Kunstkiosk

Kreativität dient Frauen als (Über-)Lebensmittel

Simone Wiechern hat sich für ihre kreativen Arbeiten von ihrer Zeit inspirieren lassen, als sie 17 Jahre bei den Beduinen auf dem Sinai lebte und arbeitete. Davon erzählt auch ihr Buch „Fliegende Teppiche“.

Simone Wiechern hat sich für ihre kreativen Arbeiten von ihrer Zeit inspirieren lassen, als sie 17 Jahre bei den Beduinen auf dem Sinai lebte und arbeitete. Davon erzählt auch ihr Buch „Fliegende Teppiche“.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Buer.   Kunstkiosk stellt Arbeiten von Simone Wiechern vor. Sie lebte bei den Beduinen auf dem Sinai. Gabi Erbe setzt auf die Kraft der Entschleunigung.

Kreativität als (Über-)Lebensmittel: Diese Strategie eint bei aller Unterschiedlichkeit die Hobby-Künstlerinnen Simone Wiechern und Gabi Erbe, deren Arbeiten ab Samstag, 19. Januar, im Kunstkiosk in Buer ausgestellt sind.

„Warme Gedanken auf kalten Strukturen“ lautet das Motto der Präsentation am Nordring. Titelgeberin ist dabei die Wahl-Gladbeckerin Wiechern – sie verarbeitet in ihrer Malerei Erfahrungen und Erlebnisse auf dem ägyptischen Sinai, wo sie 17 Jahre bei dBeduinen lebte und arbeitete.

Begeisterung für traumhafte Landschaften

Was sie als Studentin 1990, bei ihrer ersten Reise in den Sinai, so faszinierte – und danach nie wieder losließ –, das ist auch das Hauptthema vieler ihrer Bilder: die Begeisterung für traumhafte Landschaften am Roten Meer. Klar konturierte Sonnenuntergänge, Bergsilhouetten, die Weite der Wüste in zumeist kräftigen Ölfarben vermitteln einen Eindruck vom rauschhaften Sog der Natur und einer Einfachheit des Lebens, die die gelernte Bauzeichnerin auch sechs Jahre nach ihrer Rückkehr nach Deutschland noch vermisst.

„Auf dem Sinai erlebte ich eine große Freiheit im Alltag, in dem man sich immer wieder neu erfinden konnte. So habe ich nach meiner Übersiedlung 1994 für Touristen Kameltouren angeboten, mit meinem Mann, einem Araber, traditionelle Beduinendinner organisiert, Werbeschilder für Hotels und Tauchcenter gestaltet und künstlerisch gearbeitet. In Deutschland ist alles vorgegeben und bürokratisiert“, erklärt Simone Wiechers (49) den Ausstellungstitel „Warme Gedanken auf kalten Strukturen“.

Aus der Tiefe des Unbewussten

Er bezieht sich auf neuere, im Stil völlig andere Bilder: Vor schwarz-weiß gehaltenen geometrischen Formen dominieren farbige Kugeln oder ein bunt gestreiftes Zebra die Arbeiten, was eine fast dreidimensional wirkende Raumtiefe erzeugt.

„So visualisiere ich das Aufeinandertreffen meiner künstlerischen Tätigkeit mit dem normierten Alltag in Deutschland. Das Malen erdet mich. Ohne Malen kann ich nicht sein“, so die Mutter von fünf Jungen zwischen neun und 22 Jahren, mit denen sie 2011 nach Deutschland ausreiste. Von ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, hatte sie sich 2001 getrennt, jedoch war es ihr rechtlich erst zehn Jahre später möglich, alle ihre Kinder außer Landes zu bringen. Sie zog mit ihnen ins hessische Bad Sooden, seit 2018 lebt sie in Gladbeck, wo sie nachmittags Kinder betreut.

Unbewusstes aus der Tiefe

Kreativität zur Entschleunigung ist auch die Grundlage des künstlerischen Schaffens von Gabi Erbe (52) aus Dorsten. Die Entspannungspädagogin malt mit Methoden der Neurographik, 2014 begründet von Pavel Piskarev, bei dem sie auch Seminare belegte. „Bei dieser kreativen Transformation geht es darum, Unbewusstes aus der Tiefe zu holen“, um negative Gedanken in der bildhaften Darstellung loszulassen und Kraft für neue Impulse zu entwickeln. Konkret bringt die Mutter von zwei Mädchen im Alter von 15 und 19 Jahren neuronale Strukturen wie Nervenstränge etwa mit Finelinern, Textmarkern, Buntstiften oder Pastellkreide zu Papier, die von zellenähnlichen Elementen ergänzt oder überlagert werden.

In „Transformation“ visualisiert Gabi Erbe das Prinzip ihrer Coachingseminare für Gestresste, die – etwa von Krankheiten ausgebremst – ihren Alltag ändern müssten. Während in der linken Bildhälfte unruhig wirkende Linien in Schwarz-Weiß für Unübersichtlichkeit sorgen, scheint im rechten Teil ganz plötzlich eine farbig akzentuierte Herzhälfte auf, deren übriger Teil zwar existierte, im Chaos aber unterging. „Ziel der Methode ist es, Emotionen zu Tage zu fördern und am Ende Ruhe zu finden.“ Die 52-Jährige malt, seitdem sie 2006 die Teilnahme an einem künstlerischen Workshop geschenkt bekam. Seit gut zwei Jahren arbeitet sie mit der Methode der Neurographik.

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