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Siemens will in Duisburger Werk 217 Stellen abbauen

Blick in eine der Produktionshallen der Verdichterfertigung von Siemens in Hochfeld.

Blick in eine der Produktionshallen der Verdichterfertigung von Siemens in Hochfeld.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.  Siemens plant den Abbau von 217 Stellen im Verdichterwerk in Duisburg-Hochfeld. Die IG Metall fordert Konzepte für die Zukunft.

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Das Duisburger Verdichterwerk von Siemens ist von den Stellenstreichungen des Konzerns stärker betroffen als in den letzten Monaten erwartet: 217 Arbeitsplätze will Siemens in den nächsten drei Jahren im Werk Hochfeld abbauen. Am Dienstagmorgen wurde die Belegschaft im Theater am Marientor über die Pläne informiert. Rund 1500 der insgesamt 2400 Mitarbeiter der Verdichter-Fertigung waren der Einladung der Unternehmensleitung zu einer Mitarbeiterversammlung gefolgt, bei der Werksleiter Dr. Marcus Brücher die am Standort Hochfeld geplanten Maßnahmen vorstellte.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht für das Hochfelder Werk: Duisburg wird Hauptstandort der Dresser Rand-Aktivitäten in Europa. Grund für diese aus Unternehmenssicht „deutliche organisatorische Aufwertung“ sei, dass Siemens in Hochfeld in den vergangenen Jahren stark in die Digitalisierung und in die Fertigung investiert hat. Geplant sei zudem, das Service-Geschäfts am Standort auszubauen. Nadine Florian, Betriebsratsvorsitzende bei Siemens in Hochfeld, wertet den Neuaufbau einer Europazentrale für die Siemenstochter als eine „Standortsicherung für Duisburg“. Auch sei ein weiterer Ausbau der Digitalisierung mit dem Konzern vereinbart worden. Florian: „Es wird trotz des Stellenabbaus auch investiert.“

Unbefriedigende Auftragslage

Siemens werde „den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestalten“, teilte das Unternehmen mit. Man unterstütze Betroffene mit einem „umfangreichen Angebot, neue Perspektiven zu finden“. Dabei gehe es vor allem um Vermittlung eines neuen Jobs bei Siemens oder in einem anderen Unternehmen, berufliche Weiterentwicklung und Qualifizierung, Hilfestellung bei der Existenzgründung und schließlich Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Vorruhestand, Altersteilzeit oder Aufhebungsvertrag.“ Man habe „lange, gut und fair“ zusammen mit der Gewerkschaft IG Metall verhandelt, erklärte Betriebsratsvorsitzende Nadine Florian im Anschluss an die Versammlung. Und es sei gelungen, „gute Pakete zu schnüren“ für die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter.

Hintergrund des Stellenabbaus ist die aus Unternehmenssicht unbefriedigende Auftragslage. „Der Markt für fossile Energieerzeugung ist kräftig eingebrochen“, so Lisa Davis vom Siemens-Vorstand.

Genau da setzt die Kritik der IG Metall an: „Die Rahmenbedingungen waren schon länger nicht gut“, erläuterte Gewerkschaftssekretärin Sabrina Jäger. Zwar sei es ein Erfolg, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen und gute Konditionen für den Job-Abbau in den Verhandlungen mit Siemens erreicht zu haben, doch bleibe das Unternehmen gefordert, sich für die Zukunft anders aufzustellen, also beispielsweise auf andere Geschäftsfelder zu setzen. „Sonst haben wir das Problem immer noch nicht beseitigt“, sagt Jäger. Und fordert Einbindung der Beschäftigten: „Da muss man aber mal die Beschäftigten mit ins Boot nehmen.“ Aufgabe der Unternehmensführung sei es, auch angesichts des Stellenabbaus schon in den letzten Jahren, jetzt endlich die „unternehmerischen Hausaufgaben“ zu machen: „Bisher müssen wir sie treiben.“

>> HOCHFELD WIRD ZENTRALE

181 Arbeitsplätze sollen nach Hochfeld verlagert werden, indem Hochfeld Hauptstandort der Dresser Rand-Aktivitäten in Europa wird.

Siemens hat Dresser-Rand am 30. Juni 2015 übernommen. Das Unternehmen ist Anbieter von Turbomaschinen für die Öl-, Gas-, Petrochemie- und Prozess-Industrien. Bis Juli 2017 produzierte Dresser-Rand auch Turbinen in Oberhausen, dann wurde das Werk geschlossen.

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