Duisburger Philharmoniker

Performance mit Tanz und Musik setzt stark auf Kontraste

Mit Beginn der Brandenburgischen Konzerte nimmt das Publikum Platz, und die inzwischen bekleideten Tänzer „erwachen“.

Mit Beginn der Brandenburgischen Konzerte nimmt das Publikum Platz, und die inzwischen bekleideten Tänzer „erwachen“.

Foto: Ute Gabriel

Duisburg.   Die Performance „Relics“ im Duisburger Theater mit dem Barockensemble der Philharmoniker und der „Emanuele Soavi incompany“ lässt Vieles offen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Geheimnisvoll startete „Relics“, das dritte Gemeinschaftsprojekt der Duisburger Philharmoniker mit der „Emanuele Soavi incompany“, an ungewöhnlicher Stelle des Stadttheaters: Zu der 90-minütigen Tanz-Performance wurde das Publikum mitten auf die Bühne geführt, wo es zunächst frei wandelnd Tische bewundern durfte, auf denen rote Tücher rätselhafte Gegenstände verhüllten. Streng bewacht von Musiken des Barockensembles der Philharmoniker, die nach zehn Minuten die „Objekte“ langsam von den Stoffen befreiten.

Zum Vorschein kamen die Körper der acht Tänzer und Tänzerinnen der Kölner Tanzcompany, die sich regungslos und in völliger Nacktheit den Blicken der Zuschauer aussetzten. Dazu startete das Barockensemble mit dem ersten Satz aus Johann Sebastian Bachs 5. Brandenburgischem Konzert. Kraftvolle, von der fabelhaften Cembalistin Flóra Fábri mit einer hochvirtuosen Solo-Kadenz geadelte Musik, die einen bizarren Kontrapunkt zu den leblos wirkenden Gestalten auf den schmucklosen Tischen bildete. Ein Szenario, das bei manchem der teils sehr jungen Besucher Irritationen auslöste.

In triste Alltaganzüge geschlüpft

Langsam, nach den Schlusstakten des Eingangssatzes, erwachten die Tänzer aus ihrer Starre und begannen, sich ziemlich triste Alltagsanzüge überzuziehen und zunächst recht amorph zu ihren Bewegungsmöglichkeiten zurückzufinden.

Mit dem Einsatz der nächsten Sätze des Bach-Konzerts setzte mit harten Bewegungsabläufen ein komplexes Spannungsfeld zwischen Gruppenbildungen und Abweisungen ein. Es kam zu Annäherungen, die allerdings meist früh gestört wurden. Mit expressiven Gebärden und überzeichneten Gesten wirkten die Menschen wie aus dem Ruder gelaufene Automaten mit deutlich gestörten Sozialbindungen.

Verschiedene Entwicklungsstadien durchlebt

Zu den Klängen des 4. Brandenburgischen Konzerts fanden die Tänzer zu weicheren Bewegungen, die teils zu harmonischen Abläufen führten, bevor sie im dritten Teil zu den abstrakten geräuschhaften Elektro-Klängen von Wolfgang Voigt offenbar verschiedene Entwicklungsstadien durchlebten. Zu sehen waren animalisch anmutende Formationen und puppenhafte Mutationen, die viel Spielraum für diverse Assoziationen ließen. Am Ende wurde erkennbar, dass Wolfgang Voigt seine Klangmischungen aus Klängen der Bach-Kompositionen zauberte. Ende offen.

Wie in den Vorjahren gingen Musiker und Tänzer äußerst ernsthaft aufeinander ein, auch wenn die Bezüge zwischen den polymorphen Bewegungsprozessen und der stringenten Musik Bachs vor allem durch ihre Kontraste überzeugten und sich nur selten ergänzten. Immerhin bietet sich dadurch ein interessantes Potenzial für eine experimentierfreudige, über Strecken recht rätselhafte Performance, die vom Publikum mit großem Applaus belohnt wurde.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben