Denkmal in St. Urbanus

Ein Vorbild in Bronze

Essens Bischof Franz Josef Overbeck, hier mit Propst Wilhelm Zimmermann von St. Urbanus Buer (r.), segnete das Denkmal Kardinals Graf von Galen. Foto: Heinrich jung WAZFotoPool

Essens Bischof Franz Josef Overbeck, hier mit Propst Wilhelm Zimmermann von St. Urbanus Buer (r.), segnete das Denkmal Kardinals Graf von Galen. Foto: Heinrich jung WAZFotoPool

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Buer.  Sprechen kann sie natürlich nicht, die neue Bronze-Figur des Kardinal Graf von Galen, die gestern auf der Domplatte hinter dem Chorraum der St.-Urbanus-Kirche vorgestellt und gesegnet wurde. Und doch wünschten sich der Essener Bischof Franz Josef Overbeck und der Münsteraner Alt-Bischof Reinhard Lettmann genau dies: dass die Skulptur des Künstlers Egbert Verbeek auffordern möge zum Hinschauen und Einmischen - als Denkmal, das einen Dialog führt. Auch ohne große Worte.

Ganz auf solche verzichten mochten die Geistlichen bei der Feierstunde freilich nicht; galt es doch, mit der Segnung des Denkmals unter Schirmherrschaft der KKV Buronia (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) einen Mann zu würdigen, der in der NS-Zeit gegen die Rassenlehre und Tötung so genannten „unwerten Lebens“ gepredigt hatte.

Auch Buer hatte der Bischof von Münster, dem St. Urbanus damals unterstand, am 22. März 1936 einen Besuch abgestattet, betonte Propst Wilhelm Zimmermann in der hl. Messe. „Die damalige Predigt zählt zu seinen wichtigsten, denn er protestierte darin gegen die Einschränkungen des christlichen Lebens durch die Nazis. Indem er die Stimme erhob für die Kirche, ist er auch uns heute noch ein Vorbild. Religion ist keine Privatsache“, ermahnte Zimmermann die Gläubigen in den voll besetzten Kirchenbänken, wo auch Oberbürgermeister Frank Baranowski saß.

Dass sich die sieben Gemeinden der Propsteipfarrei für ein solches Denkmal ausgesprochen hätten, habe mehrere Gründe: „Wir möchten ein Zeichen setzen gegen das Vergessen der NS-Gräuel; schließlich verblassen wichtige Details, weil viele Zeitzeugen alt werden und sterben. Wir sehen das Denkmal auch als Ergänzung zur Gedenktafel des Seligen Nikolaus Groß auf der Südseite der Kirche, der ebenfalls seine Stimme gegen die NS-Diktatur erhob. Groß und Bischof von Galen sind uns eine Aufforderung, Gott mit in unsere Lebensgestaltung hineinzunehmen.“

Ähnlich argumentierte auch der Essener Bischof Overbeck: „Das Leben der Christen braucht Mut zum Zeugnis, ein unbedingtes Eintreten für die Rechte und Würde aller Menschen, auch derer, die behindert, arm und krank sind“, sagte er und ermunterte die Gläubigen, „im öffentlichen Leben und kleinen Alltag“ für die Meinungsfreiheit und den Glauben einzutreten.

Alt-Bischof Lettmann, Jahrgang 1933, war es schließlich, der dem Menschen hinter dem „Löwen von Münster“ Konturen gab: Er war seinem Amtsvorgänger 1938 als kleiner Junge in Datteln persönlich begegnet. „Der große Kerl musste sich ganz schön herunterbeugen, um mir die Hand zu geben“, erzählte er über den 2,03 m großen Kardinal Graf von Galen.

Als die Geistlichen schließlich im Sonnenschein aus der Kirche zogen, um das Denkmal zu segnen und zu beten, folgten ihnen rund 200 Gläubige, beobachtet von einer Handvoll Schaulustiger. (Nicht nur) für sie wird die Pfarrei bald eine Texttafel anbringen, die die wichtigsten Lebensstationen Kardinals von Galen skizziert. Nur auf die nonverbale Kommunikation mag sich Propstei dann doch nicht verlassen.

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