Philharmoniker erkunden unbekanntere Gefilde

Zwei Erstaufführungen in einem Konzert zeigen, dass sich die Duisburger Philharmoniker gerne an selten gespielte Stücke des Repertoires begeben. Und der gute Besuch der Mercatorhalle zeigt, dass auch das Publikum solchen Programmen gerne folgt. Am Pult stand diesmal der Finne Ville Matvejeff.

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Zwei Erstaufführungen in einem Konzert zeigen, dass sich die Duisburger Philharmoniker gerne an selten gespielte Stücke des Repertoires begeben. Und der gute Besuch der Mercatorhalle zeigt, dass auch das Publikum solchen Programmen gerne folgt. Am Pult stand diesmal der Finne Ville Matvejeff.

Die Lustige Sinfonietta d-Moll op. 4 von Paul Hindemith eröffnet den Abend. Natürlich schreibt Hindemith keine Musik, bei der man vor Lachen vom Stuhl kippt, sondern er spielt gekonnt und humorvoll mit Klischees der sinfonischen Musik. Da gibt es mal plumpe Begleitrhythmen, skurrile Kombination von Instrumenten, sich vordringende Nebenstimmen oder plustert sich das klein besetze Orchester zu Wagner-Pathos auf. Ville Matvejeff bringt die Partitur mit trockenem Humor zum Klingen. Der Dirigent, der bereits im Juni 2015 im Philharmonischen Konzert zu Gast und Dirigent bei Royston Maldoons Tanzprojekt „Exile“ war, schlägt den Takt mit weit geschwungenen Armbewegungen. Unspektakulär in der Gestik, arbeitet er den Gehalt der Stücke und ihren klanglichen Reichtum sehr effektvoll und stilsicher heraus.

In Maurice Ravels einstündiger Ballettmusik zu „Daphnis und Chloe“ kommt neben dem groß besetzten Orchester auch der von Marcus Strümpe einstudierte Philharmonische Chor zum Einsatz. Matvejeff gelingt es, Orchester und Chor, der nur textlose Vokalisen singt, sehr gut auszubalancieren. Bereits im einleitenden gigantischen Crescendo steigert sich der Chor zu einer hymnischen Intensität, die das Publikum geradezu zu umarmen scheint. Die Sänger wissen aber auch, an welchen Stellen sie sich zurückhalten müssen, denn auch im Piano ist die Wirkung groß.

Besonders eindrucksvoll können sich die Philharmoniker präsentieren. Sowohl im Zusammenspiel der Instrumentengruppen als auch in den vielen solistischen Passagen beeindruckt das Orchester mit seinem farbenprächtigen und pointierten Spiel. Ville Matvejeff dirigiert eine klangstarke Aufführung und entwickelt Ruhe- und Höhepunkte des Werkes schlüssig. Nach solch einer Aufführung kann man sich nur wüschen, dieses Stück auch einmal als Ballett auf der Bühne zu erleben.

Das Publikum zeigt sich trotz einiger Längen der Musik begeistert und spendet einen großen und langanhaltenden Applaus.

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