gerade ein neues Konzept für unseren Offenen Ganztag, und wir stecken mitten in den Planungen für den Neubau an unserer Schule.“

Eigentlich sollte die Rektorenstelle zu Beginn des neuen Schuljahres endlich besetzt sein. Dass es wieder nicht klappt, sorgt auch im Rathaus für Unmut, zumal das Bistum Essen, das in solchen Fällen auch noch ein Wörtchen mitzureden hat, in ähnlichen Fällen schon einer Ausnahme zugestimmt habe. Bürgermeister Ulrich Roland hat sich bereits an Regierungspräsidentin Dorothee Feller gewandt – ohne Erfolg.

EU-Urteil in ähnlichem Fall sieht in der Ablehnung wegen Religionszugehörigkeit eine Diskriminierung

Jetzt appelliert er an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), sich für die Besetzung der Stelle mit Regina Wiwianka einzusetzen. Sie genieße in der Schulgemeinde einen hervorragenden Ruf in Bezug auf ihre pädagogische Arbeit, Führungs- und Leitungskompetenz, schreibt Roland. Er verweist auch auf ein aktuelles Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union, das die fehlende Religionszugehörigkeit als Grund für die Ablehnung eines Bewerbers nicht akzeptiert hat und darin einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot sieht. Deshalb regt Roland bei der Ministerin eine Änderung des Schulgesetzes an: „Wichtiger als die konfessionelle Bindung muss doch die Versorgung unserer Schulen mit qualifizierten Rektoren sein.“

Regina Wiwianka will jetzt zunächst abwarten, ob dieser Vorstoß ihr hilft. Wenn nicht, wird die Josefschul-Gemeinde über kurz oder lang wohl auf die erfahrene Pädagogin verzichten müssen. Sie werde sich dann auf andere Rektorenstellen bewerben, sagt sie – sicher nicht an einer katholischen Schule.

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