Kultur

Zuschauer entscheiden per App über Goethes Egmont

Wie geht das Stück weiter? Das Klangkraft Orchester wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Foto: Stephan Eickershoff

Wie geht das Stück weiter? Das Klangkraft Orchester wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert. Foto: Stephan Eickershoff

Improvisationstheater „Schwanensees Rache“ verarbeitet die Ideen des Publikums spontan. Großer Beifall auch für das „Klangkraft“-Orchester.

Goethe im neuen Gewand: So hieß es am Wochenende bei „Egmont Interactive“ im Landschaftspark. Das Publikum entschied per App, wie die Geschichte weitergeht.

Was passiert als nächstes – Schlägerei, oder doch lieber Tränen? Die Zuschauer von „Egmont Interactive“ schauen auf ihr Smartphone, überlegen - und tippen nach und nach eine der Antworten auf ihrem Handy an. Manche lünkern auch neugierig auf das Gerät des Nachbarns. Mit rund 42 Prozent ist es eindeutig: das Publikum will Schläge und Fäuste auf der Bühne der fast ausverkauften Gebläsehalle im Landschaftspark Nord sehen.

Da hatten nämlich am Wochenende die Zuschauer das Sagen: Gemeinsam mit dem Duisburger Improvisationstheater „Schwanensees Rache“ brachte das knapp 60-köpfige Orchester „Klangkraft“ das Goethe-Drama „Egmont“ in ein neues Gewand: Per App durften die Zuschauer in Meiderich an bestimmten Stellen entscheiden, wie die Geschichte um den freiheitsliebenden Grafen Egmont weitergehen soll. „Wir erfinden so das Drama komplett neu“, macht Schauspielerin Madita Haustein zu Beginn klar. Mit der dazu passenden Schauspielmusik Beethovens, Wagners Walkürenritt oder dem „Gun Battle“ aus „Billy the Kid“ vertonte das Orchester dabei das Drama von 1788.

Neben Madita Haustein spielten Ralph Schmidt-Kamps, Franz Bleif und Marcus Matten. Mit spontanen Einfällen entschieden die Zuschauer auch, was die Figuren etwa für ein Hobby oder ein dunkles Geheimnis haben sollen. Ein Beispiel: „Zum Entspannen habe ich abends immer ein Kuscheltier bei mir“, stellt sich der Bösewicht Herzog von Alba am Anfang vor. „Welches ist das?“ Ein Zuschauer ruft laut „Einhorn“, das der Schauspieler daraufhin liebevoll „Violetta“ tauft. Die Bürgerliche Klärchen hingegen, so entscheidet das Publikum, verdient sich ihr Geld als Religionslehrerin.

Das Original spielt kaum eine Rolle

Im Original will der Protagonist Egmont das Volk von der harten Politk des Herzogs von Alba befreien. Es geht um Freiheit und unerfüllte Liebe. Am Samstagabend ist es völlig egal, welche Wendung die Geschichte nimmt: Die Schauspieler binden alle Vorgaben des Publikums kreativ ein. Es entspinnen sich witzige Wortwechsel.

Großen Beifall gab’s natürlich auch für das Orchester. Ein Höhepunkt hier: Der Auftritt des dreiköpfigen Electro-Pop-Acts „R.O.N“. Tosender Applaus.

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