Krankenhaus in Duisburg

Spezialisten helfen Schlaganfall-Patienten zurück ins Leben

Krankenpfleger Christian Mroß leitet die neue Station „Neurologische Früh-Rehabilitation“ am Evangelischen Klinikum Niederrhein.

Krankenpfleger Christian Mroß leitet die neue Station „Neurologische Früh-Rehabilitation“ am Evangelischen Klinikum Niederrhein.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Duisburg-Röttgersbach.  Auf einer neuen Station am Evangelischen Klinikum Niederrhein werden Patienten nach schweren Hirnverletzungen und Schlaganfällen betreut

Im letzten Monat noch hat er sich jeden Morgen aufs Rad geschwungen, ist mit Freunden stundenlang gewandert, hat sich um die Enkel gekümmert – ein rüstiger Rentner voller Energie. Seit ein paar Wochen ist alles anders. Bei einer Radtour ist der Duisburger frontal gegen einen Baum geprallt. Er erlitt schwere Hirnverletzungen und liegt seitdem auf der Neurologischen Station im Evangelischen Klinikum Niederrhein. Nach mehreren Operationen und Intensivstation wird er jetzt auf der neuen Station „Neurologische Früh-Rehabilitation“ behandelt. Seit zwei Monaten betreut man hier Patienten nach schweren Hirnverletzungen und Schlaganfällen.

Die Zeit im Krankenhaus können die Fachleute nun nutzen. In der Hoffnung, dass der Patient später wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewinnt, weniger auf Hilfe anderer angewiesen ist. „Ein Riesen-Fortschritt ist erreicht, wenn ein Patient nach einem Luftröhrenschnitt wieder lernt, zu schlucken“, sagt Dr. Janpeter Nickel, der Leitende Arzt der Abteilung. Damit kann die Trachealkanüle, die den Menschen sehr beeinträchtigt, entfernt werden. Eine häusliche Pflege ohne diese Kanüle ist wesentlich einfacher.

Schlaganfall: Verständigung mit Worten ist oft nicht möglich

Der Schock und die Trauer sind groß, wenn ein Mensch aus seinem gewohnten Umfeld gerissen wird. Wenn er von einem auf den anderen Tag nicht mehr selbstständig essen, trinken oder sich waschen kann. Ziel der Früh-Reha ist es, den Patienten so weit zu aktivieren, dass er eine Rehabilitation absolvieren kann, um diese Fähigkeiten wieder zu erlangen – je nach Schwere der Verletzungen zumindest teilweise.

Um solche Fortschritte zu erreichen, bedarf es intensiver Betreuung durch Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Pflegekräfte, die zusätzlich für die aktivierende Pflege ausgebildet sind. „Eine frühe Aktivierung ist schon seit den 90er Jahren ein Thema in der Medizin. Leider hat NRW in diesem Bereich die rote Laterne“, bedauert der Neurologe Janpeter Nickel. Alle Mitarbeiter sind geschult – auch, um mit den Patienten zu kommunizieren. Denn eine Verständigung mit Worten ist oft nicht möglich. Also versuchen die Pfleger und Schwestern Augenbewegungen oder Muskelanspannungen zu deuten.

Ein Mitarbeiter des Pflegepersonals kümmert sich um drei Patienten. 300 Minuten Betreuung am Tag sind vorgesehen, oft über einen Zeitraum von mehreren Wochen. „Man nimmt sehr viel Anteil. Und bekommt sehr viel zurück“, sagt Christian Mroß, Pflegedienstleiter der Station. Es sei toll mitzuerleben, wenn ein Patient, der völlig hilflos war, als er eingeliefert wurde, so weit kommt, dass er wieder sitzen kann.

Auf der Station soll einmal Platz für 20-30 Patienten sein

Zur Zeit stehen zehn Betten in der Früh-Rehabilitation des Klinikum Niederrhein bereit. Nickel hofft, dass später einmal 20 oder 30 Patienten frühzeitig behandelt werden können. „Es gibt zur Zeit zu wenig Plätze“, so der Neurologe. Dabei sei es ein großer Gewinn für jeden Patienten, die wertvolle Zeit bis zu einer Reha zu nutzen. Eine frühzeitige Aktivierung, sobald die Vitalfunktionen, etwa die Atmung, wieder funktionieren, macht Sinn. Denn Muskelschwund setzt schon nach einer Woche ein. Je früher Funktionen, die brach liegen, wieder stimuliert werden, um so besser. Im übrigen spare dies auch langfristig Geld, wenn der Patient dadurch weniger pflegebedürftig ist.

Auf der Früh-Reha-Station unterstützt auch die Technik: ein Stehtrainer zum Beispiel, Rüttelplatten, um die Muskeln und Nerven zu sensibilisieren, oder ein Bett, das aus der liegenden Position in die Vertikale gekippt werden kann, um den Menschen wieder an die Vertikale zu gewöhnen. Bei etwa der Hälfte der Patienten erzielt man gute Fortschritte. Die Erfolgschancen sind umso höher, je jünger ein Patient ist.

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