Duisburger Philharmoniker

Sternstunde der Kammermusik mit dem Pavel Haas Quartett

Das Pavel Haas Quartet mitVeronika Jaruskova und  Marek Zwiebel (Violine), Jiri Kabat (Viola) und Peter Jarusek (Violoncello).

Das Pavel Haas Quartet mitVeronika Jaruskova und Marek Zwiebel (Violine), Jiri Kabat (Viola) und Peter Jarusek (Violoncello).

Foto: Giovanni Pinna

Duisburg.   Beim 6. Kammerkonzert musizierte Residenzkünstler Boris Giltburg mit dem Ensemble aus Prag. Programm steht ganz im Zeichen von Schostakowitsch.

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Wenn das Prager „Pavel Haas Quartett“ von einem britischen Musikmagazin als „aufregendstes Streichquartett der Welt“ bezeichnet wird, ist ein derartiger Superlativ nicht nur kaum zu beweisen, sondern trifft auch nicht den Kern der besonderen Qualitäten des Ensembles. Von denen konnten sich jetzt die Besucher des 6. Kammerkonzerts in der gut gefüllten Mercatorhalle ein eigenes Bild machen. Zusammen mit dem Pianisten Boris Giltburg, dem diesjährigen Residenzkünstler der Duisburger Philharmoniker, servierten die vier Streicher ein Programm mit drei Werken Dmitri Schostakowitschs auf einem Niveau, das an kammermusikalischer Delikatesse kaum zu überbieten ist.

Als wollte man die Zeit zum Stillstand bringen

Es ist die filigrane Dezenz, die sensible Tongebung, mit der auch feinste dynamische Werte im Pianissimo-Bereich zum Klingen gebracht und melodisch weit gespannte Linien mit einer Ruhe ausgelotet werden, als wollte man die Zeit zum Stillstand bringen. Das alles wird mit einer derart spieltechnischen Perfektion, einem ausgeprägten Gestaltungswillen und einem traumhaft sicheren Einverständnis im Zusammenspiel geboten, dass jede Nuance der reichen Ausdruckspalette der kostbaren Werke pointiert getroffen wird.

Und das nicht nur in dem klanglich schwerelos luftig vorgetragenen Streichquartett Nr. 7 op. 108, einem kurzen, nicht sehr bekannten, aber um nichts weniger interessanten Beitrag des Komponisten, sondern auch in den Werken mit Klavier. Im 2. Klaviertrio in e-Moll op. 67 wie auch im Klavierquintett g-Moll op. 57 erweist sich Pavel Giltburg erneut als kongenialer, einfühlsamer Kammermusikpartner, der sich nobel zurückhält und die Streicher selbst in den leisesten, erst recht nicht in den turbulenten Passagen auch nur ansatzweise zu überrollen droht. Das zeugt von einer vorbildlichen Anschlagskultur und partnerschaftlichen Musizierhaltung. Die Ergebnisse sind überrumpelnd in ihrer zarten Transparenz und ihrer sensiblen emotionalen Dichte.

Einfühlsamer Partner am Piano

Schostakowitschs geniale Mischung seiner eigenen Tonsprache mit neobarocken Einflüssen inklusive komplexer, aber keinesfalls steifer oder gar pathetischer Fugen im Streichquartett und dem Quintett kommt ebenso ideal zur Geltung wie der oft trauernde, weltverlorene Tonfall in dem von den Kriegsumständen gezeichneten Klaviertrio.

Eine Sternstunde kammermusikalischer Vortragskunst der Extraklasse. Entsprechend lebhaft fiel der begeisterte Beifall aus.

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