Geschichte

Vier Stolpersteine erinnern an Familie Löwenstein

Urenkeltochter Ziva (4) schaut Künstler Günter Demnig bei der Stolperstein-Verlegung über die Schulter. Ihre Urgroßeltern Berta und David Löwenstein gelang 1941 die Flucht über Portugal in die USA.

Foto: Joachm Kleine-Büning

Urenkeltochter Ziva (4) schaut Künstler Günter Demnig bei der Stolperstein-Verlegung über die Schulter. Ihre Urgroßeltern Berta und David Löwenstein gelang 1941 die Flucht über Portugal in die USA. Foto: Joachm Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Buer.   Die jüdische Familie lebte im Haus an der heutigen Horster Straße 17. Sie wurde von den Nationalsozialisten vertrieben und flüchtete in die USA.

Der Bürgersteig an der Ecke Horster Straße/Maelostraße vor dem Charisma Haar-Studio ist ein denkbar unspektakulärer Ort für ein Familientreffen. Und doch sind Miriam Sue und ihr Ehemann Richard, ihre Töchter Rebecca und Leah, die Enkelinnen Ziva und Maya, ihre Cousins Mark und Michael sowie weitere Verwandte nach Buer gekommen, um zu sehen, wo einst Berta und David Löwenstein sowie deren Söhne Kurt und Werner lebten. Nur durch Flucht in allerletzter Minute gelang es den Eltern und zuvor auch den Brüdern, sich vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. An das Schicksal der jüdischen Familie erinnern seit Mittwoch Vormittag vier „Stolpersteine“, die von dem Künstler Gunter Demnig in das Pflaster geschlagen wurden.

In dem Haus an der Horster Straße 17, der früheren Essener Straße 12a, befand sich „Katzenstein & Co.“, ein Fachgeschäft für „Schwarz-Weiß-Wollwaren, Besatzartikel, Herren-, Kinderhüte und Damenputz“. Während die Eltern das Bekleidungsgeschäft führten, besuchten Kurt und Werner Löwenstein das damalige Hindenburg-Gymnasium an der Breddestraße.

Zerstörung, Enteignung und Vertreibung

Werner Löwenstein schloss 1934 sein Medizinstudium in Berlin ab und flüchtete 1937 in die USA, seinem Bruder Kurt gelang 1939 über England die Flucht in die USA. Erst spät entschieden die Eltern sich, ihren Kindern zu folgen. David Löwenstein hatte geglaubt, als Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg und als Träger des „Ehrenkreuzes für Kriegsteilnehmer“ werde ihm nichts geschehen. Nach der Zerstörung ihres Geschäftes, nach Enteignung und Vertreibung gingen die Eheleute am 28. März 1941 im Hafen von Lissabon an Bord des Dampfers „Excalibur“, der sie in die Vereinigten Staaten bringen sollte.

Für Werner Löwensteins Tochter Miriam Sue Löwenstein-Zimmerman ist es nicht der erste Besuch in Buer. In den 1980er Jahren war sie schon einmal hier, um das Haus zu sehen, in dem einst die Großeltern, der Vater und der Onkel wohnten. „Wir standen vor dem Haus, aber mein Vater wollte es nicht betreten“, erinnert sie sich. Vor gut zehn Jahren hatte sie von Gunter Demnigs Erinnerungsaktion erfahren und wollte auch ihre Familie dafür gewinnen.

Eine Feier des Lebens

„Aber viele konnten sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass diese Stolpersteine und damit die Erinnerungen an viele geflüchtete und ermordete Menschen buchstäblich mit Füßen getreten werden“, so Mariam Sue. Es bedurfte eines zweiten Anlaufs und zahlreicher Mails an Gunter Demnig und Andreas Jordan vom Gelsenzentrum, um den Rest der Familie zu überzeugen. Während Gunter Demnig sein Handwerkszeug wieder zusammenpackt, würdigt Mariam Sue den historischen Augenblick:

„Was wir heute feiern, ist eine Feier des Lebens vor und nach dem Nationalsozialismus.“ Deutschland spielt in der weit verzweigten Löwenstein-Familie eine wichtige Rolle. Viele Löwensteins haben ihre deutsche Staatsangehörigkeit wiedererlangt. Und Mariam-Sues Tochter Leah lebt mit ihrer Familie in München.

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