Festival

Rage against Racism-Festival wäre fast ins Wasser gefallen

Was für eine beeindruckende Kulisse! So schön friedlich feierten Tausende am Wochenende beim Rage against Racism-Festival an der Friemersheimer Mühle.

Was für eine beeindruckende Kulisse! So schön friedlich feierten Tausende am Wochenende beim Rage against Racism-Festival an der Friemersheimer Mühle.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Friemersheim.   Zum Glück hat es nach dem großen Regen doch noch geklappt Fleißige Helfer legten die Elektrik trocken und Tausende rockten an der Mühle.

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Sie wollten schon rufen: „Petrus, wir wissen, wo dein Auto steht!“ Die freiwilligen Helfer, die am Freitagmorgen bei strömendem Regen das Wasser vor der Bühne des Rage against Racism-Festival weg schippten. „Ein ganzes Jahr Arbeit wäre umsonst gewesen, die Absage des Festivals stand kurz vor knapp. Ich hätte heulen können“, sagt Sarah vom Orga-Team. Doch der TÜV und Beauftragte von der Stadt nahmen zu guter letzt die Elektrik ab. „Die Kabel zum Mischpult standen knietief unter Wasser, doch am Ende haben wir die Freigabe bekommen.“

Danach allerdings war Petrus dem 15. Rage against Racism- Festival an der Friemersheimer Mühle wohl gesonnen. So konnten Night In Gales aus Dinslaken ein schweißtreibendes Konzert am Abend abliefern und spielten viele Songs ihres neuen Albums „The Last Sunsets“. Sänger und Gründungsmitglied Christian Müller ist nach fast 20-jähriger Abwesenheit zurück am Mikrofon. „Ich freue mich, wieder dabei sein zu dürfen, die Band ist für mich eine Herzensangelegenheit, die man nur mit vollem Einsatz betreiben kann“, sagt der 40-Jährige.

Die Sache mit den Hexen

Die Fans vor der Bühne merken sofort, mit welcher Intensität er seine Gesänge wie von Urgewalten getrieben ins Mikrofon schreit. Daneben stehen die beiden Gitarristen Jens und Frank Basten, die mal ultraharte, treibende Riffs mit ihren Klampfen erzeugen, genauso wie sie in elegische Soli abdriften können mit feinen Harmonien. Melodic Death Metal prasselt statt Regen auf die kopfschüttelnden Fans nieder – mit Titeln wie „Architects of Tyranny“ oder „The Abyss“.

Die Frauen-Band Burning Witches aus der Schweiz sind für die männlichen Fans ein Hingucker, in knappen Lederoutfits sind ihre vielen Tattoos sichtbar. Das Ganze wirkt wie Girlschool 2.0, jedoch metal-lastiger. „Wir haben keinen direkten Song gegen Rassismus – aber dieser Wahnsinn hat im Mittelalter mit den Hexenverfolgungen angefangen“, schreit Sängerin Seraina und die Mädels pfeffern den Titel-Song „Burning Witches“ wie Spray ins Publikum.

Danach gibt es ein tolles „Holy Diver“-Cover der Band DIO und die textsicheren Old-School-Metal-Fans grölen eifrig mit.

Neben der Bühne steht „Schmier“, der legendäre Bassist und Sänger der badischen Thrash-Metal-Kult-Band Destruction und sagt: „Ich betreue die Mädels auf ihrer Deutschlandtournee.“

Den Samstag bringt die Band „Ignition“ aus dem Ruhrpott in Fahrt. Fast als lyrischer Tenor erweist sich Sänger Dennis Marschallik, als er die Songs vom neuen Album „Guided by the waves“ mal härter, mal feinfühliger singt. Doch dann folgt vielleicht das spannendste Konzert des Festivals: Die Jungs von Tyler Leads verlegen mal kurz ihr Fitness-Studio auf die Bühne und liefern einen intensiven, schweißtreibenden Ganzkörperauftritt ab. Das ist Mucki-Bude pur, was der 24-jährige Sänger Freddy da abzieht, am Schluss noch auf die Becken seines Schlagzeugers trommelt bei den blueslastigen Hard-Rock-Songs. Reminiszenzen an die legendären Hawkwind, allein schon wegen der beseelten Läufe ihres Bassisten Julius, kommen auf. Jedenfalls, das Publikum ist außer Rand und Band, als die junge Combo aus Recklinghausen ihr Set mit den Titeln „Electric Wasteland“ und „Burning Smoke“ beendet.

Auch der Veranstalter des Neukirchener Dong-Festival, Sebastian Arnold, ist begeistert. „Wir betreiben einen intensiven Austausch mit dem Rage-Festival, gerade junge Bands im Mittagsprogramm sind für uns interessant.“ So werden Tyler Leads in Kürze auch auf dem Dong-Festival zu sehen sein.

Zum Schluss beschwört die Band „Rotting Christ“ aus Athen noch das Tier aus der Offenbarung des Johannes herauf. Mit apokalyptischen Formeln, wahrscheinlich in Altgriechisch gesprochen, hypnotisieren sie die Menge, die sich wie in Trance zum monochromen Riff-lastigen Death Metal bewegt.

>>> LIVE-ÜBERTRAGUNG IM INTERNET

Zur besten Zeit am Samstag waren mehr als 3500 Besucher da. Neben den genannten Bands spielten Call of Charon, Kambrium, Storm Seeker, Pyogenesis, Xandria, God dethroned, Decaptacon, Darkness, Contra und das Musikcorps Hohenbudberg.

Die besten Auftritte waren von Night In Gales und God Dethroned am Freitag, am Samstag von Tyler Leads und Rotting Christ. Die Metal-Heads berichteten als Medienpartner die ganze Zeit über live im Internet. Mehr Information: www.metal-heads.de.

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