Klavier-Festival Ruhr

„Verpasste Gelegenheiten“ wurde in Duisburg uraufgeführt

Pianistin Hanni Liang spielt im Lehmbruck-Trakt die Uraufführung von Manfred Trojahns Melodram „Verpasste Gelegenheiten“.

Foto: Stephan Eickershoff

Pianistin Hanni Liang spielt im Lehmbruck-Trakt die Uraufführung von Manfred Trojahns Melodram „Verpasste Gelegenheiten“. Foto: Stephan Eickershoff

Die Auftragskomposition „Verpasste Gelegenheiten“ des Klavier-Festivals Ruhrwurde im Lehmbruck-Museum uraufgeführt.

Das Melodram ist mit einigen Ausnahmen fast ganz von den Bühnen verschwunden. Die Verbindung von Musik und gesprochenem Text ringt seit jeher mit der Frage, wie die beiden Elemente zu gewichten und einzusetzen sind – gleichwertig, abwechselnd, das eine das andere unterstützend. Am Sonntag unternahmen die Pianistin Hanni Liang, Autor Michael Krüger und Komponist Manfred Trojahn beim Klavier-Festival Ruhr einen gemeinsamen Versuch, dem Genre Melodram mit einer Weltpremiere einen frischen Anstrich zu verpassen. „Verpasste Gelegenheiten“ begeisterte die Besucher im Lehmbruck-Museum.

Kontraste jeder Art

Zur Einstimmung spielte die hervorragende Pianistin Hanni Liang aber zunächst zwei ältere Werke des Düsseldorfer Komponisten Trojahn, zuerst „Le silence habité des maisons“. Einzuordnen im Dunstkreis der neuen Musik, überzeugten die Komposition und die Pianistin mit einer hohen atmosphärischen Dichte, getragen von Kontrasten, vielen perkussiven Blockakkorden und dem Spielen mit Erwartungshaltungen, die stets durch den exzessiven Gebrauch von Dissonanzen enttäuscht wurden, der das tonale Zentrum schon früh über Bord warf. Die Musik spielt vor allem mit Kontrasten jeder Art, dynamisch, in den sehr freien Tempi oder in der Dichte der Noten. Mit der Komposition, die eher als Klangerlebnis als als klassische „Hörmusik“ funktioniert, harmonierte auch die Kulisse hervorragend. Im architektonisch einmaligen Lichthof, der mit riesigen Fenstern die Grenzen zwischen „Drinnen“ und „Draußen“ verschwimmen lässt, schwebte auch die Musik in den Kantpark und flutete mit ihrem Klang eine Welt fernab verkopfter Kunstmusik. Das zweite Werk, „Montagne déchirée“, setzte auf urgewaltige Soundcluster, vor allem in den tiefen Registern des Flügels. Als Kontrast dazu liefert die Komposition überraschend konsonante Passagen, über deren Fundament Hanni Liang leichte Melodien spielte, die auch aus einem Kinderlied hätten stammen können.

Die Uraufführung von „Verpasste Gelegenheiten“ war zweigeteilt. Zunächst trug Michael Krüger seine 13 Geschichten von potenziell romantischen Treffen vor, die nie stattgefunden haben, eben „verpasst“ wurden. Zum Beispiel sitzt da jemand in Hannover im Hotel und wartet auf jemand anderen. Dann taucht die erwartete Person auf, nimmt aber scheinbar keinen Kontakt auf und fährt weg. In allen Geschichten war das durchgängige Motiv.

Die Vertonung der Texte wurde von Hanni Liang großartig gespielt, Komponist Manfred Trojahn las die 13 Geschichten. Die Musik orientierte sich oft an den Geschehnissen der Texte, manchmal fast im Stile von Filmmusik, einige Charaktere bekommen eigene Themen. Der Stil Trojahns war eindeutig zu erkennen, viele Alterierungen und komplexe Akkorde lehnten sich an den Jazz, der Spieltstil war jedoch hörbar klassisch.

Das Künstlertrio erntete verdienterweise großen Applaus.

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