Hauptbahnhof

Online-Petition will altes Duisburger Bahnhofsdach schützen

So sieht das neue Dach über dem Duisburger Hauptbahnhof aus. 2022 soll es fertig sein.

So sieht das neue Dach über dem Duisburger Hauptbahnhof aus. 2022 soll es fertig sein.

Foto: DB Station & Service

Duisburg.   2022 soll sie fertig sein: die gläserne „Welle“ über den Bahnsteigen des Duisburger Hauptbahnhofs. Damit will sich ein Duisserner nicht abfinden.

Duisburg macht die „Welle“: Der Hauptbahnhof bekommt bis 2022 eine neue, spektakuläre gläserne Bahnsteig-Überdachung. Das freut Bahnkunden, die dann nicht mehr im Regen und „im Durchzug“ stehen Das freut die Bahn, die sich einen Top-Bahnhof leistet, und lässt Duisburgs Stadt-Gestalter angesichts des architektonisches Highlights jubeln. Freude überall? Nein. Der Duisserner Herbert Marschall hat eine Online-Petition zum Erhalt der stählernen Konstruktion gestartet.

Nun, die Welle macht der 58-Jährige seinerseits mit seiner Online-Petition nicht wirklich. Gerade mal sechs Unterstützer hat er bisher gewinnen können. 10 000 hat er sich eigentlich als Ziel gesetzt. Dazu hat er noch 33 Tage Zeit. „Die Überdachung ist in ihrer Konstruktion einmalig. Sie sollte erhalten bleiben“, begründet Herbert Marschall seine Petition an die Bundesbahn, in der er von der Deutschen Bahn fordert, die Abrissplanung sofort einzustellen und „eine städtebaulich und historisch authentische Erneuerung der bestehenden Konstruktion durchzuführen“. Enttäuscht von Stadt und Bahn sei er, dass der Denkmalschutz kurzerhand gekippt wurde.

Die alte „schwebende“ Bahnsteigüberdachung mit Stützen zwischen den Gleisen sei einzigartig und auf keinem anderen großen Bahnhof in Deutschland zu finden, so Marschall. „Sie stellt ein bedeutendes Relikt aus der Dampflokzeit dar“, begründet er seine Petition. Die Planungen der Bahn widersprächen dem Denkmalschutz und Duisburgs Tradition aus Kohle und Stahl. Das neue gläserne Dach „könnte an jedem beliebigen Ort in Deutschland stehen und ebenso gut als Überdachung eines Hallenbades dienen“, meint Marschall.

In der Tat: Als die Überdachung 1980 unter Denkmal gestellt wurde, hieß es in der Begründung, dass die Konstruktion damals beim Bau 1933 „bahnbrechend“ gewesen sei Von 1949 bis 1969 wurden ihre Kriegsschäden behoben. Nur drei Bahnhöfe wurden damals von der Reichsbahn im Rheinland derart gestaltet: Neben Duisburg noch Düsseldorf und Oberhausen. Als „klassische Moderne“ wurde der Architekturstil tituliert.

Das Besondere: Im Gegensatz zu bisherigen Bahnsteighallen, die die Gleise wie auch den Bahnsteig überspannten, war nur der Bahnsteigbereich überdacht, während über den Gleisen die Konstruktion offen war, damit der Rauch der Dampflokomotiven abziehen konnte. Auch die Konstruktion der Metallstützen mit Längsträgern ohne Diagonalen galt als besondere Hallenstruktur.

Bahnkunden stehen im Regen

Leidgeprüfte Bahnkunden haben ein anders Bild: Marode und schäbig ist die Überdachung, das Ständerwerk rostig, die Scheiben grau-milchig oder zerbrochen. Es bläst der Wind und sprüht der Regen auf den Bahnsteigen. 2011 gestattete die Denkmalbehörde den beantragten Abriss. Nicht mehr standsicher sei die Konstruktion und zudem technisch überholt. Und Stützen im Gleisbett, das gibt es gar nicht mehr. Eine Rekonstruktion wäre für die Bahn auch technisch nicht mehr erlaubt. Denn das Bahnsteigdach trägt laut Bahnsprecher Torsten Nehring noch die Oberleitung mit 15 000 Volt.

Also wird aus der Petition von Herbert Marschall wohl nichts werden. Die Deutsche Bahn wird aber zumindest beim Abriss eine Dokumentation der Konstruktion erstellen und kümmert sich nun vorrangig um das neue Dach: Im September beginnen die Vorarbeiten, die Fertigstellung ist für 2022 geplant. 152 Millionen Euro investiert sie in die futuristische neue Überdachung. Wie die neue Halle künftig aussehen wird, soll im Mai 2018 über dem Bahnsteig 6 bereits zu sehen sein.

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