Lesung

Schüler des Duisburger Mercator-Gymnasiums mit NS-Gräuel konfrontiert

Ulrike Migdal erzählte den Schülern von ihren Treffen mit Ilse Webers Nachkommen – und von dem, was Weber durchleben musste.

Ulrike Migdal erzählte den Schülern von ihren Treffen mit Ilse Webers Nachkommen – und von dem, was Weber durchleben musste.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg-Hochfeld.   Die Bochumer Autorin Ulrike Migdal hat Texte von Ilse Weber im Mercator Gymnasium vorgelesen und über die Judenverfolgung berichtet.

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Ein schreckliches Schicksal, große Literatur. Die 1903 im österreichisch-ungarischen Kaiserreich geborene Ilse Weber schrieb jüdische Kindermärchen und kleine Theaterstücke für Kinder. Und sie schrieb auch über die Judenverfolgung – die die Hölle auf Erden für sie und ihre Familie bedeutete. Die Bochumer Autorin Ulrike Migdal hat jetzt Teile Webers Schaffens im Mercator-Gymnasium vorgelesen und über ihr Leben und Sterben berichtet.

Das Gehörte nahm die Schüler zum großen Teil mit. Beispielsweise dann, wenn Migdal mit Webers Briefen aus der Zeit der Judenverfolgung das Grauen überaus deutlich machte. Allerdings konnten nicht alle Jugendlichen die Konzentration über die Dauer der Vorlesung aufrechthalten.

Migdal erläuterte unter anderem, wie sie den Sohn Webers persönlich kennenlernte und so mit der Familie in Kontakt kam. Außerdem erzählte sie, wieso die Texte überhaupt überliefert sind. „Willi Weber konnte die Gedichte seiner Frau Ilse in einem Geräteschuppen einmauern – Gedichte und Lieder, die sie für ihre Mithäftlinge und ihre Pflegekinder geschrieben hatte“, erklärt sie. „Willi überlebte und konnte die Papiere nach der Befreiung in Sicherheit bringen, deshalb liegen uns heute die Schilderungen Ilse Webers Lebens als Jüdin in Mähren, Briefen und Gedichten vor“, sagt sie weiter.

Schule ohne Rassismus

Migdal, die sich schon seit vielen Jahren mit der Judenverfolgung und vor allem mit dem Werk Webers beschäftigt, ließ bei der Lesung Webers Leben in Nazi-Deutschland bis hin zur Deportation nach Theresienstadt sowie ihrem Tod in Auschwitz im Oktober 1944 greifbar werden. Ulrike Migdal machte deutlich, dass sie bis heute in Weber „eine unglaublich starke Frau, die dem Terror im Konzentrationslager mit ihren Versen und ihrer kompromisslosen Mitmenschlichkeit trotzte“ sehe.

80 Prozent der Schüler stimmte für das Thema

Für die Schüler stellte die Lesung einen Programmpunkt in der Bewerbung als „Schule ohne Rassismus“ dar. „Wir möchten unsere Schüler für das Thema sensibilisieren“, erklärt Alexandra Pues, die an dem Gymnasium Sozialwissenschaften und Sport unterrichtet. „Doch was noch viel wichtiger ist: Unsere Schüler möchten das auch“, sagt sie. Etwa 80 Prozent der Schüler haben bei einer Befragung dafür gestimmt, das Thema Rassismus und entsprechende Veranstaltungen mehr in den Schulalltag mit einzubeziehen. In nächster Zeit stehen entsprechende Projekte an.

Bisher gebe es allerdings keinen Fremdenhass an der Schule, erklärt Pues. „Wir sind eine bunte Schule, die Mehrzahl hat einen Migrationshintergrund“, sagt sie. Vor allem die vielen Muslime wolle man sensibilisieren „da sie mit Antisemitismus konfrontiert werden – beispielsweise in einigen muslimischen Medien“.

Vom „Alterghetto“ nach Auschwitz

Das KZ Theresienstadt, wo Ilse Weber untergebracht war, errichteten die Nazis in Terezín, im heutigen Tschechien.

Das „Altersghetto“ war mit rund 40 000 jüdischen Opfern belegt. Kamen weitere Insassen hinzu, wurden schwache, kranke und alte Juden nach Auschwitz gebracht und dann dort ermordet.

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