Zusammenschluss evangelischer Gemeinden

Auf Vereinigungskurs

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Geburtstag und Name sind noch völlig unklar, aber dass sie das Licht der Welt erblicken soll, ist beschlossene Sache: die zweite evangelische Großgemeinde im Norden Gelsenkirchens.

Die Presbyterien der Gemeinden Erle, Middelich und Resser Mark haben Ende 2007 beschlossen, sich zu vereinigen. Resse hingegen, eigentlich auch Teil des bereits jetzt bestehenden Kooperationsraums Nordost, will eigenständig bleiben.

„Wir erhoffen uns dadurch eine Verschlankung der Verwaltungsstrukturen und durch den gemeinsamen Auftritt in der Region eine stärkere evangelische Profilierung”, begründet Pfarrer Eckehard Biermann von der evangelischen Gemeinde Resser Mark (1700 Gläubige) den Weg, den die Gemeinden Buer, Scholven und Markus/Hassel bereits Pfingsten 2007 mit der Vereinigung zur Trinitatisgemeinde Buer beschritten haben. Letztere zählt rund 14 000 Gläubige, die noch geplante Gemeinde im Nordosten der Stadt wird etwa 12 000 Glieder umfassen.

Pfarrer Stefan Benecke von der Erler Gemeinde (8800 Gläubige) betont aber auch: „Ohne diesen Zusammenschluss gäbe es für die einzelnen Gemeinden große Einschnitte, es müssten Arbeitsbereiche wegfallen.” Die Zahl der Gemeindeglieder sei seit Jahren rückläufig („Wir beerdigen fast dreimal so viele Menschen wie wir taufen”), damit brächen auch die Kirchensteuereinnahmen weg, die ja pro Kopf zugewiesen werden.

Vor allem die Bereiche Jugendarbeit, Kirchenmusik und Kindergärten sind es, die die Presbyterien durch die Vereinigung mittel- und langfristig erhalten wissen wollen. „Wir möchten diese Angebote ohne Einschränkungen gewährleisten”, sagt Benecke. In Middelich gibt es einen evangelischen Kindergarten, in Erle drei, in der Resser Mark einen.

Die Schließung eines der drei Gotteshäuser ist nicht geplant. „Wir hoffen, dass wir darum herumkommen, aber niemand kann in die Zukunft blicken”, so Benecke. In Erle stehen die evangelische Dreifaltigkeits- und Thomaskirche, in Middelich die Matthäuskirche; die Gemeinde Resser Mark besitzt kein „eigenes” Gotteshaus mehr, sie nutzt mit den Katholiken deren Kirche als Ökumenisches Zentrum St. Ida.

Pfarrer Ernst-Martin Barth von der Middelicher Gemeinde (2400 Gläubige) legt derweil Wert darauf, „dass die Erreichbarkeit und Nähe zu den Menschen auch künftig gewährleistet sein muss.” Genau das glaubt die evangelische Gemeinde Resse (4300 Gläubige) nicht, die sich an den nun anstehenden Vorbereitungsgesprächen nicht beteiligen wird. Das Presbyterium hat eine Vereinigung mehrheitlich abgelehnt. „Wir fürchten, dass die Großgemeinde unüberschaubar wird. Wie man in der Wirtschaft sieht, sind Synergieeffekte nicht immer nur positiv”, erläutert Pfarrer Peter Schmidt das Votum.

Wie die Resser Gemeinde ihr Angebot in Zukunft finanzieren will? „Wir setzen weiterhin auf die Kooperation mit den anderen Gemeinden.” Eine Vereinigung sei nicht der einzige Weg. Schon jetzt arbeitet Resse mit Middelich zusammen: Sie teilen sich Gemeindesekretärin und Kirchenmusiker. Ab 1. April soll auch die Jugendarbeit entsprechend ausgerichtet werden: Der Jugenddiakon Andreas Bröcker wird ein Konzept entwickeln für Middelich, Erle, Resser Mark – und Resse. Barth aus Middelich: „Wir bleiben gesprächsbereit.”

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