Gesundheit

Tausende Duisburger Zuwanderer sind ohne Krankenversicherung

Zwischenbilanz: Stoyka Temelkova-Kyorlinski  (Sozialarbeiterin) Karl-August Schwarthans  (Geschäftsführer  AWO Integration) und Projektleiter Joachim Krauß (v.l.)  in der AWO Clearingstelle in Hamborn.

Foto: Stephan Eickershoff

Zwischenbilanz: Stoyka Temelkova-Kyorlinski (Sozialarbeiterin) Karl-August Schwarthans (Geschäftsführer AWO Integration) und Projektleiter Joachim Krauß (v.l.) in der AWO Clearingstelle in Hamborn. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Nur die Hälfte der Zuwanderer aus Südosteuropa in Duisburg haben Krankenversicherungsschutz, schätzt die Clearingstelle bei der Awo-Integration.

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Der ungeklärte Krankenversicherungsstatus oder das Fehlen von Versicherungsschutz bleibt ein großes Problem für den Zugang zur Gesundheitsversorgung von rund 20 000 Zuwanderer aus Südosteuropa. Um Betroffene zu beraten und unklare Fälle zu klären, fördert die NRW-Landesregierung in einem dreijährigen Projekt eine von fünf sogenannter „Clearingstellen“ in NRW. In Duisburg ist sie seit dem Frühsommer 2016 angesiedelt bei der Awo-Integration. Nun hat das Team in einem Bericht für den Rat eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Viele Familien sind betroffen

Zwischen Ende August 2016 und Ende Juni 2017 wurden insgesamt 480 Menschen beraten. Der Anteil der Minderjährigen – 279 an der Zahl – belegt, dass vor allem Familien betroffen sind. Der Versicherungsstatus wird bei der Schuluntersuchung beim Gesundheitsamt abgefragt. Mit rund 210 Rumänen und rund 160 Bulgaren gab es zwei dominierende Herkunftsländer, der Anteil sonstiger EU-Bürger und Drittstaatler lag bei etwa 50.

Bestimmte Konstellationen begegneten den Beratern immer wieder: Da sind die nicht standesamtlich getrauten Paare mit Kindern und einem berufstätigen Elternteil. „Für die Kinder kann ein Versicherungsschutz relativ einfach hergestellt werden, nicht aber für den anderen Elternteil“, berichten die Berater. Probleme mit Beitragsschulden gebe es häufig bei Arbeitnehmern in der Fleischindustrie. Sie sind, obwohl in Deutschland tätig, über einen Arbeitgeber im EU-Ausland versichert. Relativ häufig sind auch Personen, die Deutschland auf Zeit verlassen, ohne sich abzumelden. Bei der Rückkehr verlangten die Kassen rückwirkend Beiträge oder den Nachweis über den Aufenthalt im Ausland. „Die Klärung bei dieser Personengruppe ist besonders intensiv und zeitaufwendig“, heißt es im Bericht.

Aufnahme in die Familienversicherung

Die Bilanz des ersten Beratungsjahres der Clearingstelle: Von 480 Fällen wurden bis Ende Juni 199 abgeschlossen. Für 102 Personen konnte die Krankenversicherung erfolgreich geklärt werden, was 21 Prozent aller Fälle und 51 Prozent der abgeschlossenen Fälle bedeutet. Zumeist ging es dabei um Aufnahme in die Familienversicherung. Insgesamt gelangt das Team zur Einschätzung, dass „für wenigstens die Hälfte der sich dauerhaft in Duisburg aufhaltenden EU-Bürger aus Bulgarien und Rumänien ein bestehender Krankenversicherungsschutz in Deutschland anzunehmen ist“.

Eine offene und gesundheitspolitisch bedeutende Frage bleibe jedoch weiterhin, wie hoch die Zahl der Minderjährigen ohne Krankenversicherungsschutz ist. Auf die Porbleme, ihre Gesundheitsversorgung sicherzustellen, weist auch der aktuelle Bericht des Duisburger Gesundheitsamtes zum Gesundheitszustand von Kindern aus Zuwandererfamilien für den Rat hin (wir berichteten).

>>AUCH MOBILE BERATUNGEN

Die Clearingstelle ist in erster Linie eine Beratungseinrichtung. Zwei Vollzeitkräfte bieten offene Beratungen an drei Standorten der Awo-Integration in Hamborn, Hochfeld und Marxloh an. Weiterhin finden mobile Beratungen beim Gesundheitsamt im Zusammenhang mit den Schuleingangsuntersuchungen und in der Sprechstunde der Malteser-Migranten-Medizin an der Münzstraße statt.

Die Clearingstelle ist eng angebunden an die weiteren Beratungsdienste der Awo-Integration wie Migrationsberatung für Erwachsene, Jugendmigrationsdienst, Flüchtlingshilfe und Schuldnerberatung.

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