Pogromnacht

Vor 80 Jahren brannten Duisburger Synagogen

Michael Rubinstein sprach im Ratssaal bei der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht 1938, als auch in Duisburg Synagogen von Nazi-Horden in Brand gesetzt wurden.

Michael Rubinstein sprach im Ratssaal bei der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht 1938, als auch in Duisburg Synagogen von Nazi-Horden in Brand gesetzt wurden.

Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg.  Im Duisburger Rathaus wurde der Pogromnacht von 1938 gedacht, als Synagogen brannten und Juden misshandelt wurden.

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Die Duisburger Synagoge an der Junkernstraße stand in hellen Flammen, Rabbiner Manass Neumark wurde von den Nazi-Horden aus seiner Wohnung im Wasserviertel gezerrt und in „Schutzhaft“ genommen. Auch in Ruhrort und Hamborn brannten vor 80 Jahren die Synagogen. In der gesamten Stadt wurden Wohnungen jüdischer Bürger verwüstet, Juden misshandelt. Am Donnerstagabend wurde im Ratsaal an die Pogromnacht 1938 erinnert und der Opfer von Verfolgung und Mord gedacht.

Männer, Frauen und Kinder sind vor 80 Jahren von den Nazis misshandelt und im Nachthemd ins Freie gejagt worden. Möbel wurden zertrümmert, Wohnungen demoliert – und viele andere Bürger sahen zu oder schauten weg.

Oberbürgermeister sieht „bleibende Aufgabe“

Seit vielen Jahren wird im Ratssaal an diese Pogromnacht erinnert. „Unfassbares“ sei damals passiert, sagte Oberbürgermeister Sören Link, Duisburger Juden seien gedemütigt, ausgeplündert, misshandelt worden. „Wie können wir verhindern, dass sich dieser Hass auf andere erneut entlädt?“, fragte Link und macht deutlich, dass friedliches Zusammenleben nicht selbstverständlich sei. Erinnerung sei eine „bleibende Aufgabe“ in Deutschland und auch die nachwachsenden Generationen müssten sich immer wieder mit der Vergangenheit auseinandersetzen.

Hauptredner der Gedenkveranstaltung, zu der Stadt, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Deutsch-Israelische Gesellschaft eingeladen hatten, war Michael Rubinstein, Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und in Duisburg bekannt als früherer Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg, Mülheim, Oberhausen und OB-Kandidat bei der Wahl 2012. „Ich bin Deutscher“, sagte er ganz entschieden, und verwies auf jüdisches Leben in Deutschland, dass auch durch die Zuwanderung aus den Ländern der früheren Sowjetunion derzeit „vielfältig, vital und in der Fläche verbreitet“ sei. Habe es 1990 noch 29.000 Mitglieder von jüdischen Gemeinden in Deutschland gegeben, so seien es 2006 schon 108.00 gewesen und aktuell noch knapp 100.000.

Gastredner Michael Rubinstein ist in Duisburg bekannt

Es gebe über 130 Gemeinden, die kleinsten mit weniger als 100 Mitgliedern, größere mit knapp 10.000, von liberal bis orthodox. Es gebe jüdische Kindertagesstätten, Schulen, aktive Jugendarbeit , spezielle Studiengänge, soziale Einrichtungen und auch die Ausbildung von Rabbinern in Deutschland. Die Gemeinden hätten ein steigendes Investitionsbedürfnis in Synagogen und in Friedhöfe.

Aber jüdische Einrichtungen müssten geschützt werden. Sicherheit spiele eine „fundamentale Rolle“ für die Juden in Deutschland, die sich sicher fühlten oder immer öfter „noch“ sicher fühlten. Antisemitismus, so Rubinstein, beschränke sich nicht auf Neo-Nazis und Flüchtlinge, sondern sei ein „Phänomen der Mehrheitsgesellschaft“. Schmierereien, Beleidigungen und tätliche Angriffe nähmen zu. Oft trete Antisemitismus unter dem „Deckmantel“ der Israel-Kritik auf. Rubinstein rief auf zum Dialog und Trialog von Christen, Juden und Moslems und zitierte Ex-Kanzler Gerhard Schröder: „Wegschauen ist nicht mehr erlaubt.“

Gedenktafel erinnert an jüdisches Leben 

Die Altstadt ist ein geschichtsträchtiger Ort. Dort, wo heute das Stadtfenster mit Volkshochschule und Zentralbibliothek, steht, lagen so genannte „Schtibl“, in denen Juden beteten und arbeiteten. Viele stammten aus Osteuropa. „Mir war es ein Anliegen, daran zu erinnern“, erklärt Dr. Ludger Heid, auf dessen Initiative nun eine Gedenktafel mit einem gebrochenen Davidstern angebracht ist. „Wir dürfen nicht nachlassen, zu erinnern“, betont auch Dezernent Thomas Krützberg.

Der Ort sei gut gewählt. „Viele Passanten bleiben stehen und informieren sich an der Schautafel, welche Veranstaltungen stattfinden“, erklärt Volker Heckner, kommissarischer Leiter der Volkshochschule. Von außen ist die Gedenktafel gut zu sehen. Damit dies auch nachts so bleibt, soll noch ein Licht angebracht werden. „An dieser Stelle wurde 1826 die erste Synagoge der Stadt Duisburg eingeweiht“, ist auf der Tafel zu lesen. Und weiter: „Ab 1933 wurden Juden auch in Duisburg entrechtet, aus Deutschland verschleppt und in Vernichtungslager ermordet. Nur wenige konnten dem Holocaust durch Flucht entkommen.“

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