Geschäftsidee

Der Stoff, aus dem Träume sind

Monika Wienkötter hällt alle Fäden in der Hand.

Foto: WAZ FotoPool

Monika Wienkötter hällt alle Fäden in der Hand. Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer/Gladbeck.  Monika Wienkötter aus Buer betreibt in Gladbeck an der Voßstraße ein textiles Schlaraffenland für Hobby-Schneiderinnen und Stricklieseln. Männer sucht man dort eher wie die Nadel im Heuhaufen.

Baumwolle, Chiffon und Flanell; Leinen, Seide und Tweed – sie alle sind der Stoff, aus dem Träume sind. Träume von Menschen, für die Monika Wienkötters Geschäft an der Voßstraße wie ein textiles Schlaraffenland wirkt. 120 Quadratmeter reines Vergnügen für begeisterte Hobby-Schneiderinnen, Häkel-Fans und Stricklieseln. Für schier jeden Verwendungszweck kann die 47-jährige Geschäftsinhaberin ihrer Kundschaft das passende Material aus den Regalen ziehen.

Jeder Zentimeter ist genutzt. Wolle und Stoff, Schnittmuster, Pailletten, Reißverschlüsse, Knöpfe und Accessoires – sieben auf einen Streich. Ein Märchenland für kreative Köpfe. Tuchballen türmen sich bis zur Decke: getupft, beherzt und gestreift; mit Röschen und Pepita-Muster; Vichykaros und Sterne, Elche und Eulen, Weihnachtsmänner und Froschkönige. Manche Stoffe sind wie ein Bilderbuch, erzählen Geschichten. Wie die niedlichen Figuren, die sich auf Petrolblau im Labor tummeln: Elefanten, Krokodile, Waschbären und andere tierische Forscher hantieren mit Mikroskop, Reagenzgläschen und Pipette.

Alte Handwerkskunst vermitteln

Wienkötters Metier war und ist die Handarbeit. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Biographie der gebürtigen Bueranerin. „Mit sechs habe ich angefangen, Ballkleider für Barbies zu nähen, und in der Schulzeit habe ich jahrelang für Handarbeitsgeschäfte gestrickt“, erzählt die Inhaberin von „Moni’s Stoffparadies“. Nadel und Faden wurden ihr quasi in die Wiege gelegt: „Meine Großmutter war Schneiderin, meine Tante auch.“ Die „Singer-“Nähmaschine ihrer Oma steht heute sogar im Laden Wienkötters. Den eröffnete die gelernte Damenschneiderin im Handwerk am 11. September 2003.

Also ein relativ junges Geschäft; doch es verbreitet ein bisschen die Gemütlichkeit vergangener Zeiten, in denen die Zukunft des Schneiderberufs nicht am seidenen Faden hing. So sagt Wienkötter denn auch: „Es liegt mir am Herzen, eine alte Handwerkskunst zu vermitteln, die allmählich ausstirbt.“ Doch sie stellt fest: „Das Geschäft mit Kurzwaren kommt wieder. Es boomt, weil gerade junge Frauen etwas selber machen wollen.“

Zu den Könnerinnen gesellen sich regelmäßig Kundinnen, die von Wienkötter und ihren sechs Mitarbeiterinnen in Kursen lernen wollen und den Kontakt unter Gleichgesinnten schätzen. Die Damen plaudern aus dem Nähkästchen und arbeiten an ihren Kreationen. Männer sucht man hier eher wie die Nadel im Heuhaufen. Pi mal Daumen kommt bei der Chefin nicht in die Tüte. „Hier verlässt kein Stück den Laden ohne Endkontrolle“, sagt Wienkötter. Genügt eine Arbeit nicht ihren Ansprüchen, muss die Hobby-Schneiderin sich ihr Werk eben noch mal vorknöpfen. Manche Kursteilnehmerinnen kennen die Strenge des Profis: „In der Regel sehe ich alle wieder. Die meisten bleiben an der Nadel hängen.“

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