Schule

In Rheinhausen gab es Unterricht wie zu Kaisers Zeiten

Felix Schmitz zeigt der Klasse 4 der Grundschule Marktstraße im historischen Lehrerhaus, wie der Untericht zu Kaisers Zeiten funktionierte. Hier zeigt er einen alten Tornister.

Felix Schmitz zeigt der Klasse 4 der Grundschule Marktstraße im historischen Lehrerhaus, wie der Untericht zu Kaisers Zeiten funktionierte. Hier zeigt er einen alten Tornister.

Foto: Udo Milbret

Duisburg-Rheinhausen.   Felix Schmitz demonstrierte der 4b der Friemersheimer Marktschule, wie Unterricht im Kaiserreich ablief. Eine etwas andere Geschichtsstunde.

Den Erziehungsauftrag haben die Eltern. Doch im deutschen Kaiserreich, vor 145 bis 100 Jahren also, war das noch anders: Damals teilten sich Mütter, Väter und Lehrer noch die Erziehung der Kinder. In Zeiten von Kaiser Wilhelm I. und II. ging es in der Schule viel strenger zu, wurde Wert auf preußische Disziplin gelegt. Oberstes pädagogisches Ziel war es damals, gehorsame Untertanen, brave Bürger, heranzuziehen. Im Friemersheimer Lehrerhaus vermittelte der ehemalige Lehrer Felix Schmitz jetzt 20 Schülern der Klasse 4b an der Marktschule und Lehrerin Renate Jung anschaulich, wie der Alltag in deutschen Klassenzimmern aussah...

Immer laut und deutlich sprechen

Anschaulich, lebendig und authentisch wurde die Doppelstunde nicht nur deshalb, weil Schmitz, Schulrektor der Grundschule in Mündelheim a. D., vom Fach ist, sondern weil der 79-Jährige die 13 Jungen und sieben Mädchen typische Unterrichtszenen aus der Kaiserzeit nachspielen ließ. Typisch war etwa, dass alle Schüler aufstanden und den Lehrer respektvoll begrüßten: „Guten Morgen, Herr Lehrer!“

Typisch war auch, dass sich die Schüler dann wieder an ihre engen, hölzernen Schulbänken setzten und beide Hände auf ihre Pulte legen mussten. Genauso typisch war es, dass die Jungen und Mädchen immer aufstehen und zur Seite treten mussten, wenn der Lehrer gerade wieder eine seiner vielen Fragen stellte. „Man musste laut und deutlich sprechen!“ Klar, sonst durfte natürlich nicht geredet werden, darauf achtete der „Pauker“ mit strenger Miene.

Mädchen mussten Röcke oder Kleider tragen

Für diese besondere Schulstunde der etwas anderen Art bot der Klassenraum im Lehrerhaus im alten Dorf Friemersheim mit seinen harten Schulbänken, alten Karten und der großen Schiefertafel die ideale Kulisse. Natürlich mussten die Kinder damals stets sauber und adrett zur Schule gehen, fuhr Schmitz fort: „Früher trug kein Kind eine lange Hose. Die jungen trugen kurze Hosen, Söckchen oder Kniestrümpfe, die Mädchen durften nie eine Hose tragen, sie mussten immer ein Kleid anhaben oder Rock und Bluse.“

Übrigens: Die Jungen hießen vor 100 Jahren Otto, Karl, Josef, Fritz oder Wilhelm, die Mädchen Marie, Anna, Gertrud, Martha oder Wilhelmine.

Acht feste Schläge auf den Po

Felix Schmitz, ein erfahrener Pädagoge, ging auch auf die oft harten Strafen ein, die die Lehrer des Kaiserreichs verhängten, mit denen sie Ordnung, Pünktlichkeit, Respekt und Disziplin erzwangen. „Wenn ein Junge jemanden auf dem Schulhof verprügelt hatte, bekam er sechs bis acht feste Schläge mit dem Rohrstock auf den Po, oder es setzte Backpfeifen. Manche Lehrer schlugen so hart, dass sich die Kinder den ganzen Tag nicht mehr bewegen konnten.“ Doch Schmitz beruhigte die Kinder schnell: „Vor 50 Jahren verbot die Regierung Prügelstrafe und Strafarbeiten.“

Die Sütterlinschrift wurde von den Nazis verboten

„Oberlehrer“ Schmitz zeigte den Kindern auch das Schreiben mit Kreide auf Schiefertafeln mit Lappen, der großen für die ganze Klasse, die kleinen für jeden Schüler. Er erklärte seinen kleinen Zuhörern geduldig die Sütterlinschrift, bis zum Verbot durch die Nazis 1941 gang und gäbe, oder das „blitzsaubere“ Schreiben mit dem Federhalter, dem Vorgänger des Füllers. Das übten die Kinder, schrieben mit Tinte und Schreibfeder im Halter ihre Namen auf Papier.

Schließlich erzählte Schmitz, dass es vor 100 Jahren noch viele Dorfschulen, oft nur mit einem Lehrer und nur ein oder zwei Klassen gab, dafür aber kaum Turnhallen. Daher bewegten sich die Kinder bei gutem Wetter oft draußen, begleitet von Sprüchen wie „Turnen ist die beste Medizin...“. Bei schlechtem Wetter wurde drinnen gespielt.

Anekdoten und Geschichte(n)

Ein Rundgang durch das Lehrerhaus mit seinen Exponaten aus der Kaiserzeit beendete die Schulstunde für die Mädchen und Jungen der Friemersheimer Marktschule. Dabei gaben Felix Schmidt und Günter Pfeiffer vom Freundeskreis Lebendige Grafschaft noch mal viele Anekdoten, Geschichten und Geschichtchen zum Besten.

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