CSD & Übergriffe

Übergriffe beim CSD Gelsenkirchen: Vorwürfe gegen Polizei

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Die Regenbogenfahne ist ein Symbol für viele Bewegungen – vor allem aber für die LGBTQ-Community, also für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie für Menschen, die queer, transgender, asexuell oder agender sind. Mit den Farben des Regenbogens fordern sie Akzeptanz, Toleranz und Weltoffenheit ein. Beim Christopher Street Day am Samstag, 14. August, ist jetzt ein Gelsenkirchener Bezirkspolitiker nach eigenen Angaben von einem Unbekannten attackiert worden.

Die Regenbogenfahne ist ein Symbol für viele Bewegungen – vor allem aber für die LGBTQ-Community, also für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie für Menschen, die queer, transgender, asexuell oder agender sind. Mit den Farben des Regenbogens fordern sie Akzeptanz, Toleranz und Weltoffenheit ein. Beim Christopher Street Day am Samstag, 14. August, ist jetzt ein Gelsenkirchener Bezirkspolitiker nach eigenen Angaben von einem Unbekannten attackiert worden.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Gelsenkirchen-Altstadt.  Beim Christopher Street Day ist ein Gelsenkirchener Bezirkspolitiker nach eigenen Angaben von Unbekannten mehrfach attackiert worden.

Vor und nach dem CSD am vergangenen Samstag in Gelsenkirchen ist der Bezirksverordnete Niklas nach eigener Darstellung beleidigt, bespuckt und von einem unbekannten Angreifer körperlich angegriffen worden. Die grüne Europaabgeordnete Terry Reintke hat zwei dieser Angriffe miterlebt, berichtet sie auf Twitter. Niklas fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen. Der Vorwurf: Die Polizei hat seinem Anliegen „wenig Bedeutung beigemessen“.

Gelsenkirchener Bezirkspolitiker ist dank Helferin Faustschlägen knapp entgangen

Der Gelsenkirchener Lokalpolitiker und LGBT-Aktivist ist auch zwei Tage nach der Attacke noch völlig aufgebracht. „Ich habe seither kein Auge zugetan“, sagt der Erzieher. „Ohne die Hilfe der ‘Gebräu’-Mitarbeiterin wäre ich in der Notaufnahme gelandet.“ Seit seinem Outing im Alter von 16 Jahren habe er schon einiges an Herabwürdigungen erdulden müssen, so etwas aber noch nicht, so Niklas weiter.

Was ist passiert?

Niklas, in Begleitung von Terry Reintke, ist nach eigenen Angaben am Samstagabend nach dem CSD „Opfer einer Spuckattacke geworden“, als sie gemeinsam „ein Banner in die grüne Geschäftsstelle“ an der Ebertstraße zurückbringen wollten. Als „Fotzen“ sind sie von einem jungen Mann auf einem Rad bepöbelt worden. Auf dem Rückweg in die City sahen sie den Radler wieder und versuchten, so die Schilderung, ihn einzuholen. In Höhe des „Gebräu“-Ladenlokals an der Ahstraße „hat mich der junge Mann angegriffen“, so Niklas. „Er hat mich gepackt und wollte mich mit der Faust schlagen“. Dank einer Mitarbeiterin des Getränkeherstellers, sei nichts Schlimmeres passiert, er habe sich ins Haus flüchten können.

Erster queerfeindlicher Übergriff bereits am Busbahnhof Gelsenkirchen

Ein paar Stunden zuvor, berichtet der Erzieher weiter, seien er und eine Freundin im Rollstuhl, die er am frühen Nachmittag am Busbahnhof abgeholt habe, ebenfalls übelst beleidigt worden. „Schwuchtel, Krüppel, Behinderte – das waren noch die harmlosesten Worte, mit denen man uns bedacht hat“, erinnert sich Niklas. Dieser Übergriff soll sich um 14 Uhr ereignet haben, die Attacken am Abend zwischen 18 und 19.30 Uhr.

Was Niklas besonders entsetzt, ist, dass alle seine drei Notrufe bei der Polizei angeblich wenig Wirkung entfalteten, Hilfe ihm zufolge lange auf sich warten ließ: „Ich habe zu hören bekommen: Leider stehen keine Einsatzwagen zu Verfügung. Ich müsse eine gute halbe Stunde warten.“ Die Streifenwagen seien anderweitig im Stadtgebiet im Einsatz gewesen, so Niklas weiter. Wegen Schlägereien sei ihm gesagt worden.

Insbesondere bei seinem dritten Notruf sei er unfreundlich behandelt worden, weil er die Leitstelle daran erinnert habe, dass „man Unterstützung aus anderen Städten anfordern kann, wenn man selbst keine Kapazitäten mehr hat“, so der Gelsenkirchener Bezirkspolitiker. Er fragt sich daher, warum es so lange gedauert hat, bis Hilfe zur Stelle gewesen ist und ob seinem Anliegen „wenig Bedeutung beigemessen worden ist“.

EU-Politikerin fordert für künftige Veranstaltungen anderes Sicherheitskonzept

Für Terry Reintke ist daher klar: „Wenn ein CSD stattfindet, müssen die Teilnehmer*innen sich sicher fühlen können. Dafür braucht es ein Sicherheitskonzept, das nicht mit Polizeiwagen während der Demo endet. Queerfeindliche Drohungen und Übergriffe müssen von der Polizei ernstgenommen werden“, schreibt die Gelsenkirchener EU-Politikerin auf Twitter.

Polizei: Opfer hat keinen Kontakt zu Beamten vor Ort aufgenommen

„Die Vorfälle wurden Sonntag zur Anzeige gebracht und sind aktenkundig“, bestätigte Polizeisprecher Matthias Büscher den Einsatz. Er wies darauf hin, dass Beamte zu einem Raub oder Verkehrsunfall mit Verletzten mitunter sofort ausrückten, während Anrufer bei einer Beleidigung eventuell länger auf einen Streifenwagen warten müssten.

„Im konkreten Fall wollte der Geschädigte vor der Veranstaltung und auf dem Weg dorthin eine etwaige Wartezeit nicht in Kauf nehmen“, erklärte Büscher weiter. Darüber hinaus seien während des CSD uniformierte Beamte vor Ort gewesen, die als Ansprechpartner dienten. „Zu diesen nahm der Geschädigte aber keinen Kontakt auf“, sagte Büscher. Und Unterstützung von anderen Behörden würde nur angefordert, wenn eine Lage entstehe, die einen großen Bedarf an Kräften erfordere. „Dies lag hier nicht vor“, so Büscher abschließend.

Niklas hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Und einen offenen Brief an Oberbürgermeisterin Karin Welge und Polizeipräsidentin Britta Zur geschrieben.

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