Ferienfreizeit

Jugendliche lernen die Abwehr, nicht den Angriff

„Körper gerade, schöne Faust“: Trainer Sifu Amir weist seine Schüler bei den Aufwärm-Übungen im Jugendheim an der Driburger Straße ein.

„Körper gerade, schöne Faust“: Trainer Sifu Amir weist seine Schüler bei den Aufwärm-Übungen im Jugendheim an der Driburger Straße ein.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Scholven.   Im Jugendzentrum an der Driburger Straße üben Jugendlich Selbstverteidigung. Sie werden nicht nur stark, sie fördern ihr Selbstbewusstsein.

„Selbstverteidigung fängt nicht da an, wo man angegriffen wird. Es geht auch darum, eine solche Situation zu verhindern. Das ist viel Prävention“, erklärt Haiko Sihing, Wing Tsun-Lehrer aus der Bochumer „ADWT Kampfschule“. Die jungen Menschen, mit denen er hier im Jugendzentrum an der Driburger Straße arbeitet, sind zwölf, dreizehn Jahre alt. Erfahrungen mit Gewalt in ihrem Alltag haben die meisten schon gemacht, erzählen sie am Rande.

Für Einrichtungsleiterin Mehtap Aytekin war das der Grund, sich eine ganze Woche lang mit dem Thema zu beschäftigen – und eben jenen Kurs anzubieten. „Ich bekomme mit, dass Gewalt schon bei den Jugendlichen eine Rolle spielt. In der Schule soll es noch schlimmer sein. Deswegen fand ich es sinnvoll, das zu thematisieren.“ Dabei sei die Motivation der Jungs nicht immer bösartig: „Es ist auch ihre Art, sich zu behaupten.“

Den Körper gerade, die Faust schön

Hier und jetzt geht erst einmal das Training los. „Kampfstellung“, weist Lehrer Sifu Amir an. „Körper gerade, schöne Faust.“ Dann wirbeln die geballten Hände durch die Luft. Schnell zeigt sich, das ist eine koordinative Herausforderung. Spätestens, wenn die Tritte dazu kombiniert werden. Für die Jungs ist das genau das Richtige.

„Das ist so ein bisschen wie Kickboxen“, findet der 13-jährige Tim. Dabei verstehen er und seine Freunde, es geht um Abwehr, nicht um Angriff. „In gefährlichen Situationen sollten wir uns verteidigen können. Es geht nicht darum, draufzuhauen“, erklärt der zwölfjährige Robin. „Man versucht, dem Gegner so wenig wie möglich weh zu tun.“ Manchmal, sagt er, könne man sich ganz klein machen und aus einem Griff heraus winden. Manchmal aber eben auch nicht. „Dafür haben wir gelernt, einen gezielten Tritt zu machen, damit wir dann weglaufen können.“ – „Und wie man sich auch dann noch wehren kann, wenn man schon auf dem Boden liegt“, ergänzt der zwölfjährige Nevio.

Gewalt und Rangeleien an der Schule

Alle drei erzählen freimütig, mindestens einmal in ihrem Leben seien sie schon angegriffen worden, mit Gewalt konfrontiert gewesen. „An der Schule gibt es sehr oft Probleme, Rangeleien“, erzählt Robin. Für die einen sei das weniger ein Problem. Die wüssten sich zu wehren. Andere weniger. „Die schlaueren Jungs interessieren sich nicht so dafür und können sich oft nicht helfen“, sagt Nevio. „Hier lernen sie das.“ Einfach sei es dennoch nicht. „Man muss sich überwinden – die Angst, das ist nicht leicht. Ich wurde früher auch gehauen und geschubst. Nicht so schlimm wie andere. Aber ich musste lernen, mich zu überwinden um mich zu wehren.“

Robin ergänzt: „Wir lernen hier auch, wie man Schwächeren hilft.“ Die wichtigste Lektion: „Das fördert unser Selbstbewusstsein“, sagt Tim.

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