Schulprojekt

Sekundarschüler erwerben über die Kunst Zusatzqualifikation

13- bis 15-Jährige aus der Jahrgangsstufe 8 machen mit beim Großprojekt „Art Up – Qualifiziert durch Kunst und Kultur“ an der Sekundarschule Hassel in Gelsenkirchen.

13- bis 15-Jährige aus der Jahrgangsstufe 8 machen mit beim Großprojekt „Art Up – Qualifiziert durch Kunst und Kultur“ an der Sekundarschule Hassel in Gelsenkirchen.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Hassel.  Gruppe aus der Jahrgangsstufe 8 machen mit beim Großprojekt „Art Up“. Schauspiel, Tanz & Co. sollen die Persönlichkeit ganzheitlich entwickeln.

Es gibt jenseits der Noten für Mathe, Deutsch & Co. noch mehr in der Schule, für das sich das Lernen lohnt? Und Spaß macht’s obendrein noch? Skeptiker mögen zweifelnd den Kopf schütteln. Aber den Beweis des Gegenteils tritt die Sekundarschule Hassel an: mit dem Großprojekt „Art Up – Qualifiziert durch Kunst und Kultur“.

Spartenübergreifend lernen Sekundarschüler die Welt der Kunst kennen

Träger ist der Bauverein Falkenjugend. Für Geschäftsführer Stefan Kauker hat die Zusammenarbeit Tradition: „Wir haben schon an verschiedenen Stellen seit Jahren miteinander kooperiert.“ Der Didaktische Leiter Michael Krimpmann skizziert den Grundgedanken des Projektes: Stärken eines Kindes fördern, vielleicht ungeahnte Qualitäten wachkitzeln, andere Fähigkeiten, die nicht besonders ausgeprägt sein mögen und tendenziell im Unterricht kaum zutage treten, unterstützen. Diese Ziele haben sich die Beteiligten für das Projekt gesteckt. Und – wie es im Titel steckt – der Weg dorthin soll über kulturelle Bildung führen.

„Spartenübergreifend“, so Thorsten Brunow vom Theatergildenast, „lernen die Schüler: Schauspiel, Tanz, bildende Kunst.“ Experten ihres Fachs stehen den angehenden jungen Kulturkennern zur Seite. Sozialarbeiterin Anika Schmidt vom Dietrich-Bonhoeffer-Haus, dem Stadtteilzentrum Hassel, verrät den Teilnehmern der Jahrgangsstufe 8 zudem Techniken und Kniffe zu Blogwriting und führt in die Grundlagen der Fotografie ein. Diese Kenntnisse sollen später einmal einfließen in eine eigene Homepage zu dem Projekt, einen dokumentarischen Charakter soll sie haben.

Ob die allerersten Schritte auch schon berücksichtigt werden? Die 13- bis 15-Jährigen heben die Arme in fließenden Bewegungen, wenden die Köpfe, sinken schließlich in eine Art Schneidersitz, bleiben ruhig sitzen. Mucksmäuschenstill ist es bei dieser kleinen Vorführung. Von so viel Aufmerksamkeit kann so mancher Pädagoge sicherlich nur träumen.

Doch wer hier in dem Projekt mitmacht – oder besser gesagt: mitmachen darf –, tut es freiwillig, in seiner Freizeit. Andrea Zühlsdorf-Fiedler, Abteilungsleiterin der Stufen 8 bis 10: „Da wird den Schülern schon einiges abverlangt.“ Bewerben mussten sich die Mädchen und Jungen, zu vergeben waren 15 Plätze. „Der Bedarf war zwei- bis dreimal so hoch“, erzählt Krimpmann. Mirac Yildiz findet: „Tanz und Bewegung sind meine Stärke.“ Singen? – „Geht so!“, gibt die 13-Jährige zu. Doch was nicht ist, könne ja noch werden, meint Brunow aufmunternd. Und sieht bei der Schülerin eine weitere Stärke, die dieser wohl gar nicht bewusst ist: „Du hast eine Kommunikationsfähigkeit.“ Mirac rennt nicht gerade in Theater- und Tanzaufführungen. „Im Urlaub gehe ich ins Museum“, so die Sekundarschülerin. Das war’s. Bis jetzt.

„Die Erfahrungswelt unserer Schüler ist sehr begrenzt“

Denn in dem Großprojekt sollen die jungen Leute in eine andere Welt eintauchen, eben in die Welt der Kunst und Kultur, stellt sich Krimpmann vor. Und das nicht einfach, weil’s so schön ist. „Wir haben an unserer Schule einen großen Anteil von Kindern aus Migrantenfamilien, Hartz-IV-Familien, von Alleinerziehenden“, erläutert der Lehrer. In dieser Lebenssituation „ist die Erfahrungswelt unserer Schüler sehr begrenzt“.

Die Entfaltung der individuellen kreativen Potenziale, Kompetenzen und Fertigkeiten sei eine wichtige Voraussetzung, um im späteren Leben bestehen und handeln zu können. Das Projekt „Art Up – Qualifiziert durch Kunst und Kultur“ gebe die Chance, Fähigkeiten wie Teamgeist und Durchhaltevermögen auf- und auszubauen. „Und mehr Selbstbewusstsein zu erlangen“, ergänzt Andrea Zühlsdorf-Fiedler. Denn das Projekt hat durchaus auch einen praktischen Nutzen, sollen die Schüler am Ende doch ein Zertifikat in Händen halten. „Es ist das i-Tüpfelchen am neuralgischen Punkt am Übergang von der Schule in den Beruf.“ Soll heißen: Die Projektteilnehmer legen bei Bewerbungen nicht nur Zeugnisse vor, sondern können selbstbewusst mit zusätzlich erworbenen Kompetenzen punkten.

„Art Up“ soll sich im Stadtteil Hassel als fester Bestandteil etablieren

Eine Aufführung bildet den Abschluss des Projektes. „Alice im Wunderland“ ist geplant. In welcher Form ist noch offen, das müsse sich noch entwickeln, so Brunow. Einig ist er sich mit dem Team: „Art Up“ soll weiterlaufen, sich als identifikationsstiftender Bestandteil im Stadtteil etablieren.

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