Kommentar

16 Jahre Roland: Eine Ära mit Licht und Schatten

WAZ-Redakteur Georg Meinert kommentiert das Ausscheiden von Ulrich Roland aus dem Amt des Bürgermeisters nach 16 Jahren.

WAZ-Redakteur Georg Meinert kommentiert das Ausscheiden von Ulrich Roland aus dem Amt des Bürgermeisters nach 16 Jahren.

Foto: WAZ/WAZ

Gladbeck.  Drei Amtszeiten bestimmte Ulrich Roland als Bürgermeister die Geschicke der Stadt. Ein Kommentar.

Mit Übergabe der Amtsgeschäfte von Bürgermeister Ulrich Roland an seine Nachfolgerin Bettina Weist endet in Gladbeck an diesem Wochenende eine Ära: 16 Jahre führte Roland die Stadt, prägte in dieser Zeit wie kaum ein anderer die Entwicklung Gladbecks, dirigierte die Verwaltung und dominierte in weiten Teilen auch die Politik. Roland füllte das Amt mit Herzblut, mit Hingabe und Fleiß aus, aber auch mit Anspruch und Dominanz.

Die Bilanz seiner 16 Amtsjahre kann sich unterm Strich sehen lassen, die Stadt entwickelte sich unter Rolands Führung durchaus positiv weiter. Das ist aller Achtung wert, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Vorzeichen, vor allem die finanzieller Art, nicht immer die besten waren. Roland war stets auf der Suche nach Veränderungen, nach Lösungen, nach Optimierungen zum Wohle der Stadt. Er verlangte sich, aber auch seinem Umfeld, viel ab, manchmal vielleicht sogar etwas zu viel.

Roland hätte seit langem viel gelassener „regieren“ können

Gescheitert ist Roland allerdings bei zwei bedeutenden Themen seiner Amtszeit: beim dem bis heute strittigen Thema des Baus der A 52 und bei der Integration in der Vielvölkerstadt Gladbeck, die vor sich hin dümpelt. Hier zeigte er sich zuletzt sogar selbstkritisch, was nicht unbedingt sein Markenzeichen war.

Im Gegenteil: Vor allem die Opposition kritisierte oft genug seinen Politikstil, der wenig Raum für Gegenrede ließ und nicht selten das Klima im Rat verhagelte. Dabei hätte Roland, der Bürgernähe par excellence praktizierte und die Menschen im positiven Sinne vereinnahmen konnte, nach zwei traumhaften Wiederwahlen viel gelassener „regieren“ und auch Bedenken und Empfehlungen ernst nehmen können statt dünnhäutig zu reagieren.

Die politische Taktiererei ist eine politische Bürde für Bettina Weist

Roland konnte über weite Strecken so agieren, weil er eine stabile Mehrheit im Rat hinter sich wusste, die nur punktuell widersprach. Neben dem schwachen grünen Kooperationspartner war vor allem die von Michael Hübner straff geführte SPD-Fraktion der Garant der Ära Roland. Lange profitierten beide voneinander, bei den Wahlen aber wohl vor allem die SPD von der Popularität Rolands. Dass sich aber auch dort etwas aufgestaut hat, zeigt sich nach dem Abgang des Spitzenduos Roland und Hübner, der übrigens mit seinem Anspruch aufs Landratsamt offenbar aufs falsche Pferd gesetzt hat. Die neue SPD-Fraktion präsentiert sich nach dem Kampf um den Vorsitz und der Niederlage des Roland-Getreuen Jens Bennarend, der auf ein „Weiter-so“ setzte, nun tief gespalten. Sie wird sich erst finden müssen.

Das ist eine Bürde für Bettina Weist, die mit dem Scheitern der von ihr favorisierten Zusammenarbeit mit den Grünen unfreiwillig aufs politische Glatteis geriet. Sie wird viel Managementtalent und Fingerspitzengefühl benötigen, um sich als erste Bürgerin dieser Stadt in der ihr noch fremden politischen Taktiererei behaupten zu können. Das plötzliche Aus der auch von Weist befürworteten Annäherung von SPD und CDU, manch einer sah schon eine unausgesprochene GroKo aufziehen, beweist das nur zu allzu deutlich.

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