Soziales

Rot und Gelb stehen auf dem Stundenplan der „Schule für Kranke“

Künstlerin Christel Klarhöfer vor der großen Collage, die die Schüler gemeinsam mit ihr gestaltet haben.

Künstlerin Christel Klarhöfer vor der großen Collage, die die Schüler gemeinsam mit ihr gestaltet haben.

Foto: Tanja Pickartz

Die Sonnenschule präsentiert ihr Projekt „Die positive Wirkung der Farben“ in einer kleinen Ausstellung und hofft, dass es eine Fortsetzung gibt.

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Im Grunde ist die Sache mit den Farben und ihrer Wirkung gar nicht so schwer. Die Sonnenschule, zum Beispiel, trägt das Gelb ja fast schon im Namen. Und sie klingt so doch viel besser, als wenn sie Schule der Dunkelheit heißen würde. Der fröhliche Unterton, der zwischen den Buchstaben mitschwingt, ist vor allem deshalb gut, weil das Haus an der Rheinhauser Krefelder Straße 311a den Beinamen „Schule für Kranke“ trägt. Hier werden Kinder und Jugendliche unterrichtet, die vorübergehend im Bertha Krankenhaus, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie betreut werden. Und die im vergangenen Schuljahr im Klassenzimmer eine besondere Erfahrung machen durften, die ganz viel mit Farben zu tun hatte.

Die Gegenspieler der Fröhlichkeit

Christel Klarhöfer schaut mit wachen Augen durch ihre rote Brille. Rot, sagt sie, gehört genau wie Gelb zu den starken Farben, die Kraft und Freude vermitteln können. Eine Eigenschaft, die die Künstlerin aus Friemersheim mit ihrem Pinsel besonders gerne großflächig und großzügig verteilt. Gelb und Rot kann man nie genug haben. Aber es gibt Momente im Leben, in denen sich so mancher an die bunte Seite der Welt erst wieder behutsam herantasten muss. Probleme wie Ess-Störungen, Aufmerksamkeitsschwierigkeiten oder Anderes, was auf der Seele lastet, können ein hartnäckiger Gegenspieler der Fröhlichkeit sein.

„Die positive Wirkung der Farben“ heißt das Projekt der Sonnenschule, das seelisch beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen helfen kann, den Grauschleier vor ihren Augen zu lüften. Mit finanzieller Unterstützung des Landesprogramms NRW „Kultur und Schule“ hatten die Rheinhauser die Möglichkeit, ein Jahr lang der Kunst auf dem Stundenplan einen festen Platz einzuräumen. Jeden Dienstag von 8.15 bis 9.45 Uhr konnten sich die jungen Patienten in einer kleinen Gruppe von der Künstlerin zur eigenen Kreativität inspirieren lassen. Christel Klarhöfer, die sich mit Themen wie „emotionale Kunstgestaltung“ und „Stressabbau durch Farben“ auskennt, hat mit den Schülern eine auch für sie sehr bereichernde Zeit verbracht. „Ich habe mich jede Woche auf den Dienstag gefreut“, sagte sie jetzt bei der Präsentation der Kunstwerke in einer kleinen Abschluss-Ausstellung.

Sinnbildlich für das, was die Arbeit mit den Farben ausgemacht hat, stehen die beiden großformatigen Collagen, an denen viele kleine und größere Hände gemeinsam gearbeitet haben. Während das zeitlich zuerst entstandene Bild im Erdgeschoss noch einen recht dunklen Unterton hatte, blüht die Leinwand eine Etage höher förmlich auf. Lenny, sieben Jahre alt, zeigt seiner Mutter das fröhliche Bild einer Meereslandschaft, das er mitgestaltet hat. „Das ist meiner“, sagt der Junge und tippt auf den Fisch, der im blauen Acryl schwimmt.

Spannende Veränderungen

„Ich konnte spannende Veränderungen bei den Schülern beobachten“, lässt Künstlerin Klarhöfer ihre Arbeit Revue passieren. Ein festes Unterrichtskonzept gab es nicht. Erstens, weil die Patienten immer nur für einen kurzen Zeitraum da sind. Und zweitens, weil Christel Klarhöfer ihnen den Freiraum lassen wollte, sich im eigenen Tempo zu entwickeln. Wer keine Lust hatte, durfte einfach nur zuschauen – und griff dann doch nach einer Weile meist zum Pinsel.

Und der wanderte mit fortschreitender Zeit fast schon automatisch aus den dunklen in die helleren Farbtöpfe. Insgesamt 70 Kinder und Jugendliche haben im Laufe des Jahres in Kleingruppen am Farbprojekt teilgenommen. So wie Lenny, der seinen Fisch für die Meerescollage ganz alleine gestaltet hat. Das Tier hat eine leuchtend rote Schwanzflosse. Als einige Besucher das Bild bei der Ausstellung lobend begutachten, breitet sich ein stolzes Lächeln auf dem Gesicht des Siebenjährigen aus. Das muss sie sein, die positive Wirkung der Farben.

>>> KLEINE AUSSTELLUNG

Bis zu den Sommerferien bleiben die Werke noch im Schulflur hängen. Wer mag, kann sich die kleine Ausstellung an der Krefelder Straße 311a anschauen. Ob das Angebot auch im kommenden Jahr wieder auf dem Stundenplan steht, hängt jetzt von den Mitarbeitern des Schulministeriums ab. Die Rheinhauser haben sich mit ihrem Projekt „Die positive Wirkung der Farben“ jedenfalls erneut beworben

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