Planfeststellungsverfahren

A 52-Ausbau: Die Schulte-Pelkums geben ihren Hof nicht auf

Der Hof Schulte-Pelkum, zwischen A2 und B224 gelegen, ist seit Jahrhunderten Familienstammsitz und für Johannes und Ursula Schulte-Pelkum ein Zuhause, das sie nicht aufgeben wollen.

Der Hof Schulte-Pelkum, zwischen A2 und B224 gelegen, ist seit Jahrhunderten Familienstammsitz und für Johannes und Ursula Schulte-Pelkum ein Zuhause, das sie nicht aufgeben wollen.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Bald könnte der Bau der A 52 auf Gladbecker Gebiet starten. Dafür muss ein historischer Hof abgerissen werden. Die Besitzer sagen: „Wir bleiben!“

Auf der Rückseite die A2. In Front die B224. An der einen Flanke Auf- und Abfahrt zur Autobahn. Genau in der Mitte liegt der Hof Schulte-Pelkum. Seit über 1100 Jahren steht er dort schon, lange also bevor die Straßen kamen. Nun soll er dem Autobahnbau weichen, der Abriss droht. Gerade läuft das Planfeststellungsverfahren für genau diesen Bauabschnitt. Sogar ein Baubeginn – eventuell schon Ende 2022 – ist im Gespräch. Doch Ursula und Johannes Schulte-Pelkum gehen fast schon gelassen mit der Situation um. Sie haben beschlossen: „Wir bleiben hier wohnen!“

Der Hofe Schulte-Pelkum ist seit Jahrhunderten im Familienbesitz

Am Mittwoch hat Johannes Schulte-Pelkum Namenstag gefeiert. In dem Holz-Pavillon im Garten vor dem Bauernhaus war die komplette Familie zusammengekommen. Das Gartenhaus ist so ausgerichtet, dass der Blick von dort aus ausschließlich auf Felder, Wiesen und Bäume fällt. Schafft man es, das ewige Getöse des Verkehrs auszublenden, bietet die Kulisse tatsächlich Idylle pur. Auf jeden Fall, sagt Johannes Schulte-Pelkum (74), haben sich alle Kinder der Familie bei der Feier noch einmal dafür ausgesprochen, den Hof nicht aufzugeben. „Wir sind auch viel zu alt, um noch einmal woanders neu anzufangen. Mein Mann würde daran zugrunde gehen, müsste er den Hof aufgeben“, sagt Ursula Schulte-Pelkum.

Von Anfang an ist der Hof im Besitz der Familie Schulte-Pelkum, das imposante Bauernhaus wurde um 1810 erbaut. Die Landwirtschaft haben die jetzigen Besitzer schon vor einigen Jahren aufgegeben. Schweine und Kühe gibt es nicht mehr auf dem Hof. Nur noch einige Pensions-Pferde. Die Felder sind an andere Landwirte verpachtet. Seit nunmehr 30 Jahren leben die Eheleute nun schon mit der latent drohenden Gefahr, ihr Heim an die Autobahn zu verlieren. Dass nun das Planfeststellungsverfahren läuft, die Situation also langsam ernst werden könnte, erschüttert sie nicht wirklich. „Mit uns“, sagt Johannes Schulte-Pelkum, „hat noch niemand Kontakt aufgenommen. Sollte jetzt auf einmal alles so schnell gehen, müssten wir doch mal langsam informiert werden.“ Aber niemand von den zuständigen Baubehörden habe sich in letzter Zeit bei den Schulte-Pelkums blicken lassen.

2012 stoppte der Bürgerentscheid mit dem Veto der Gladbecker zum Ausbau mit Tunnel die Pläne

Vor 30 Jahren, da sei das anders gewesen. „Fünf Leute aus Berlin sind hier aufgekreuzt. Die Bäume wurden markiert, alle Räume im Haus vermessen“, erinnert sich Ursula Schulte-Pelkum. Das ziemlich dreiste Vorgehen der Männer erzürnt sie heute noch. Es gab aber dennoch einmal eine Zeit, da war das Ehepaar durchaus verhandlungsbereit. Mit der Entschädigung für den Hof wollten sie an anderer Stelle ihres Grundstücks ein neues Haus für sich bauen. 2010 ungefähr sei das gewesen. Da habe man tatsächlich kurz vor der Unterschrift der Verträge gestanden. Doch dann kam der Bürgerentscheid mit dem Veto der Gladbecker gegen den Ausbau mit Tunnel – und alles lag auf einmal auf Eis. Einige Jahre später habe dann noch einmal jemand von der Baubehörde den Kontakt gesucht. Seitdem herrsche aber wieder Funkstille, bis heute.

Der Entschluss steht fest: Die Schulte-Pelkums werden ihren Hof nicht verlassen

Gewachsen ist in den Jahren der feste Wille der Ehepaares, den Jahrhunderte alten Familien-Stammsitz doch nicht aufzugeben.

„So oder so“, sagt Ursula Schulte-Pelkum, „ruiniert hat die Ungewissheit unser Leben allemal schon.“ Seit 30 Jahren habe man nicht mehr richtig in den Hof investiert. Der Schweinestall, der sei, als es die Landwirtschaft noch gab, einmal umgebaut worden. Doch im Wohnhaus habe man immer nur das dringend Notwendige angepackt. Um nicht mehr so viele Treppen steigen zu müssen, bewohnt das Ehepaar mittlerweile nur noch die untere Etage des über 200 Jahre alten Bauernhauses. Im ersten Geschoss lebt einer der beiden Söhne. Und genau so, da ist sich die Familie einig, soll es auch bleiben. Komme, was wolle.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben