Thyssenkrupp Steel

Vor Fusion mit Tata: TKS-Betriebsrat sieht noch Baustellen

Ende Juni soll das Joint Venture mit Tata Steel unterzeichnet sein. Der Betriebsrat von Thyssenkrupp Steel Europe mahnt den Vorstand an, lieber auf Sorgfalt statt auf Schnelligkeit zu setzen.

Ende Juni soll das Joint Venture mit Tata Steel unterzeichnet sein. Der Betriebsrat von Thyssenkrupp Steel Europe mahnt den Vorstand an, lieber auf Sorgfalt statt auf Schnelligkeit zu setzen.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Ende Juni soll die Fusion Thyssenkrupps mit dem Stahlunternehmen Tata stehen. Bis dahin habe der Vorstand aber noch einiges zu tun.

Zum aktuellen Stand zum Joint Venture mit Tata Steel gibt es laut des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von Thyssenkrupp Steel Europe, Tekin Nasikkol, keine Neuigkeiten. „Der Konzernvorstand ist verschlossen wie eine Auster“, sagte er am Donnerstag nach Betriebsversammlungen. Es sei für alle Beschäftigten unbefriedigend, wenn „der eigene Vorstand sich nicht zur Lage äußern darf“.

Nasikkol mahnte im selben Atemzug den Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger, lieber auf Sorgfalt statt auf Schnelligkeit zu setzen. Eigentlich sollte der Fusionsvertrag Ende Juni unterzeichnet werden. Der gesamte Betriebsrat sei aber bereit, länger auf ein Angebot zu warten, wenn „was Gutes am Ende herauskommt“, erläuterte Nasikkol und fügte hinzu: „Wir benötigen kein Angebot fünf Minuten vor Toresschluss“.

Betriebsversammlung am Donnerstag

Allerdings konnte der Betriebsrat rund 3500 Beschäftigte, die an der Betriebsversammlung am Donnerstag teilnahmen, darüber informieren, dass schon ein Teil der geforderten Gutachten vorliege und bereits analysiert wurde.

In den vergangenen Wochen wurde eine Wertlücke von rund 500 bis 600 Millionen im Joint Venture mit Tata bekannt. Grund dafür war die gesunkene Ertragskraft des anderen Stahlunternehmens. „Thyssenkrupp steht besser als Tata da. Der Vorstand hat bestätigt, dass es eine Wertlücke gibt. Und diese muss geschlossen werden“, bekräftigt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Die Überlegung, dass Thyssenkrupp weitere Schulden mit ins gemeinschaftliche Unternehmen mitnehmen könnte, würde man kategorisch ablehnen. „Noch mehr Schulden als Mitgift werden wir nicht akzeptieren“. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Joint Ventures sei erst zu 50 bis 60 Prozent gelöst.

Das heikle Thema mit den Azubis

Eine weitere klare Forderung in Richtung des Vorstands ist die Übernahme von allen Auszubildenden – und zwar unbefristet. Für den Jahrgang 2014 ist bislang vorgesehen, dass nur 100 der 300 Azubis unbefristet übernommen werden sollen. Nasikkol: „Die Vergangenheit zeigt, dass wir ohne den Nachwuchs nicht klargekommen wären.“ Die Arbeitnehmervertreter seien gewillt, bis spätabends zu verhandeln. „Die Arbeitsdirektorin (Sabine Maaßen, Anm. d. Red.) hat angekündigt, dass man eine gemeinsame Lösung erreichen möchte. Darauf bauen wir“, so der 50-Jährige.

Kopfschmerzen bereitete ihm zudem noch die Lage beim walisischen Werk Port Talbot, das im Gegensatz zu den niederländischen und deutschen Niederlassungen in Leistung und Wert klar abfalle. „Wir haben jedoch die Bestätigung erhalten, dass Thyssenkrupp sich nicht an Pensionslasten in Höhe von 15 Milliarden Pfund beteiligen muss“, erklärte er.

>> SCHARFE KRITIK AN INVESTOREN

Wie „ungeladene Gäste auf einer Party“ bezeichnete der Betriebsratsvorsitzende, Tekin Nasikkol, Finanzinvestoren wie Cevian oder Elliot.

„Die sehen nur das schnelle Geld. Das Wohl der Belegschaft haben sie nicht im Sinn“, so Nasikkol. Deren Ziel sei es, den Konzern zu zerschlagen. „Das verurteilen wir aufs Schärfste“, so der Betriebsratsvorsitzende gestern.

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