Geschichte

Was heißt hier eigentlich Heimat?

Wahrzeichen vergangener Tage: Schacht 2 der Zeche Hugo.Für den Erhalt kämpft Klaus Herzmanatus, Vorsitzender des Fördervereins, mit seinen Kumpels.

Wahrzeichen vergangener Tage: Schacht 2 der Zeche Hugo.Für den Erhalt kämpft Klaus Herzmanatus, Vorsitzender des Fördervereins, mit seinen Kumpels.

Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Buer.   Grüße aus dem Makrokosmos Buer an ein neues Ministerium, das in Zukunft für Heimat zuständig sein soll

Heimat hat Konjunktur in den Ministerien der Republik. In Düsseldorf gehört es seit neustem zum Bauministerium von Ina Scharrenbach und im Bund soll sich Horst Seehofer demnächst im Innenministerium des Themas annehmen. Wir fragten Heimatforscher vor Ort: Was heißt das eigentlich?

Der Sinn fürs große Ganze blieb den meisten verborgen. Denn Heimat wird eher im Makrokosmos der Region angesiedelt. „Es ist etwas sehr emotionales“, sagt Gerd Escher, der Vorsitzende des Vereins für Orts- und Heimatkunde in Buer.

Freunde, Verwandte und der S04

„Es hat zu tun mit den Menschen vor Ort, mit den Kontakten, die man pflegt, mit Vertrauen“, ergänzt Hubert Kurowski. Und nennt als ersten Identifikationspunkt in Gelsenkirchen neben Freunden, Verwandten und Bekannten Schalke 04.

„Heimat im Ruhrgebiet ist anders als Heimat in Bayern“, sagt Kurowski. Escher erinnert in dem Zusammenhang an die unterschiedlichen Nationalitäten, die einst in den Pott kamen, um hier zu arbeiten und eine neue Heimat in der Fremde gefunden haben, die das „Stadtbild, die Natur, Sprache, Dialekt und Brauchtum gemeinsam auch durch ihre Unterschiede geschaffen haben“. Und natürlich ist dieses Geschaffene nicht statisch. Es unterliegt einem permanenten Wandel.

Angst vor dem Einheitsbrei

„In den 50er Jahren, als Gelsenkirchen sich als Stadt der tausend Feuer definierte, war Heimat anders als heute“, sagt Kurowski. „Leben ist durch die Vergangenheit geprägt“, sagt auch Escher. Man müsse die Geschichte mitnehmen.

Und vielleicht ist das ja auch der Ansatz für die Rückbesinnung auf den Begriff Heimat. „Die Globalisierung verdrängt die Vielfalt“, meint Escher. Die „Angst vor dem Einheitsbrei“ könne dazu geführt haben Heimatministerien zu etablieren. Natürlich sieht auch Escher den Reflex, dass hier auf Ängste aus dem rechten Spektrum reagiert wird. Ohne die Proteste gegen die Zuwanderung, ohne das Erstarken der AfD hätte es die Heimatministerien wahrscheinlich nicht gegeben, sagt auch Escher.

Dennoch sieht Escher, genau wie Klaus Herzmanatus, der Vorsitzende des Fördervereins der Zeche Hugo, auch eine Chance. „Ein Ministerium kann die Regionen in ihrer Vielfalt fördern“, glaubt Escher. „Das Ruhrgebiet befindet sich seit Jahren auf einem absteigenden Ast“, meint Klaus Herzmanatus. „Ich finde es gut, wenn in Zukunft ein Minister die Region fördert“. Selbst dem CSU-Mann Horst Seehofer aus dem tiefsten Bayern traut Herzmanatus einiges zu: „Dat is ein Bollerkopp, vielleicht passt dat richtig gut“.

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